Schlieren

Trotz SVP-Postulat: Gehbehinderte Senioren sollen weiterhin gleich viel zahlen für Taxifahrten

Einsteigen zu günstigen Bedingungen: Das Postulat von Judith Din sollte Taxifahrten dank Zuschüssen vergünstigen.

Personen mit Gehproblemen sollen in Schlieren weiterhin eine Pauschale an die Taxifahrt zahlen. Der Stadtrat lehnt das Postulat von Judith Din (SVP) ab.

Mit dem Taxi direkt vor die Haustür von Freunden chauffiert werden: Das ist wohl eine Traumvorstellung vieler gehbehinderter Senioren. Judith Din (SVP) wollte mit ihrem Postulat an den Stadtrat Schlieren genau das erreichen. «Ich bin selbst Taxifahrerin in Zürich und sehe immer wieder, wie Senioren aufgrund ihrer Schwierigkeiten beim Gehen isoliert werden», sagt Din. Sie sass im April im Gemeinderat Schlieren. Als abschliessende Handlung wollte sie nun den Senioren freie Taxi-Fahrten dank Promobil und Gemeindebeiträge ermöglichen.

Die Stiftung Promobil sorgt für individuelle Transportmöglichkeiten für Menschen mit einer Mobilitätsbehinderung. Die Stiftung wird mit Beiträgen des Zürcher Verkehrsbundes und des kantonalen Sozialamtes finanziert. Fahrgäste zahlen einen Grundtarif von 4.40 Franken pro Fahrt plus einem Selbstbehalt von 15 Prozent. In ihrem Postulat forderte Din den Stadtrat auf, den Selbstbehalt, den die Fahrgäste bei jeder Promobil-Fahrt bezahlen müssen, zu übernehmen. Insbesondere finanziell schlecht gestellte ältere Menschen sollen dadurch die Möglichkeit erhalten, das Haus trotz Gehbehinderung zu verlassen.

Im letzten Jahr nahmen 47 Schlieremer den Fahrdienst von Promobil in Anspruch. Insgesamt betrugen die Fahrkosten 71 000 Franken. Hätte die Stadt den Selbstbehalt übernommen, hätte das mit weiteren 10 650 Franken zu Buche geschlagen. Dieses Geld würde die Selbstständigkeit der Senioren fördern, so Din. «Die Fahrten mit Promobil verbessern die Freizeit der Senioren, weil sie so beispielsweise ihre Angehörigen besuchen können.» Weiter führt sie in ihrem Postulat aus, dass diese Fahrten in anderen Gemeinden des Kantons bereits von der Gemeinde bezahlt werden. Das sei beispielsweise in Zürich, Dübendorf oder Wallisellen der Fall.

Stadtrat ist gegen das Postulat

Der Stadtrat will das Postulat jedoch abschreiben. «Vor dem Hintergrund, dass Schlieren bereits vieles im Bereich der Entlastung mobilitätsbehinderter Personen unternimmt, soll derzeit auf diese Massnahme verzichtet werden», ist dem Sitzungsprotokoll des Stadtrats zu entnehmen. So gewähre Schlieren gewissen Personen bereits heute einen Gemeindezuschuss von durchschnittlich 130 Franken im Monat. Nutzniesser davon seien insbesondere Schlieremer, die Ergänzungsleistungen beanspruchen und bereits seit über zwei Jahren in der Stadt wohnen. Dank diesem Zustupf erhielten sie überdurchschnittlich mehr Geld, als in anderen Gemeinden des Kantons üblich sei.

Auf Anfrage der Limmattaler Zeitung stellte sich heraus, dass 63 Prozent der Schlieremer, die Ergänzungsleistungen beziehen, ebenfalls einen Gemeindezuschuss erhielten. «Das wären statistisch gesehen 30 Personen von den erwähnten 47 Promobil-Nutzern», sagt Claude Chatelain von der Stadt Schlieren.

«Zudem ermöglicht die Stadt Schlieren durch Leistungsvereinbarungen mit Tixi Zürich und dem SRK-Fahrdienst, dass individuelle Mobilitätsbedürfnisse befriedigt werden können», schreibt der Stadtrat in seinem Antrag auf Abschreibung des Postulats.

Din ist vom negativen Entscheid überrascht: «Das hätte ich nicht erwartet», sagt sie. Mit solchen Beschlüssen würden die Senioren nur noch mehr in ihren Wohnungen eingesperrt. «In diesem Falle wird am falschen Ort Geld gespart», sagt sie.

SVP-Parteikollegen werden sich nun weiter um ihr Anliegen kümmern. So hofft Din, dass ihr erstes und zugleich letztes Postulat doch noch durchkommen wird. Am Montag wird das Parlament über den stadträtlichen Antrag auf Abschreibung entscheiden.

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