Generationen-Interview

So feiert die Winzerfamilie Haug Weihnachten

Robin Haug und sein Vater Hans-Heinrich Haug tischen der Familie heute eigenen Wein auf – zu einem feinen Fondue bourguignonne.

Robin Haug und sein Vater Hans-Heinrich Haug tischen der Familie heute eigenen Wein auf – zu einem feinen Fondue bourguignonne.

Für die Winzerfamilie Haug ist Weihnachten die beste Zeit, um auszuspannen. Heute geht sie zuerst auf den Friedhof, um derer zu gedenken, die an der Feier nicht mehr dabei sind. Das macht sie seit 42 Jahren so.

Robin und Hans-Heinrich Haug, vor ihrem Laden haben Sie einen Christbaum aufgestellt. Wie wichtig ist Ihnen das Weihnachtsfest?

Robin Haug: Ich sehe es weniger als Fest. Vielmehr ist es eine kurze Zeit, in der weniger Stress da ist.

Hans-Heinrich Haug: Genau. Es ist kein Fest, wir steigen ja nicht auf die Bänke und schunkeln herum. Weihnachten sind für uns fast wie Ferien.

Robin Haug: Wir sind jetzt flexibel und können zum Beispiel spontan einen Tag Skifahren gehen, ohne dass sich gleich massig Arbeit auftürmt.

Hans-Heinrich Haug: Aber wenn es wieder Januar ist und alles normal weitergeht, stört mich das also gar nicht. Als Kind ging ich nach den Ferien nicht gerne in die Schule. Aber heute bin ich noch froh, wenn die Arbeit wieder losgeht.

Also hatten Sie genug Zeit, um in Weihnachtsstimmung zu kommen.

Robin Haug: Ja, aber es ist ja nicht mehr das gleiche wie früher, als Kind, mit dem Christkind und den Gschänkli.

Mögen Sie sich noch erinnern, ab wann Sie nicht mehr an das Christkind geglaubt hatten?

Robin Haug: Das war im gleichen Jahr, als der Samichlaus und der Osterhase gestorben sind. Aber wann genau, weiss ich jetzt auch nicht mehr.

Wann feiern Sie Weihnachten?

Robin Haug: Früher feierten wir noch am 24. Dezember. Seit ein paar Jahren feiern wir am 25. Dezember, das ist der ideale Tag, damit alle hier sein können.

Wie viele sitzen um den Tisch?

Hans-Heinrich Haug: Zehn Leute. Die vier Kinder mit drei Partnern, meine Frau und ich, und die Grossmutter.

Robin Haug: Früher sah ich die Geschwister jeden Tag, heute nicht mehr. Das macht Weihnachten schon speziell.

Was gibt es zu essen?

Robin Haug: Fondue bourguignonne.

Hans-Heinrich Haug, als Sie noch Kind waren, war das wohl anders.

Hans-Heinrich Haug: Fondue bourguignonne kannten wir damals gar nicht. Für alteingesessene Bauernfamilien war das weit weg. Auch sonst, ein traditionelles Weihnachtsessen? Wir hatten natürlich viel Eigenware, als wir noch selber metzgeten. Sicher gab es an Weihnachten einen schönen Hammen (Mundart für Schinken), mit Bohnen und Kartoffeln.

Trinken Sie den eigenen Wein zum Fondue bourguignonne?

Robin Haug: Nicht nur. Es gibt ja mehr als eine Flasche. Aber wir fangen sicher mit dem eigenen Wein an. Und wie es so ist in unserer Branche, tauschen wir mit anderen Winzern Flaschen aus. So kommt es vor, dass wir auch anderen Wein trinken. Auch an Weihnachten.

Welche Traditionen hat die Familie Haug sonst noch an Weihnachten?

Robin Haug: Früher gingen wir noch an den Gottesdienst, weil man da alle aus dem Dorf traf. Sonst geht’s bei uns nicht so religiös zu und her.

Hans-Heinrich Haug: In der Stube stellen wir eine Krippe auf, die der verstorbene Grossvater einst gebaut hat. Was wir noch machen, ist, dass wir zuallererst alle gemeinsam zum Friedhof gehen, seit 42 Jahren. Das kommt von der Seite meiner Frau Doris her. Ihr Bruder ist im Kindesalter gestorben.

Doris Haug kommt hinzu und sagt: Darum gingen wir dann jeweils mit einem kleinen Christbäumchen zum Friedhof. Später ist dann auch mein Vater gestorben und so gingen wir immer weiter jedes Jahr auf den Friedhof. Da ist dann eine Tradition draus geworden. Wir zünden für alle eine Kerze an, die gestorben sind und die wir gern haben.

Hans-Heinrich Haug: Unsere Kinder kennen gar nichts anderes. Schön ist, dass auch ihre Partner mitkommen, obwohl sie nicht müssten.

An Weihnachten hat es beim Friedhof wohl nicht viele Leute?

Hans-Heinrich Haug: Doch, doch. Wir treffen dort immer etwa die gleichen Leute an. Es ist noch eindrücklich, die Kerzen und diese Stille.

Schön besinnlich. Und danach, zurück in der warmen Stube, gibt es bei den Haugs noch Geschenke?

Hans-Heinrich Haug: Wir machen jedes Mal ab, dass wir dieses Jahr nichts schenken. Es passiert dann trotzdem.

Wie sieht es aus mit dem berühmt-berüchtigten Päckli-Stress?

Robin Haug: Das ist unterschiedlich. Aber ich bin auch schon am 23. Dezember durch die Läden gerannt.

Hans-Heinrich Haug: Ich bin häufig auch im letzten Moment noch unterwegs, auch für das Geschenk für meine Frau. Man hätte halt das Jahr hindurch besser hinhören sollen, dann wäre es viel einfacher. Ich gehe zwar gerne in die Stadt, zum Beispiel am Samstagabend. Aber Lädelen, das ist überhaupt nicht meine Welt. Früher musste ich dafür schon hin und wieder einen Tag opfern, wegen den Kindern, und weil ich mehrmals Götti war. Aber ich arbeite lieber als zu lädelen. Meine Frau macht das lieber. Sie hat auch immer gute Geschenkideen. Wir machen keine wahnsinnigen Geschenke, aber sinnvolle.

Sie können auch Geschenke verkaufen. Wie läuft bei Ihnen das Weihnachtsgeschäft?

Robin Haug: Wir verkaufen schon etwas mehr als üblich, vor allem schön verpackte Flaschen. Und natürlich Mousseux für die Silvesternacht.

Hans-Heinrich Haug: Früher hatten wir zu Weihnachten noch mehr Firmenkunden, aber die mussten wahrscheinlich die finanzielle Schraube etwas anziehen. Oder sie geraten unter Druck, wenn sie Alkohol verschenken.

Robin Haug: Das ist ein Dauerthema. Auch politisch müssen wir uns wehren, um unseren Berufsstand zu stützen. Bis jetzt sind die Winzer jeweils noch gut weggekommen, der Wein wird als Genussmittel und die Rebberge als beliebtes Kulturgut und Naherholungsgebiet wahrgenommen. Und Alkoholiker trinken ja keinen Wein, bei dem die Flasche 15 Franken aufwärts kostet. Die nehmen lieber Fusel oder Schnaps.

In Bern sind Sie sozusagen Wein-Lobbyist. Man möchte annehmen, Sie hätten ein leichtes Spiel. Man denke nur schon an das Schlagwort der Weissweinfraktion.

Robin Haug: Die Mehrheit der Parlamentarier schätzt die Arbeit der Schweizer Winzer. Und es ist schön, dass wir von ganz links bis ganz rechts Sympathisanten haben. Aber es gibt Gesundheitspolitiker, die alkoholische Getränke per se verteufeln. Also müssen wir auf der Hut sein, bei den verschiedenen Gesetzesvorschlägen. Vernehmlassungsunterlagen sind manchmal 600 Seiten lang, da kann es passieren, dass irgendwo etwas versteckt ist, das für den Weinbau Folgen haben könnte.

Was steht diesbezüglich 2017 an?

Robin Haug: Es gibt unter anderem eine Vernehmlassung, um die Regeln für Betriebskontrollen zu ändern. Das alte Kontrollmodell soll grundlegend geändert werden.

Sie fürchten eine Verschärfung?

Robin Haug: Nein. Aber wenn wir häufiger und intensiver kontrolliert wird, legen wir drauf oder müssen die Kosten auf die Konsumenten abwälzen. Das wäre nicht in unserem Sinne, zumal es bisher bestens funktioniert hat. Wir müssen die Bürokratie allgemein in der Landwirtschaft in einem überschaubaren Rahmen halten.

Wie sieht es eigentlich mit Ihrer Zukunft aus? Irgendwann werden Sie ja den Betrieb übergeben.

Hans-Heinrich Haug: Ich werde im Februar 63, bis zur Pension geht es noch zwei Jahre. Nur hört man in der Landwirtschaft nicht auf, wenn man pensioniert wird. Die Betriebsübergabe müssen wir aber sicher schon aufgleisen, da steckt nämlich einiges dahinter, vor allem was die Finanzen anbelangt.

Haben Sie noch eine lustige Weihnachtsanekdote für unsere Leser?

Robin Haug: Speziell war, als Grossmutters Haare an eine Kerze kamen.

Hans-Heinrich Haug: Stimmt, da warst Du noch ein Bub.

Robin Haug: Sie ging zu nahe an den Christbaum, plötzlich hatte Sie eine Stichflamme auf dem Kopf, zur Belustigung aller Anwesenden. Wir haben die Flamme dann ausgeklopft, es ist zum Glück alles glimpflich verlaufen.

Hans-Heinrich Haug: Und vielleicht spielt meine Frau diese Weihnachten ein Ständchen mit dem Alphorn. Sie hat zu spielen begonnen, kürzlich haben wir im Emmental das Alphorn abgeholt. Sie bringt schon Töne raus.

Was wünschen Sie sich für 2017?

Hans-Heinrich Haug: Dass alle gesund bleiben. Und wenn ich das sage, sind auch die Reben mitgemeint.

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