Eigentlich war nur eine kleine Überarbeitung des Zürcher Universitätsgesetzes angesagt, gestern im Kantonsrat. Es ging darum, dass Titularprofessorinnen und -professoren künftig auch ohne Habilitationsschrift, dafür aufgrund ihrer wissenschaftlichen Publikationen ernannt werden können. Und darum, dass das administrative und technische Personal der Uni mehr Mitbestimmungsrechte erhält. Beides winkte das Parlament durch. Eine längere Debatte entwickelte sich vor dem Hintergrund des Frauenstreiks vom vergangenen Freitag über Gleichstellungsfragen.

Der Regierungsrat und die Parlamentsmehrheit wollen den Gleichstellungsartikel im Unigesetz lediglich umplatzieren, inhaltlich aber beibehalten. Er lautet: «Die Universität fördert die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter. Sie strebt eine ausgewogene Vertretung der Geschlechter in allen Funktionen und Gremien.» Die SVP verlangte hingegen, den Gleichstellungsartikel zu streichen. «Ausgewogenheit ist nicht zu verordnen», begründete Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) die Haltung der grössten Fraktion im Parlament. Die Uni müsse dafür sorgen, dass das bestmögliche Personal in allen Funktionen vorhanden sei.

Anders die Forderung von AL, SP, Grünen und GLP: Sie beantragten, neben der Gleichstellung der Geschlechter auch eine Verpflichtung zur Diversität ins Universitätsgesetz schreiben. Schliesslich bekenne sich die Uni Zürich seit 2018 zu einer gelebten Vielfalt, erklärte Judith Stofer (AL, Zürich). Die «Diversity Policy» der Uni besagt, dass Diskriminierungen von einzelnen Personen oder von Personengruppen aufgrund von stereotypisierenden Vorurteilen nicht toleriert werden. Dieses Bekenntnis gelte es nun auch gesetzlich zu verankern. Eine Streichung des Gleichstellungsartikels sei hingegen angesichts eines Professorinnen-Anteils von unter 25 Prozent völlig fehl am Platz. «Es besteht Nachholbedarf», sagte Stofer. «Das hat die Unileitung selbst erkannt.»

Mit den Anträgen von SVP und AL stünden sich Tradition und Moderne gegenüber, meinte Karin Fehr (Grüne, Uster). Auch Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP) plädierte für den Gleichstellungsartikel im Universitätsgesetz. Dieser sei nötig, obwohl die Gleichstellung auch schon in der Bundesverfassung verankert ist: «Die Übervertretung der Männer in den Führungsgremien ist nicht haltbar», sagte Bildungsdirektorin Steiner. Der Frauenanteil in den universitären Führungsgremien liege bei fünf Prozent. Die Ergänzung des Gleichstellungsartikels um den Begriff «Diversität» sei hingegen unnötig – einerseits, da ich die Universität bereits zur Diversität bekenne; andererseits, weil rechtlich unklar sei, was mit dem blossen Begriff gemeint sei. Der Kantonsrat lehnte schliesslich sowohl den Ergänzungsantrag der Ratslinken als auch den Streichungsantrag der SVP ab. Somit bleibt der Gleichstellungsartikel im Universitätsgesetz unverändert.

Keine Quote für Schweizer

Eine andere Art von Gleichstellung wollte die EDU im Universitätsgesetz festschreiben: Sie forderte, dass mindestens die Hälfte der Doktorierenden jeder Unifakultät das Schweizer Schulsystem durchlaufen haben müsse. So würde gesichert, dass die Uni zu einem Mindestanteil von Schweizer Professoren käme, meinte Hans Egli (EDU, Steinmaur). An manchen Fakultäten gebe es bis zu 83 Prozent ausländische Professoren.

Die Forderung der EDU sei als völlig ungeeignet abzulehnen, sagte Christoph Ziegler (GLP, Elgg). «Die Forschungswelt lebt vom internationalen Austausch», doppelte Sylvie Matter (SP, Zürich) nach. «Hier muss man schauen, dass man die Besten erhält», fügte Alexander Jäger (FDP, Zürich) an. Die SVP liess die EDU mit ihrer Forderung ebenfalls abblitzen: «Die Besten sollen die Jobs erhalten, nicht Quoten», sagte Hans-Peter Amrein (SVP, Küsnacht). Worauf sich erneut Bildungsdirektorin Steiner in die Debatte einschaltete. Sie sprach von einem untauglichen Versuch, den Anteil von Schweizer Doktoranden an der Uni mittels Quote zu bestimmen. Auch bei der im Gleichstellungsartikel geforderten ausgewogenen Vertretung der Geschlechter handle es sich nicht um eine fixe Quote, betonte Steiner. Die EDU-Forderung nach einer 50-Prozent-Quote für Doktoranden, die das Schweizer Schulsystem durchlaufen haben, blieb chancenlos. Die Schlussabstimmung über die Revision des Universitätsgesetzes folgt in vier Wochen.