Spital Limmattal

Umkleidezeit als Arbeitszeit? Dem «Limmi» steht wohl ein Rechtsstreit mit sechs Angestellten bevor

Im September stand das Limmattal Schlange, um den Spital-Neubau zu besichtigen, der dann im Oktober in Betrieb ging. Der Neubau sorgte für Zusatzaufwand.

Die Delegiertenversammlung des Spitalverbands Limmattal genehmigte die Rechnung des Jahres 2018. Das «Limmi» zählte im Zügeljahr 66'405 ambulante Patienten. Zudem sagte Spitaldirektor Thomas Brack, dass ein Rechtsstreit mit sechs Angestellten bevorsteht.

66'405 ambulante Patienten und 11'167 stationäre Patienten zählte das Spital Limmattal im vergangenen Jahr. Es gab also viel zu tun für die 1477 «Limmi»-Mitarbeitenden, die aus 50 Nationen stammen. Mit dem Umzug in den Neubau «Limmi Viva», der seit Ende Oktober in Betrieb ist, war von den Angestellten ein zusätzlicher Effort gefordert. Das ist nun auch am Personalaufwand in der Jahresrechnung 2018 zu sehen, die die Delegiertenversammlung am Mittwochabend genehmigt hat. So war dieser Aufwand in der Zeit von Oktober bis Dezember über zwei Millionen Franken höher als in den drei vorangehenden Quartalen.

Die Mitarbeitenden seien die «Seele» des Spitals, schreibt nun der Verwaltungsratspräsident und Schlieremer Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) im Geschäftsbericht 2018, den die Versammlung ebenfalls genehmigte. «Nur dank ihnen konnten wir den für einen erfolgreichen Betrieb so wichtigen Spirit in das neue Gebäude mitnehmen und diesem ab dem ersten Tag Leben einhauchen», so Bärtschiger weiter.

Auch Spitaldirektor Thomas Brack ist voll des Lobes. «Die eigenen Leistungsgrenzen haben unsere Mitarbeitenden in den vergangenen Monaten häufig überschritten, oft mit einer grossen Ruhe und Selbstverständlichkeit», schreibt er im Geschäftsbericht.

Spital hat Verfügung erlassen

Also alles perfekt? Nicht ganz: Die Diskussionen darüber, ob die Umkleidezeit als Arbeitszeit gelten soll, gehen auch am Spital Limmattal nicht spurlos vorbei. Dass Spitalangestellte auch für die Umkleidezeit bezahlt werden, hatte der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) gefordert. Manche Spitäler gingen auf die Forderung ein. Nicht so das Spital Limmattal. «Zum einen unterstehen wir als Zweckverband nicht dem Arbeitsgesetz. Zum anderen bestehen die Arbeitsbedingungen aus vielen verschiedenen Elementen», sagte Spitaldirektor Brack. Wenn die Umkleidezeit als Arbeitszeit gelte, führe das zu Mehrkosten. Es liege auf der Hand, dass dieses Geld dann woanders eingespart werden müsste, erklärte Brack. Von den fast 1500 Mitarbeitenden fordern sechs – das entspricht weniger als einem halben Prozent aller Angestellten – explizit, dass die Umkleidezeit auch im «Limmi» entlöhnt wird. «Wir haben uns dagegen entschieden und das in einer Verfügung festgehalten, gegen die die entsprechenden Mitarbeitenden zusammen mit dem VPOD nun vorgehen können», so Brack weiter. Das heisst, die Diskussion ist noch nicht zu Ende. Sie dürfte auf einen Rechtsstreit hinauslaufen.

«Ein stolzer Gewinn»

Doch zurück zur genehmigten Jahresrechnung. Diese schliesst der Spitalverband mit einem Plus in der Höhe von 9,4 Millionen Franken ab. «Ein stolzer Gewinn», wie Boris Steffen festhielt. Der Schlieremer SVP-Gemeinderat ist Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK) des Spitalverbands. Das Plus ergab sich wegen des Verkaufs eines Grundstücks in Urdorf – ein ausserordentlicher Ertrag in der Höhe von 22 Millionen Franken. Diesem Landverkauf hatte das Stimmvolk der Trägergemeinden des Spitals im Jahr 2018 zugestimmt. Mit dem nun verzeichneten Gewinn erhöht sich das Eigenkapital des Spitalverbands auf 73,3 Millionen Franken. Die Eigenkapital-Quote liegt neu bei 19,8 Prozent.

2019 und 2020 als Gradmesser

Betrachtet man die einzelnen Bestandteile des Spitals, so schloss das Akutspital etwas schlechter ab als budgetiert. Dies hat unter anderem mit dem Umzug in den Neubau zu tun. So sind deswegen beispielsweise nicht nur die Personalkosten, sondern auch die Sachkosten gestiegen. Während des Umzugs waren zudem die Umsätze tiefer. Insbesondere im Sommerhalbjahr wurden weniger Patienten gezählt als budgetiert. Übers ganze Jahr gesehen lagen die stationären Fallzahlen 2,4 Prozent tiefer als noch 2017. Im ambulanten Bereich stiegen die Fallzahlen hingegen leicht: um 0,6 Prozent. Neben den höheren Kosten und tieferen Umsätzen drückten auch staatliche und kantonale Tarifveränderungen auf die Rechnung. Das Pflegezentrum und die Nebenbetriebe, wozu auch der Rettungsdienst gehört, schlossen über Budget ab.

RPK-Präsident Steffen sagte, die beiden nächsten Jahre seien der Gradmesser für den Neubau. Das Spital rechnet für 2019 und 2020 mit leichten Verlusten. Danach, ab Rechnungsjahr 2021, sollen die Zahlen wieder positiv sein.

Für den Rettungsdienst wird derzeit ein neuer Stützpunkt gebaut, dort wo zuletzt Büro-Container standen. Im Juni soll der Rohbau fertiggestellt sein und eine Aufrichtefeier stattfinden.

Auch sonst bleibt das Bauen ein grosses Thema im «Limmi». Der grösste Brocken ist nun der Neubau des Pflegezentrums, für den Ende 2018 der Totalunternehmervertrag unterzeichnet und im Februar 2019 die Baueingabe bei der Stadt Schlieren eingereicht wurde. Der Baustart ist auf Anfang 2020 geplant, 2023 soll das neue Pflegezentrum in Betrieb gehen.

Spitaldirektor Brack informierte nun die Delegierten, dass die Trägergemeinden wesentlich weniger durch die Darlehenszinsen belastet werden als ursprünglich kalkuliert. Rund 7,5 Millionen Franken weniger werden die Gemeinden Dietikon, Schlieren, Urdorf, Birmensdorf, Aesch, Oberengstringen, Unterengstringen, Weiningen, Geroldswil und Oetwil zahlen müssen. Dank der tieferen Zinsen wird sich die Betriebsrechnung des künftigen Pflegezentrums verbessern.

Hochhaus verschwindet ab Mai

Auch die Wiedererrichtung der Spitalkapelle ist auf Kurs. Derzeit laufe das Bewilligungsverfahren, wie Spitalverbandspräsident Bärtschiger sagte.

Das alte Spital-Hochhaus wird zudem bis November ganz verschwinden. In den letzten Monaten liefen Abbrucharbeiten im Innern des Gebäudes. Insbesondere mussten auch Altlasten entfernt werden. Ab Mai soll der Abbruch des hohen Gebäudes auch von aussen sichtbar werden. Unter anderem wird dafür auch 20 Tonnen schweres Gerät auf das alte Spitalhochhaus gehievt. Die Maschine wird das Hochhaus dann von oben herab anknabbern.

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