Podiumsdiskussion

Standortförderung diskutiert über Kultur: «Manchmal muss man einfach machen»

Kulturschaffende diskutierten im neuen Kino in Spreitenbach über das kulturelle Angebot zwischen Zürich und Baden.

Am Ende waren sich alle einig, dass das Limmattal kulturell viel zu bieten hat. Aber leider seien viele Angebote zu wenig bekannt. Wie sich das verbessern liesse und wieso Kulturförderung gesellschaftlich und wirtschaftlich wichtig ist: Darüber wurde gestern Abend an der Podiumsdiskussion im Rahmen der Generalversammlung der Limmatstadt AG im Kino Pathé in Spreitenbach debattiert.

An der von Hans Fahrländer, ehemaliger Chefredaktor des Badener Tagblatts und der Aargauer Zeitung, moderierten Diskussion beteiligten sich: Barbara Gysling, Programmverantwortliche für das Schlierefäscht; Carmen Simon, Verantwortliche Kultur und Gesellschaft bei der Regionalen Projektschau Limmattal (Regionale 2025); Christian Höhener, eine Hälfte des Komikerduos Lapsus und Mitinitiant des Kulturhauses Gleis 21 in Dietikon; Hanns Bachlechner, Inhaber der Kunstgalerie Bachlechner in Bergdietikon und Jasmina Ritz, Geschäftsführerin der Limmatstadt AG.

Die Organisation hat sich die Vernetzung von Menschen auf die Fahne geschrieben. Dabei gehe es oft um wirtschaftliche Interessen, sagte Ritz. Es sei schön, dass sich mit der Regionale 2025 eine Organisation ganz der kulturellen Vernetzung verschrieben habe.

Das Bewusstsein für die Zusammenarbeit stärken

«Kultur ist nicht nur ein Standortfaktor, sie schafft Identität», sagte Simon von der Regionalen 2025. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensraum führe zu Identifikation. Deshalb sei es wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen und Wissen auszutauschen.

Man müsse Limmattalerinnen und Limmattaler zusammenbringen und das Bewusstsein stärken, dass man als gemeinsame Region eine grosse Chance hat, sagte Ritz. So könne man in der Bevölkerung auch regionale Anlässe stärker verankern. «Wenn die Menschen Angebote kennen, nutzen sie sie auch», war sich Höhener sicher. Dies sei auch wirtschaftlich von Bedeutung, ergänzte Ritz: «Ein gutes kulturelles Angebot macht eine Region attraktiv.» Und viele Besucher würden auch mehr Umsatz generieren.

«Bei der Kantonsgrenze hört bekanntlich die Zuständigkeit und oft die Solidarität auf», hatte der Badener Kultur- und Gesellschaftsvorsteher Erich Obrist zuvor in seinem Inputreferat ein Kernproblem auf den Punkt gebracht. «In den Köpfen der Leute gibt es noch viele Grenzen, die wir sprengen wollen», sagte Simon dazu. Als Lösungen schlug Obrist kantonsübergreifend eine Kulturagenda und eine Kulturstiftung vor. Ersteres wird seit Kurzem von der Limmatstadt AG angeboten. «Ja, es braucht professionellere Strukturen», sagte Simon zu einer möglichen Kulturstiftung. «Die Idee ist sehr gut, aber ich glaube nicht, dass sie umsetzbar ist», sagte Gysling. Sobald es um konkrete Aufteilung der Unterstützungsbeiträge ginge, seien endlose Diskussionen und Streitereien vorprogrammiert.

Galerist Hanns Bachlechner nahm auch seine eigene Zunft in die Verantwortung. Zu viele Galeristen und Kulturförderer würden sich als Konkurrenten betrachten und gegeneinander arbeiten statt zusammenzuspannen, kritisierte er. «Natürlich gibt es im Limmattal kulturelle Sterne. Aber es werden immer weniger und sie sind am Verblassen, wenn sie niemand aufgreift», sagte er.

Schlechtes Image wegen Unwissenheit

Das Limmattal leide noch immer unter dem schlechten Ruf der lärmigen und verkehrsbelasteten Agglomeration, sagte Bachlechner. Die Vielfalt der Region lasse sich von der Autobahn oder vom Zug aus gar nicht entdecken, sagte Simon. «Das schlechte Image stammt von Menschen, die hier nur durchfahren und noch nie ausgestiegen sind.» Damit brachte sie wieder die Herausforderung einer guten Vermarktung der eigenen kulturellen Schätze ins Spiel. «Wir sollten nicht so viel werten, sondern einfach sein und geniessen», sagte Gysling. Das Image der Region im Rest der Schweiz interessiere sie weniger.

Bei aller Förderung und Unterstützung sei die menschliche Initiative letztlich entscheidend: «Man kann ewig diskutieren, aber manchmal muss man auch einfach machen», konstatierte Höhener. Ritz sagte, auch die Limmatstadt AG sei so entstanden und die Entwicklung zeige, dass es auf diese Art vorwärtsgehe. Bei den anschliessenden Fragen aus dem Publikum schlug eine Frau vor, man könne doch ein gemeinsames Limmatstadtfest ins Leben rufen. «Bei der Regionalen Projektschau können noch Projekte eingereicht werden», entgegnete Carmen Simon. Nach der Podiumsdiskussion sorgte das Duo Lapsus mit einem kurzen Auftritt für Lacher, bevor sich die Anwesenden beim Apéro austauschten und regionale Produkte verköstigten.

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