Bezirksgericht Dietikon
Körperverletzung und Oralverkehr mit 14-Jähriger – Ägypter darf trotzdem in der Schweiz bleiben

Das Dietiker Bezirksgericht hat einen 22-Jährigen verurteilt. Er soll eine 14-Jährige mehrfach geschlagen und ihr Leben bedroht haben. Zudem hatte er Oralverkehr mit ihr.

Oliver Graf
Merken
Drucken
Teilen
Ein Mann soll eine «ambivalente Beziehung» mit einer damals 14-Jährigen gehabt haben. Von etwa April bis Juni 2020 soll er sie mehrmals geschlagen haben.

Ein Mann soll eine «ambivalente Beziehung» mit einer damals 14-Jährigen gehabt haben. Von etwa April bis Juni 2020 soll er sie mehrmals geschlagen haben.

Severin Bigler / ©

Vor Gericht zeigte sich der heute 22-Jährige wenig kooperativ. Bereits bei der zweiten Frage des Richters, derjenigen nach seinem Geburtstag, reagierte er unwirsch. Das stehe doch alles schon da, sagte er auf die Akten verweisend. Zu den Vorwürfen meinte der in Zürich geborene Ägypter nur, dass diese nicht stimmen würden. Weitere Ausführungen wollte er nicht machen.

«Was nicht passiert ist, kann man nicht beschreiben»,

sagte dessen Verteidigerin später in ihrem Plädoyer.

Für die Staatsanwältin war aber klar, dass vor einem Jahr etwas passiert war. Der Mann soll eine «ambivalente Beziehung» mit einer damals 14-Jährigen gehabt haben. Von etwa April bis Juni 2020 soll er sie mehrmals geschlagen haben; einmal hat er ihr gemäss Anklage zehn Faustschläge versetzt, ein andermal hat er ihr mit dem Handy so fest ans Ohr geschlagen, dass sie im Bereich des Ohrrings blutete.

Mehrfach mit Tod gedroht

Im weiteren soll er ihr mehrmals gedroht haben, dass er sie umbringen könne, wenn sie weiter «Scheiss» baue. Dabei war es offenbar um deren übermässigen Alkoholkonsum gegangen. Zudem hat sich der Mann zwei-, dreimal an seinem Wohnort auf dem Sofa und auf einem Parkbänklein an der Limmat oral befriedigen lassen. Gemäss Aussagen der 14-Jährigen soll dies einvernehmlich erfolgt sein.

Da dem Mann gemäss Staatsanwältin das Alter der Jugendlichen bekannt war und er damit wusste, dass sie unter 16 ist, warf sie ihm mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern vor. Zudem klagte sie ihn wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung, mehrfacher Drohung und mehrfachen Tätlichkeiten an.

Der Beschuldigte gab an, dass er der Jugendlichen einen Korb gegeben hätte, deswegen sei sie verärgert gewesen. Dessen Verteidigerin bezeichnete die 14-Jährige vor dem Dietiker Bezirksgericht deshalb als Manipulatorin, die sich mit ihrer Anzeige wegen verschmähter Liebe rächen wollte. Sie habe ihm angekündigt, dass sie bei der Polizei eine grosse Szene machen werde, sodass er ausgewiesen werde. Die Vorwürfe des Mädchens seien erfunden, allenfalls um vom eigenen Alkoholproblem abzulenken.

Dass das Mädchen durch die Drohungen verängstigt gewesen sei, stellte die Verteidigerin, die auf einen Freispruch plädierte, in Abrede. In Chatnachrichten habe die 14-Jährige den Beschuldigten etwa als «dummen Siech» tituliert und ihm gesagt, dass er «einen Scheiss» erzähle. Sie sei also sehr selbstbewusst aufgetreten, sie sei keine, die sich schnell einschüchtern lasse.

Die Staatsanwältin stützte sich hingegen auf die Aussagen der 14-Jährigen ab. Diese seien in ihrem Kerngehalt widerspruchsfrei und stimmig. Zudem seien auch die angegebenen Verletzungen dokumentiert und ein Chatverlauf zwischen der Jugendlichen und der Mutter des Beschuldigten würden das Bestehen einer Beziehung bestätigen. Der Mann, wegen Körperverletzung schon einschlägig vorbestraft, sei impulsiv, brutal und rücksichtslos vorgegangen, sagte die Staatsanwältin.

Schlüssig und differenziert ausgesagt

Das Gericht kam zum selben Schluss und sah keinen Grund, an den Aussagen der Jugendlichen zu zweifeln: Diese habe in sich schlüssig und differenziert ausgesagt, sagte der Richter. Er verwies dabei darauf, dass sie nicht übertrieben habe. Hätte sie den Mann anschwärzen wollen, dann hätte sie kaum von einvernehmlichen sexuellen Handlungen gesprochen, meinte der Richter. Sie hätte in diesem Fall behauptet, sie sei dazu gezwungen worden.

Wie von der Staatsanwältin gefordert, verhängte das Gericht eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Zudem sprach es ein dreijähriges Kontaktverbot aus. Auf die Verhängung einer an sich obligatorischen Landesverweisung – die Staatsanwältin hatte eine solche für sechs Jahre verlangt – verzichtete das Gericht. Der Mann sei kein Sympathieträger, meinte der Richter. Aber er sei in der Schweiz aufgewachsen. Im Sinne einer allerletzten Chance gelte der Secondo als Härtefall. Der Entscheid habe aber an einem «Sydefädeli» gehangen.