Eishockey

Sie sind immer noch da: Die dritte Liga ist das Ziel der Limmattal Wings

Das Team der Limmattal Wings hat sich in der 4. Liga etabliert und strebt mittelfristig den Wiederaufstieg in die 3. Liga an. zvg

Das Team der Limmattal Wings hat sich in der 4. Liga etabliert und strebt mittelfristig den Wiederaufstieg in die 3. Liga an. zvg

Seit dem Abstieg 2015 ist es ruhig um die Limmattal Wings geworden. Dennoch hält sich der Verein in der 4. Liga wacker – auch dank der Partnerschaft mit einem früheren Rivalen.

Vor genau vier Jahren weinte man im Limmattal bittere Hockey-Tränen. Soeben war der Abstieg der Limmattal Wings, die 2007 aus einem Zusammenschluss des EHC Dietikon mit dem EHC Kleindöttingen und dem EHC Birmensdorf hervorgingen, aus der 3. Liga besiegelt. Der Verein stand vor einer ungewissen Zukunft. Damit war auch das Eishockey im Limmattal bedroht. Denn mit einem Niedergang der Wings drohte die Region ihre einzige verbliebene Stütze neben dem EHC Urdorf zu verlieren.

Heute, einige Saisons in der tiefsten Spielklasse später, hat sich die Lage jedoch stabilisiert. Der Verein ist in der 4. Liga etabliert, konnte den Kern der Mannschaft über die Jahre im Wesentlichen zusammenhalten und schnupperte gar einmal am Wiederaufstieg. Dennoch plagen sich die Limmattaler mit einigen Baustellen herum.

Eine davon sei die teils prekäre Spielersituation, gibt Präsident Mike Weiss, der die Wings in dieser Saison auch als Trainer betreute, zu Protokoll: «Weil viele Spieler aufgrund schulischer, beruflicher oder familiärer Verpflichtungen oft nicht dabei sein konnten und wir deshalb mit einer Rumpftruppe antreten mussten, hatten wir eine ziemlich harzige Saison.»

Im Urdorfer Exil

Eine Saison, die – dank eines tollen Schlussfinishs – immerhin noch im vierten Rang beendet werden konnte. Die Playoffs hat man damit zwar verpasst, angesichts der widrigen Umstände sei man mit dem Erreichten dennoch zufrieden. Denn nebst Spielern fehlte es den Wings in dieser Saison auch an einem Heimstadion. Weil die Kunsteisbahn Trägerhard in Wettingen renoviert wird, mussten die Wings auf die Urdorfer Weihermatt ausweichen.

Ein Schritt, der noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre, waren der EHC Dietikon und der EHC Urdorf doch verbitterte Lokalrivalen, die einen hart umkämpften Wettstreit um die Hockey-Vorherrschaft im Limmattal austrugen und sich dabei so manches hitziges Derby lieferten.

Heute hat sich dieses Bild radikal verändert. Aus den Rivalen sind enge Partner geworden. «Es ist jetzt kein Wettkampf mehr, sondern eine Partnerschaft. Ein Zusammen, ein Ergänzen, wenn man so will», sagt Weiss. Deshalb sei das Gastspiel in Urdorf für die Wings auch kein Problem gewesen: «Im Gegenteil. Wir sind enorm dankbar, dass wir in Urdorf unterkommen durften. Wir haben uns rundum willkommen gefühlt und hoffen, dass wir die Partnerschaft noch intensivieren können, um so auch künftig das Überleben der Limmattal Wings zu sichern.»

Partnerschaft mit Ex-Rivalen

Denn nicht nur betreffend der Eisfläche kooperieren die beiden Limmattaler Teams. Sowohl auf der organisatorischen Ebene, auf der etwa Lorenz Bertschmann für beide Vereine das Amt des Sportchefs bekleidet, als auch auf der spielerischen besteht zwischen den einstigen Rivalen eine strukturelle Durchlässigkeit. So profitieren etwa die Wings, die sich selbst keine Jugendabteilung leisten können, von Nachwuchsspielern des ambitionierten Drittligisten.

So standen in dieser Saison beispielsweise ganze sechs Urdorfer Junioren im Kader der Wings. Handkehrum findet Urdorf im Team von Mike Weiss einen Abnehmer für solche Spieler, die etwa aus beruflichen Gründen das zeitintensive Trainingspensum nicht stemmen können und solche, die ans Niveau der 2. Liga herangeführt werden und Spielpraxis sammeln sollen. Ohne diese Verstärkungen vom Partnerverein wäre der Spielbetrieb für die Limmattal Wings wohl kaum aufrecht zu erhalten.

Die Bezeichnung Farmteam mag Weiss, wohl wissend um die Vergangenheit der beiden Teams, dennoch nur ungern in den Mund nehmen. Wichtiger als solche Begrifflichkeiten sei ihm ohnehin eine fruchtbare Zusammenarbeit und ein daraus resultierender Aufschwung für das Eishockey im Limmattal: «Das Traumszenario für die kommenden Jahre wäre, wenn wir im Verbund mit Urdorf aufsteigen könnten und so eine Zweitliga- und eine Drittligamannschaft in der Region hätten.»

So könnte man dem Hockey-Nachwuchs eine regionale Perspektive bieten. Denn momentan zieht es Junioren aus dem Limmattal vermehrt in die Vereine im Umkreis, die in höheren Ligen beheimatet sind

Umbrüche stehen an

Mittelfristig strebt man bei den Limmattal Wings den Wiederaufstieg in die 3. Liga an. Zunächst soll aber an der Basis dafür gearbeitet werden. Die Planungen für die neue Saison laufen bereits. So hofft man etwa, wie im vergangenen Jahr, ein gemeinsames Sommertraining mit dem Partnerverein aus Urdorf bestreiten zu können.

Auch ein gemeinsames Eistraining im Winter, das ein weiteres Zusammenwachsen der Equipen begünstigen würde, sei ein Wunschszenario für die Zukunft. Die Hockey-Zusammenarbeit im Limmattal soll folglich weiter intensiviert werden.

Zudem wünscht sich Weiss einige junge Zugänge, welche mehr Breite ins Kader brächten und so die altgedienten Spieler entlasten könnten: «Bei uns ist knapp die Hälfte der Spieler im Veteranenalter. Die sind zwar alle noch topfit und haben Freude am Hockey, trotzdem sind wir immer froh, wenn wir von Junioren angefragt werden, die zu uns kommen wollen», sagt der 50-Jährige, der bis zur letzten Saison noch selbst für die Wings auf dem Eis stand. Das Traineramt wird er indes im Sommer abgeben. Die Nachfolge soll in den kommenden Wochen geregelt werden.

Wo die Wings in der kommenden Spielzeit zuhause sein werden, ist ebenfalls noch unklar. Denkbar ist eine Kombination aus Urdorf und der wiedereröffneten Eisbahn in Wettingen – also eine Saison ohne wahrhaftiges Heimstadion. «Auf diesem Niveau ist ein Hockeyspiel schlicht ein Hockeyspiel. Da macht der Heimvorteil nicht derart viel aus», meint Weiss.

Mit Dietikon verbunden

Eine Rückkehr in die einstige Heimat wird es in absehbarer Zukunft nicht geben. Schlichtweg, weil in Dietikon keine Eisfläche für die Hockeyaner zur Verfügung steht. Dennoch bleibt man der Stadt verbunden, hilft etwa alljährlich beim Aufbau des Weihnachtsmarktes mit. «Im tiefen Herzen sind die Limmattal Wings immer mit Dietikon verbunden. Egal, wo wir spielen», sagt Weiss.

Dennoch geht die Verankerung der Wings in ihrer ehemaligen Heimatstadt kaum über die sentimentale Ebene hinaus. Bis auf zwei Funktionäre finden sich keine Dietiker mehr in den Reihen des Vereins. Gut möglich, dass sich dies in Zukunft ändern könnte, wenn das Limmattaler Hockey wieder über zwei starke Stützen verfügt. Dann zwar ohne Derbys, dafür aber mit einer engen Partnerschaft.

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