Schlieren

«Regelrechte Lehrerflucht»: Was ist los im Schulhaus Reitmen?

In der Fragestunde vom vergangenen Montagabend beantwortete der Schlieremer Stadtrat 22 Fragen der Parlamentarier – hier eine Auswahl.

Warum kann man vor der Post nicht länger parkieren?

Die Sozialdemokraten setzten sich für die Rechte der Autofahrer ein. So monierte SP-Gemeinderätin Rixhil Agusi, dass die Parkzeit auf den Plätzen vor der Post beim Bahnhof auf 15 Minuten beschränkt sei, was oftmals nicht ausreiche, weil man am Postschalter anstehen müsse. «Die Politessen sind derweil sehr fleissig», sagte sie und fragte, ob man die Zeit auf 30 Minuten erhöhen könne. Bauvorstand Stefano Kunz (CVP) verwies darauf, dass die Stadt in der Baubewilligung habe festlegen können, wie lange die Parkdauer sei. «Wir haben also eine gewisse Steuerungsmöglichkeit.» Die Parkierdauer sei aber bewusst auf geringe 15 Minuten angesetzt worden, da dort schlichtweg nicht lange parkiert werden soll. «Wir behalten das Problem aber im Auge und werden allenfalls Änderungen vornehmen.»

Werden die Funkanlagen bald kontrolliert?

Seit Juni 2018 liegt die Einzelinitiative des Schlieremers Beat Steiger auf dem Tisch des Stadtrates. Darin fordert er, dass die Strahlenemission von Antennen in empfindlichen Gebieten von einer unabhängigen Stelle kontrolliert werden soll. «Ungeduldig warten wir auf den Bericht und den Antrag des Stadtrates. Beides muss er innert 18 Monaten nach Eingang der Initiative veröffentlichen», sagte SVP-Gemeinderat Thomas Grädel. Er erkundigte sich beim Stadtrat, ob die gesetzte Frist eingehalten werden kann. «Diese wird eingehalten», sagte Stefano Kunz. Das Thema sei jedoch sehr komplex und die Bearbeitung nehme viel Zeit in Anspruch. Mehr lasse sich dazu noch nicht sagen.

Das Problem mit dem wärmeempfindlichen Lift

Bei Temperaturen über 28 Grad ist der Lift, der das Perron des Schlieremer Bahnhofs mit der Bushaltestelle auf der Engstringerbrücke verbindet, ausser Betrieb, weil die Technik bei dieser Hitze nicht reibungslos funktioniert. CVP-Gemeinderätin Heidemarie Busch fragte, ob der Stadtrat dafür sorge, dass ab kommendem Sommer Abhilfe geschaffen werde. Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) bestätigte, dass diesen Sommer erstmals beide Liftanlagen für zehn Tage ausser Betrieb genommen werden mussten. «Im Finanzplan 2018 bis 2022 stellte der Stadtrat 295 000 Franken ein, um bei einem der Lifte das Glas durch hitzeresistenten Beton zu ersetzen», sagte sie. Die Planung gestalte sich jedoch knifflig, da das Bauen in Gleisnähe komplex sei. Der Beton-Lift werde daher voraussichtlich frühestens 2021 realisiert.

Wann geht es mit dem Kulturplatz vorwärts?

Der sogenannte Kulturplatz westlich des neuen Stadtplatzes ist frei nutzbar, da er Baufirmen nicht mehr als Installationsplatz dient. Gemeinderat Thomas Widmer (Quartierverein) bat bereits in einem Postulat, künftige Nutzungen zu prüfen. Anlässlich der Fragestunde erkundigte er sich nach dem aktuellen Stand der Dinge. Bauvorstand Stefano Kunz sagte, dass der Masterplan bald im Stadtrat behandelt werde. Einen kleinen Eindruck von den Plänen gab er aber bereits: «Auf dem Platz soll eine Versuchsphase lanciert werden, im Rahmen derer verschiedene Nutzungen getestet werden.»

Wer übernimmt die Schulleitung im Reitmen?

Seit Monaten habe das Schulhaus Reitmen keine Schulleitung mehr. Warum dies so ist, wollte Silvia Meier Jauch (SP) wissen. Schulvorsteherin Bea Krebs (FDP) verwies darauf, dass die besagte Person krankgeschrieben und die Schulleitung an Stellvertreter übergeben sei. «Diese kennen Schlieren bereits, da sie schon in anderen Schulen der Stadt im Einsatz waren.»

Warum verlassen viele Lehrer das Reitmen?

GLP-Präsident Henry Jager fragte, warum die Personalfluktuation im Reitmen derart hoch sei. «Intern spricht man sogar von einer regelrechten Lehrerflucht», sagte er. Krebs zeigte sich erstaunt über die Aussagen der Lehrer. «Doch verzeichnet das Reitmen tatsächlich eine überaus hohe Fluktuation.» Die Gründe seien vielfältig. Ein neues Schulhaus aufzubauen benötige einerseits sehr viel Zeit und Engagement. Andererseits seien die Lehrer entweder neu angestellt worden oder seien von anderen Schulhäusern in Schlieren ins Reitmen gekommen, was dazu geführt habe, dass unterschiedliche Kulturen aufeinandertrafen. Konkret arbeiten 45 Lehrpersonen im Reitmen. Auf diesen Sommer verliessen elf davon die Schule. Vier davon verloren ihre Zulassung, zwei hatten eine befristete Anstellung, eine Lehrerin kündigte nach dem Mutterschaftsurlaub und vier weitere Personen kündigten ebenfalls auf eigenen Wunsch. «Bis sich die Lehrerknappheit im Kanton entspannt hat, kann es in verschiedenen Bereichen zu Engpässen kommen», so Krebs.

Warum fehlen der Stadt so viele Logopäden?

Ein Bereich der Schlieremer Schule, in dem es zu Engpässen kommt, ist die Logopädie. Meier Jauch wollte in ihrer zweiten Frage wissen, ob die Schule auch in den Niederlanden nach Personal suche. wie ihr zu Ohren gekommen sei. Krebs betonte, dass Logopädie nicht ihr Lieblingsthema sei. «Der Markt im ganzen Kanton ist ausgetrocknet. Auch externe Praxen haben keine Kapazitäten mehr», so Krebs. So habe eine Schulleiterin Werbung im Ausland geschaltet, um qualifiziertes Logopädie-Personal nach Schlieren zu holen. «Ich weiss von Aktivitäten in Deutschland, Werbung in den Niederlanden ist mir nicht bekannt. Doch befürworte ich jede Massnahme, die Logopädinnen und Logopäden zu uns bringt.»

Wurde die Turnhallen-Miete verdoppelt?

«Für Schlieremerinnen und Schlieremer bleiben die Preise gleich», antwortete Krebs auf die Frage von Thomas Widmer nach der Verdopplung der Turnhallenmiete. Lediglich Auswärtige zahlen verglichen mit Schlieremern neuerdings das Doppelte. «Dies dünkt mich richtig, da die Halle primär den Einwohnern zur Verfügung stehen soll.» Betroffen von der Erhöhung sei nach ihren Wissen lediglich ein auswärtiger Dauermieter, der die Halle für zwei Wochenstunden beansprucht, so Krebs. Ihn koste dies neu jährlich 1600 Franken, statt 800 Franken wie bisher.

Wie viele Stolperunfälle gab es am Stadtfest?

Vor dem Schlierefäscht waren einige Politiker besorgt, die Mittelinsel auf der ehemaligen Badenerstrasse könnte für die Besucher zur Stolperfalle werden. SP-Gemeinderat Kushtrim Aziri fragte daher, zu wie vielen Stolperunfällen es während dem zehntägigen Stadtfest gekommen sei. «Zu keinen, die in einem Bericht erfasst wurden», sagte Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP).

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