Dietikon

Sie verbindet erfolgreich Anwohner von Siedlungsgemeinschaften

Sie sorgt für Gemeinschaft in der Siedlung: Katharina Barandun arbeitet als Siedlungsassistenz im Hofächer.

Seit diesem Jahr fördert Katharina Barandun das Zusammenleben im Hofächer. Die 54-Jährige, die in Ennetbaden zusätzlich ein Bed & Breakfast betreibt, hat 14 Jahre Erfahrung mit Genossenschaften.

Betritt man die Siedlung Hofächer in Dietikon, kommt man als erstes vorbei am Arbeitsort der Wohnassistenz Katharina Barandun, Sozialarbeiterin der Baugenossenschaft des eidgenössischen Personals (BEP). Ihr Büro ist dem Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss angegliedert. Von dort hat sie den Überblick auf die Birmensdorferstrasse, von der die meisten Besucher und Anwohner zu ihren Wohnungen kommen. Immer wieder grüsst sie durch die Scheibe nach draussen.

«Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele»: Die Aussage des deutschen Genossenschaftspioniers Friedrich Wilhelm Raiffeisen scheint wieder aktuell. Auch ältere Menschen ziehen zunehmend in eine Genossenschaft. Mittlerweile zählt die grösste Baugenossenschaft der Schweiz, die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ) im Kanton 5101 Wohnungen.

Persönliche Besuche

Doch die Anwohner pflegen auch in Genossenschaften nicht automatisch einen Austausch untereinander. Das weiss Barandun aus jahrelanger Erfahrung. Seit 14 Jahren ist sie in verschiedenen Siedlungen tätig. Im Januar hat sie nun in der Siedlung Hofächer die Stelle der Wohnassistenz übernommen. Diese ist auf das Wohnen in der zweiten Lebenshälfte ausgerichtet. Konkret werden Menschen über 40 Jahre angesprochen. Die 54-Jährige erklärt: «In der Siedlung Hofächer ist es mein Ziel, die nachbarschaftlichen Beziehungen weiterhin zu stärken.»

Wichtig sei auch die Vernetzung zu der Stadtverwaltung und den relevanten Fachstellen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Barandun bereits einige der 67 Wohnungen persönlich besucht. Die Anliegen, die während diesen Besuchen an sie herangetragen wurden, waren sehr vielfältig: Manche wollten einen Coiffeur, andere einen öffentlichen Computerzugang oder einen Einkaufsdienst.

Nun ist es aber nicht Baranduns Aufgabe, alle diese Wünsche und Ideen umzusetzen, sondern sie vor allem an die richtigen Menschen weiterzuleiten: Das ist in erster Linie die Siedlungskommission. «Diese wird die Ideen bearbeiten und danach an der Siedlungsversammlung traktandieren», sagt Barandun.

Die Siedlungsversammlung werde rege besucht. Im Schnitt kämen 50 Personen an die Versammlung. Für die Umsetzung aller Ideen brauche es jedoch Leute, die sich engagieren und einsetzen. «Das sind dann immer ein wenig dieselben», sagt Barandun. Doch das sei wohl auf der ganzen Welt immer so. Barandun lacht. Dafür sei die Schlange vor den Buffets an den Festen jeweils lange. «Der Mittagstisch beispielsweise ist jede zweite Woche voll», sagt sie.

Und da sei es für die Beteiligten auch selbstverständlich, dass sie beim Aufräumen und Auftischen helfen. Im eigenen Zuause hat Barandun ebenfalls ein reges Kommen und Gehen. Seit einigen Jahren führt sie in Ennetbaden ein «Bed and Breakfast».

Während Baranduns Besuchen in den Wohnungen seien die bestehenden Beziehungen zwischen den Anwohnern bereits sichtbar geworden: «Manche machten mich beispielsweise während dem Besuch auf andere aufmerksam», sagt Barandun. Diese funktionierende Gemeinschaft sei ein Erbe von Elisabeth Weibel. Letztere rief das Projekt auf dem Hofächer mit ihrem Bruder ins Leben und begleitete die Gemeinschaft in der Siedlung vom ersten Tag. Im Januar übergab sie diese Aufgabe nun an Barandun.

Privatsphäre grossgeschrieben

Trotz Genossenschaftsfeiern und Events für die Anwohner: Die Siedlung Hofächer ist passend für Senioren, die selbstbestimmt leben wollen und ihre Privatsphäre schätzen. «Anders als in den Clusterwohnungen in der Kalkbreite wird hier die Privatsphäre der einzelnen Anwohner gross geschrieben», sagt Barandun.

Am häufigsten wurde bisher die Frage an sie herangetragen, wie man im Alter zu Hause leben kann. «Es gibt kaum jemanden, der frühzeitig in ein Altersheim möchte», sagt sie. Ihre Aufgabe als unbeteiligte Drittperson sei es, die Situation der Anwohner wahrzunehmen und bei Bedarf eine Unterstützung wie etwa den Mahlzeitendienst oder die Spitex zu organisieren.

«Ich leiste auch Überzeugungsarbeit, damit die Betroffenen solche Dienste in Anspruch nehmen.» Da sei es manchmal ein Vorteil, dass sie nicht zur Familie gehöre.

Dominique Klee, Verantwortliche der Siedlungskommission, sagt: «Es ist wichtig, dass jemand da ist und auch zwischen verschiedenen Leuten vermitteln kann.» Obwohl sie selbst dieses Angebot noch nicht in Anspruch genommen habe, sei sie froh, dass es bestehe.

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