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«Tschudi» – ein packender Roman lässt die Leserschaft ins Berlin von 1900 eintauchen

Eben gelesen mit Larissa Schenck von der Bibliothek Aesch.

Eben gelesen mit Larissa Schenck von der Bibliothek Aesch.

Larissa Schenck von der Bibliothek Aesch hat es ein Roman angetan, der die Geschichte eines Schweizer Freigeistes erzählt.

Larissa Schenck lebt seit vielen Jahren in Aesch. Fast so lange arbeitet sie in der dortigen Bibliothek. Dort ist sie unter vielem anderem für den Einkauf der Hörbücher für Erwachsene verantwortlich, wo auch ihre grosse literarische Sachkenntnis einfliesst. Auch bei ihren Hobbys zeigt sich ihre Literatur- und Kunstverbundenheit, geht sie doch gerne in die Oper und ins Theater, aber auch das Kochen, das Essen, das Reisen, das Gärtnern und das Zusammensein mit der Familie gehören zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Sie liest gerne Spionagegeschichten, Biografien, historische Romane und gute Krimis.

Warum hat dich das Buch «Tschudi» angesprochen?

Eine 1987 in Kabul geborene Schriftstellerin erzählt von dem charismatischen Schweizer Hugo von Tschudi, dem es als Direktor der Berliner Nationalgalerie im Jahr 1896 gelingt, erstmals einer Weltöffentlichkeit die französische Moderne zu zeigen. Ich selbst bin in Teheran geboren, meine Grosseltern waren Berliner, mein Partner ist Schweizer und wir interessieren uns beide für Malerei. Meine Neugierde für dieses Buch war sofort geweckt.

Wurden deine Erwartungen erfüllt?

Mehr als erfüllt. Ich bin eingetaucht in die Bars und Salons der Berliner Gesellschaft in der Zeit des Übergangs vom 19. zum 20. Jahrhundert. Man begegnet Persönlichkeiten wie Max Liebermann und erfährt einiges über die deutsche Kaiserzeit. Man taucht ein in die Bilder der französischen Impressionisten und erhält Einblick in die Psyche eines Mannes, der mit seiner Ausstrahlung und Kraft so viel erreicht hat, obwohl sein Gesicht von einer Art Tuberkulose mehr und mehr zerfressen wird.

Worum geht es im Buch?

Der Roman erzählt von Hugo von Tschudi, einem charismatischen Freigeist aus altem Schweizer Adel, mit einer Passion für alles Schöne. Er bringt es zu Stande, gegen den Widerstand von Kaiser Wilhelm II. und den konservativen Teilen der Berliner Gesellschaft, dass seine Nationalgalerie als erstes Museum der Welt europäische moderne Kunst zeigt. Man erfährt von Intrigen und Macht, wird berauscht von den farbenfrohen, feinfühligen Bildbeschreibungen und der wunderbaren Sprache.

Wem würdest du dieses Buch empfehlen?

Allen, die sich für die Zeit um 1900 und für Berlin interessieren und die sich berauschen lassen wollen von Bildern und einer Sprache wie ein Feuerwerk. Es empfiehlt sich, beim Lesen Abbildungen der genannten Gemälde online aufzurufen.

Der Roman «Tschudi» von Mariam Kühsel-Hussaini ist im Rowohlt Verlag erschienen. 

*Nicole Mansfeld ist Bibliothekarin in der Bibliothek Aesch

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