Zürich

Voller Lohn für die ganze Arbeit – Kantonsrat fordert 100-Prozent-Löhne für Kindergarten-Lehrpersonal

Die Anstellungsbedingungen in Kindergärten und Primarschulen sollen einander angeglichen werden.

Die Anstellungsbedingungen in Kindergärten und Primarschulen sollen einander angeglichen werden.

Auch das Kindergartenlehrpersonal soll 100-Prozent-Jobs erhalten, fordert der Kantonsrat.

Im jahrzehntelangen Streit um höhere Löhne hat das Zürcher Kindergartenlehrpersonal nun den Kantonsrat auf seiner Seite: Er unterstützte gestern eine EVP-Motion, die verlangt, dass auch Kindergartenlehrpersonen in einer Klasse mit einem Vollpensum von 100 Prozent angestellt werden können. Die knappe Mehrheit für den Vorstoss brachten SP, GLP, Grüne, AL und EVP zu Stande. Nun muss der Regierungsrat eine entsprechende Vorlage erarbeiten.

Kindergartenlehrpersonen erhalten derzeit generell höchstens Arbeitspensen von 88 Prozent, auch wenn sie voll unterrichten. Der Grund dafür sind im Vergleich zu Primarschulen kürzere Arbeitszeiten, wie Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) sagte. So würden Kindergartenlehrpersonen nur an zwei von fünf Nachmittagen unterrichten.

Ihre Haltung stiess auf Widerspruch: «Dass man Kindergartenlehrpersonen benachteiligt, ist ein Skandal», sagte Hanspeter Hugentobler (EVP, Pfäffikon). Auch die Auffangzeit, während der die Kinder in den Kindergarten eintrudeln, müsste als Arbeitszeit gelten, fordert er. Ebenso die Pausen, in denen das Kindergartenlehrpersonal, anders als Primarschullehrkräfte, betreuerisch voll gefordert sei. Würde man im Kindergarten faire 100-Prozent-Anstellungen gewähren, koste dies den Kanton und die Gemeinden 25 Millionen Franken pro Jahr. Angesichts des Kantonsbudgets von 16 Milliarden sei dies verkraftbar.

«Es ist höchste Zeit, Kindergarten und Primarschulen gleichzustellen. Für 100-Prozent-Arbeit soll esauch 100-Prozent-Lohn geben», doppelte Monika Wicki (SP, Zürich) nach. Dies sei möglich, wenn auch die Pausen als Arbeitszeit angerechnet würden. Christoph Ziegler (GLP, Elgg) lieferte einen weiteren Vorschlag, wie die Forderung umzusetzen sei, ohne das gesamte Lohngefüge des Lehrpersonals durcheinanderzubringen: Er reichte gestern eine parlamentarische Initiative ein, wonach auch im Kindergarten pro Woche zwei Stunden Halbklassenunterricht stattfinden sollen. Unter dieser Voraussetzung könne die GLP der EVP-Motion zustimmen. Karin Fehr (Grüne, Uster) verwies auf den Aargau, der dem Kindergartenlehrpersonal zusätzliche Stunden anrechne.

Anders der Kanton Zürich: «Alle Lehrpersonen können mit einem Vollpensum arbeiten, nur im Kindergarten nicht. Es ist ein Unding», sagte Andrea Gisler (GLP, Gossau). Und fügte an: «Dass es sich dabei um einen typischen Frauenberuf handelt, spricht für sich.» Die Ratsrechte hielt dagegen: Die Zürcher Kindergartenlöhne seien deutlich höher als in den umliegenden Kantonen, sagte Marc Bourgeois (FDP, Zürich). Zudem habe das Bundesgericht 2017 festgestellt, dass die Zürcher Kindergartenregelung nicht diskriminierend sei.

Für die SVP wäre ein kostenneutraler Vorschlag diskutabel, bei dem höhere Kindergartenlöhne etwa durch Lohnabstriche an den Gymnasien finanziert würden, wie Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) sagte. In der vorliegenden Form lehne die SVP aber die Motion ab.

Silvia Steiner will an ihren Plänen festhalten

Aus Sicht der CVP genügt das bereits aufgegleiste Vorhaben der Bildungsdirektion. Es sieht eine Angleichung der Kindergarten- an die Primarschullöhne bei gleicher Ausbildung vor. «Einen anderen Weg sehe ich im Moment nicht», sagte Bildungsdirektorin Steiner.

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