Medizin begleitete Hauser bereits ihr ganzes Berufsleben. Ursprünglich wollte sie medizinische Laborantin werden, doch in ihrem Jahrgang gab es nicht genug Interessenten, so wurden sie mit den Arztgehilfinnen zusammengenommen. Schliesslich arbeitete sie über zehn Jahre in einem medizinischen Labor. Nach einer Weiterbildung arbeitete sie einige Jahre als Zytologin in einem Labor. «Später konnte ich die gynäkologischen Abstriche mit nach Hause nehmen und hier unter dem Mikroskop untersuchen und beurteilen», sagt sie.

Nachdem sie Mutter zweier Söhne wurde und einige Jahre auf dem Beruf arbeitete, suchte sie eine weitere Herausforderung. Mehr zufällig entschloss sie sich für einen Massagekurs. Das Massieren war anfangs ihr Hobby, doch immer mehr verdrängte es ihre Arbeit im Labor ganz. Viele Kurse und Jahre später ist sie heute medizinische Masseurin mit eidgenössischem Fachausweis.

Fussreflexzonenmassage, Osteopathie, klassische Massage und Lymphdrainage: Hauser bildete sich in allen möglichen Disziplinen weiter. Trotzdem legte sie sich nie auf eine einzelne Technik fest: «Eine Lieblingsmassage habe ich nicht. Ich habe meist einen Mix aus mehreren Massagetechniken angewendet.» Man müsse es einfach fühlen, was dem Körper guttue.

Kundenstamm ohne Werbung

Für Hauser war nicht nur das Handwerk wichtig, sie pflegte während den Sitzungen das Gespräch mit den Klienten. Mit den meisten verband sie eine langjährige Beziehung. «Es gibt tatsächlich einige, die 19 Jahre zu mir in die Massage kamen.» Ihr Kundenstamm entwickelte sich von einer Kundin, die sie von ihrer Vorgängerin übernahm, auf 120 Stammkunden, die regelmässig auf ihrer Liege landeten. Sie habe nie Werbung gemacht: «Wenn jemand etwas hatte, sagte er einfach, geh doch mal zur Esther», sagt sie. Dann seien die Leute zu ihr gekommen und sie habe sich Zeit genommen, den ganzen Körper anzusehen.

Wenn jemand also neu zu ihr gekommen sei mit Rückenschmerzen, dann fragte sie jeweils als erstes nach den aktuellen Lebensumständen. «In 80 Prozent der Fälle leiden die Leute an stressbedingten Problemen», sagt sie. Wenn es sich um massive Beschwerden am Bewegungsapparat handelte, empfahl sie den Betroffenen die Physiotherapie. Zudem gab Hauser auch einige Übungsvorschläge für den Alltag mit: «Doch wenn es mehr als drei waren und der Leidensdruck nicht allzu gross war, dann machten sie diese sowieso nicht.»

Vom Baby bis zum Greis

Hauser hatte keine Standardkunden: Ihr ältester Kunde war 97-jährig. Die jüngste Kundin wurde von ihrer Mutter in das Behandlungszimmer getragen. Die Klientin habe immer wieder über ihren Säugling geklagt, der permanent schreie. Irgendwann sagte Hauser: «Bringen sie den Knopf einmal vorbei.» Als das Baby in ihrem Behandlungszimmer lag, massierte sie seine Füsse. Von da an habe die Mutter wesentlich ruhigere Nächte gehabt. Nebst den gelungenen Massagestunden kam ihr eigenes Umfeld jedoch ein wenig zu kurz. «Wenn ich nach einem vollen Tag mit vielen Massagen nach Hause kam, dann konnte ich nicht mehr.» Ihr Mann und die beiden Söhne seien deshalb nur selten in den Genuss einer Massage gekommen. Das soll sich nun ändern: «Ich höre komplett mit dem Massieren auf und habe jetzt Zeit.» Zeit, auch ihren Hobbys, dem Gärtnern, dem Fotografieren und dem Wandern nachzugehen. Darauf freue sie sich jetzt. «Deshalb habe ich nun den Plan, dass ich keinen Plan habe», sagt sie und lacht.