Geroldswil

Sie ist heute ein Jahrhundert alt — Zufriedenheit ist Sophie Ebneters Rezept für ein langes Leben

Sozialvorsteherin Veronika Neubauer und Gemeindepräsident Michael Deplazes besuchen Jubilarin Sophie Ebneter zu Hause.

Sozialvorsteherin Veronika Neubauer und Gemeindepräsident Michael Deplazes besuchen Jubilarin Sophie Ebneter zu Hause.

Sophie Ebneter feiert heute ihren 100. Geburtstag. Die Geroldswilerin blickt auf ein erfülltes Leben zurück.

Dass sie einmal 100 Jahre alt wird, damit hat Sophie Ebneter nicht gerechnet. «Ich ahnte jedoch, dass ich alt werde. In meiner Familie haben viele ein hohes Alter erreicht», sagt die Seniorin und fügt an: «Ich habe in meinem Leben in jeder Beziehung Glück gehabt, beruflich und familiär.» Ebneter sitzt an ihrem Esstisch in ihrer 3,5-Zimmer-Wohnung im Geroldswiler Dorfzentrum. Ihr gegenüber hängt ein eingerahmtes Bild. Es ist ein Gedicht ihres verstorbenen Ehemanns Dölf. «Miinere liebe Söphie es Dankeschön und herzlichi Gratulation zu dim 80. Geburtstag», steht in roten und schwarzen Lettern geschrieben. Das Geschenk erhielt Ebneter vor genau 20 Jahren.

Heute feiert sie ihren 100. Geburtstag. Ein Jahrhundert Lebenszeit schaffen nur die wenigsten. Ein besonderes Ereignis nicht nur für die Jubilarin selbst, sondern auch für die Gemeinde Geroldswil. Deshalb liessen es sich Gemeindepräsident Michael Deplazes und Sozialvorsteherin Veronika Neubauer nicht nehmen, der rüstigen Seniorin einen Besuch abzustatten.

Seit Kindheit ist Neubauer mit der Jubilarin verbunden

Die Begrüssung von Neubauer und Ebneter fällt innig aus. «Sophie kennt mich seit dem ich auf der Welt bin», sagt Neubauer. Ihr Vater und Ebneters Ehemann waren Freunde und Arbeitskollegen, beide arbeiteten als Zugführer bei den SBB.

Am 31. Januar 1920 wurde Sophie Ebneter im thurgauischen Diessenhofen geboren. Mit ihren Eltern Sophie und Karl  Hugi sowie ihren drei jüngeren Geschwistern zog sie im Kindergartenalter nach Winterthur. «Ich wollte Nähschullehrerin werden.» Die Gewerbeschule brach sie jedoch ab. «Meine Eltern mussten sparsam sein, deshalb wollte ich mein eigenes Geld verdienen», sagt Ebneter.

Noch immer kocht Sophie Ebneter jeden Tag für sich, wäscht, macht Handarbeiten und besorgt den Haushalt.

Noch immer kocht Sophie Ebneter jeden Tag für sich, wäscht, macht Handarbeiten und besorgt den Haushalt.

Bei der Winterthurer Zeitung «Der Landbote» erhielt die damals 16-Jährige eine Stelle als Laufmädchen. 16 Franken Lohn bekam sie wöchentlich. «Den gab ich meiner Mutter ab, ich kriegte genug Trinkgeld», erinnert sich Ebneter und lacht. Nach einem halben Jahr wechselte sie zum Abo-Dienst und arbeitete als Telefonistin. Später betreute sie den Schalter und war für die Inserate-Annahme zuständig. Insgesamt war sie 15 Jahre lang für die Zeitung tätig. «Ich hatte grosses Glück mit meiner Stelle, die Arbeit hat mir sehr gefallen.» Nichtsdestotrotz schwieg sie nicht, wenn sie etwas störte. Ebneter setzte sich für Arbeitskolleginnen und -kollegen ein, wenn diese ungerecht behandelt wurden. «Ich war oft im Büro des Chefredaktors und sagte ihm meine Meinung.»

Beim «Landboten» lernte sie ihren Ehemann kennen

Auch das private Glück fand die Jubilarin beim «Landboten». Dort lernte sie ihren Mann Dölf kennen. «Er arbeitete als Hausabwart. Abends verkroch er sich im Keller bei den Zeitungsrollen und büffelte Englisch und Spanisch. Ich habe mich oft gefragt, was er da unten treibt.» Sie hätte so viele Männer heiraten können. «Aber die waren nichts für mich. Dölf hatte einen guten Charakter», sagt Ebneter. 1948 heirateten die beiden und zogen nach Zürich. 1950 kam ihr Sohn Erich zur Welt. 1995 folgte der Umzug nach Geroldswil. Sohn Erich wohnte mit seiner Familie bereits dort.

Und hier ist sie bis heute geblieben. Noch immer kocht Ebneter jeden Tag für sich, wäscht, macht Handarbeiten und besorgt den Haushalt. Unterstützt wird sie dabei von  ihrer Familie, einer Bekannten sowie der Spitex. Interessiert verfolgt die 100-Jährige das Weltgeschehen, Tennisspiele von Roger Federer und Konzerte von André Rieu, löst Kreuzworträtsel und regt sich über Politiker auf. Ebneters Rezept für ein langes Leben ist einfach: «Man soll ein normales Leben führen, gesund essen, nicht jammern, zufrieden sein und das Leben so nehmen, wie es kommt.» Wenn sie etwas an ihrem Leben ändern würde, wäre es der Zeitpunkt ihrer Geburt. «Ich glaube in der heutigen Zeit hat man es leichter als Frau. Man ist unabhängig, kann einen guten Beruf erlernen.» Ebneter feiert heute mit ihrer Familie bei einem Zmittag im Hotel Geroldswil. Ihr Geburtstag läutet eine Reihe von Jubiläen ein. «Mein Sohn wird 70, mein Enkel Patrick 30.»

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Autor

Sibylle Egloff

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