Schlieren

Stadt setzt weiter auf Familienförderung — «Zeppelin» wird um zwei Jahre verlängert

Das Projekt «Zeppelin» zielt darauf ab, die Erziehungskompetenzen von Schlieremer Eltern zu verbessern. (Symbolbild)

Das Projekt «Zeppelin» zielt darauf ab, die Erziehungskompetenzen von Schlieremer Eltern zu verbessern. (Symbolbild)

Aufgrund positiver Rückmeldung verlängert Schlieren die Leistungsvereinbarung mit der Beratungs- und Elternbildungsstelle «Zeppelin» um weitere zwei Jahre - jedoch werden die Familienplätze von 24 auf 16 reduziert.

Elternsein gehört für viele zur schönsten Aufgabe im Leben. Es birgt jedoch auch Tücken. Nicht immer gelingt der Start in den neuen Lebensabschnitt. Vor allem wenn finanzielle oder soziale Probleme herrschen. Für Familien mit Startschwierigkeiten rund um die Geburt ihres Kindes führte die Stadt Schlieren für die Jahre 2017 bis 2019 das Förderprojekt «Zeppelin - Familien startklar» ein. Werdende und frischgebackene Eltern werden von Mitarbeitenden der gleichnamigen Beratungs- und Elternbildungsstelle begleitet und gestärkt. Der Stadtrat hat nun die Leistungsvereinbarung mit «Zeppelin» um zwei Jahre verlängert. Dafür bewilligte er rund 213'000 Franken.

«Das Projekt läuft sehr gut. Wir haben von der Fachstelle und den Familien nur positive Rückmeldungen erhalten», sagt Stephan Bloch, Abteilungsleiter Soziales der Stadt Schlieren. Viele Familien hätten sich dadurch besser in der Stadt integrieren und ihre Erziehungskompetenzen verbessern können. Sie seien dankbar und würden sich unterstützt fühlen. Das zeigen auch die Zahlen. 2017 startete das Programm mit vier Familien. Anfang 2018 begleitete «Zeppelin» bereits 14, Anfang 2019 waren es 18. Derzeit werden 24 Familien betreut.

Wissen über frühkindliche Entwicklung stärken

Das Projekt strebt die Stärkung der Erziehungskompetenzen der Eltern an. Überdies soll das Wissen über die frühkindliche Entwicklung erhöht werden. Damit einher geht die Früherkennung von Entwicklungsverzögerungen und Gesundheitsproblemen. Mitarbeitende von «Zeppelin» kümmern sich zudem um eine langfristige Verbesserung der Lebensumstände und um eine Vernetzung der Familie am Wohnort. Die Betreuung dient zudem der Vorbeugung von Vernachlässigung und Kindsmisshandlung. «Aufgrund des guten Feedbacks lag die Weiterführung des Programms auf der Hand», sagt Bloch. Dies auch, weil es Familien drei Jahre lang von der Geburt bis zum dritten Lebensjahr des Kindes unterstützt. «Wenn wir jetzt einfach aufhören würden, wäre das nicht sinnvoll. Das Ziel ist, dass die 24 Familien die dreijährige Beratung abschliessen können.»

Im Limmattal ist Schlieren die einzige Gemeinde, die sich das Angebot leistet. Umliegend arbeiten Regensdorf und Opfikon ebenso mit «Zeppelin» zusammen. «Man darf Schlieren nicht mit anderen Gemeinden im Bezirk vergleichen. Wir haben eine andere Bevölkerungsstruktur als etwa Oetwil. In unserer Stadt leben viele Menschen mit Migrationshintergrund und auch Flüchtlinge, denen das Programm zugute kommt», sagt Bloch.

Das Engagement der Stadt ist aber auch auf nachhaltige Überlegungen zurückzuführen. «Wir investieren lieber jetzt, um Eltern in den wichtigen Jahren zwischen Geburt und dem dritten Lebensjahr zu stärken. So können wir verhindern, dass in der Frühentwicklung Probleme entstehen.»

Wichtig sei zudem, dass die Kinder gut auf den Kindergarten und die Schule vorbereitet würden. «Dort manifestieren sich üblicherweise Auffälligkeiten. Dann ist es aber meistens schon zu spät, um zu intervenieren oder es braucht härtere Massnahmen wie zum Beispiel Fremdplatzierungen», sagt Bloch.

Fremdplatzierungen und die Betreuung in Pflegefamilien sind teuer und müssen von der Stadt über die wirtschaftliche Hilfe getragen werden. Auch deshalb setzt sie auf Prävention. «Unser Anliegen ist, dass die Kinder wenn immer möglich bei den Eltern bleiben können», sagt Bloch.

Bessere Deutschkenntnisse und Wohnverhältnisse

Ein besonderes Augenmerk legen die Mitarbeitenden von «Zeppelin» auf die Wohnverhältnisse. «Bei Hausbesuchen treffen die Mitarbeiter teilweise auf fünfköpfige Familien, die in einer Zweizimmerwohnung leben. Man versucht gemeinsam mit der Familie, die beengten Platzverhältnisse zu optimieren», sagt Bloch. Die Begleiter klären zudem ab, ob die Eltern an Deutschkursen teilnehmen können. «In vielen betreuten Familien stellt die Kommunikation auf Deutsch ein Problem dar. Auch in diesem Fall versucht man, Abhilfe zu schaffen.»

Wie oft eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter bei den Familien zu Hause vorbeigeht, hängt von der jeweiligen Situation ab. «Das ist sehr individuell. Bei den einen reicht ein Besuch im Monat, andere Familien benötigen ein wöchentliches Treffen.» Andere wiederum würden Hilfe beim Organisieren von Arztterminen für die Kinder brauchen.

Neu an der nun verlängerten Leistungsvereinbarung ist der Leistungsumfang. Die Anzahl der Familienplätze soll sich im Laufe der Jahre 2020 und 2021 von 24 auf 16 reduzieren. «Das hat jedoch keine Auswirkungen auf die von ‹Zeppelin› begleiteten Familien», versichert Bloch. Es handle sich dabei lediglich um eine Finanzierungsänderung. Die 16 Familienplätze werden über die allgemeine Rechnung finanziert. Zusätzliche Plätze würden über die wirtschaftliche Hilfe abgerechnet.

«Das macht Sinn, weil einige der Familien bereits wirtschaftliche Hilfe beziehen. Die Zusammenarbeit von ‹Zeppelin› und der städtischen Sozialberatung kann intensiviert werden. So kann man Synergien nutzen», erklärt Bloch. Als Vorbild dienen andere Zürcher Gemeinden. So etwa Opfikon, die eine ähnliche Bevölkerungsstruktur wie Schlieren aufweist. Die Gemeinde handhabt die Finanzierung bereits so.

Stadt Schlieren wird mit Beiträgen unterstützt

Schlieren muss nicht für alle Kosten selbst aufkommen. Stiftungen des Amts für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich übernehmen einen Anteil von 125 Franken an den Kosten von 610 Franken pro Familienplatz im Monat. Zudem sicherte die Kantonale Fachstelle für Integration der Stadt für die Jahre 2020 und 2021 jeweils einen Beitrag von 10000 Franken zu. Für die Jahre 2017 bis 2019 sprach der Stadtrat einen Kredit von 170000 Franken und 2018 genehmigte das Gemeindeparlament einen Zusatzkredit von 155000 Franken, nachdem die kantonalen Beiträge gekürzt wurden.

Ab 2022 dürfte es wohl einen Gegentrend geben. Dann wird das revidierte Kinder- und Jugendhilfegesetz in Kraft treten. Bloch geht davon aus, dass die Beiträge des Kantons wieder höher ausfallen werden. Wie viel mitfinanziert werde, sei noch offen, sagt er. «Ende 2021 läuft die verlängerte Leistungsvereinbarung mit ‹Zeppelin› ab und wir werden prüfen, ob und wie es weitergeht.»

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