Roland Ammann
Er hat die Lichtwolke in Schlieren erschaffen: «Das ist ein Meilenstein für mich»

Leuchtröhrenkünstler Roland Ammann gestaltet grosse Kunstinstallationen auf dem Druckerei-Areal in Schlieren. Das Projekt ist sein bisher grösster Auftrag.

Stefan Schneiter
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Roland Ammann

Roland Ammann

Stefan Schneiter

Künstler oder kommerzieller Leuchtröhrenglasbläser? «Beides», antwortet Roland Ammann auf die Frage, was er denn eigentlich sei. «Ich habe meine Firma Neonhaus Ammann für kommerzielle Neon-Aufträge. Der Raum ist aber gleichzeitig mein Atelier für meine Kunstwerke. Ursprünglich bin ich gelernter Leuchtröhrenglasbläser. Mit über 30 Jahren Erfahrung kann ich meine Ideen selbst verwirklichen. Drei dimensionale Neon-Kunst werke stellen dabei die höchsten Anforderungen. So nutze ich als Künstler die Infrastruktur eines kunsthandwerklichen Fachmanns.»

Eigene Werkstatt ist zugleich ein Atelier

Seit 20 Jahren betreibt der gebürtige Deutsche aus Ulm in Affoltern am Albis seine Werkstatt – oder sein Atelier, wie man es als Künstler nennen würde. Zuvor war er in Regensdorf bei einem Leuchtröhrenhersteller angestellt.

In seiner Firma in Affoltern fertigt er Neonwerbung an, vom berühmten Coca-Cola-Schriftzug über Leuchtschriftzüge für Restaurants bis hin zu Neon-Installationen für Shoppingcenter. Innen-, Aussen- sowie Fassadenbeleuchtungen gehören ebenso zum Angebot seiner Firma, wie auch Aufträge nach Kundenwunsch von Privaten oder die Anfertigung von Neonwerken für andere Künstler.

In seinem riesigen Atelier in Affoltern hängen und stehen Neon-Installationen und -Skulpturen, die Ammann in den vergangenen zwanzig Jahren in Galerien und Kunstmessen präsentiert hat. Neben einem dreidimensionalen Neon-Hirn, geformt aus dem Schriftzug «use it or lose it» oder einem Fragezeichen aus dem Schriftzug «the more I see the less I know» zeigen viele der Leuchtkunstwerke Menschenfiguren in verschiedenen Lebenssituationen und Gefühls zuständen.

Grösster Auftrag in Schlieren

«Die eigene Kunst herzustellen, macht natürlich am meisten Spass», sagt Ammann. Nun hat er seinen bisher grössten Auftrag für eine Lichtinstallation im öffentlichen Raum vom Lichtplanungsspezialisten Mettler und Partner in Zürich erhalten.

In dieser Grösse Kunst am Bau an zufertigen, das ist ein Meilenstein für mich.

(Quelle: Rolan Ammann, Leuchtröhrenkünstler aus Affoltern am Albis)

Der Kunstauftrag ist für drei Installationen im ehemaligen Druckereizentrum der «NZZ» in Schlieren. 2015 wurde die Druckerei geschlossen. Den Gebäudekomplex der Druckerei erwarb die Swiss Prime Site Immobilien AG, die nun auf dem Areal ein Umfeld für Innovation, Unternehmertum und Wissenstransfer bereitstellen will. Dazu werden auch mehrere Gastronomie- und Eventangebote sowie öffentlich zugängliche Begegnungszonen realisiert.

Zwei weitere Lichtkunstwerke folgen bis im Sommer 2022

Zum Konzept der Neugestaltung gehören drei Lichtinstallationen. Das Umgestaltungsprojekt für das Areal läuft unter dem Namen «JED», das für «Join Explore Dare» steht, zu Deutsch «teilnehmen, entdecken, etwas wagen». Dazu entwarfen Tobias Gsell und David Baumann von Mettler und Partner die Buchstaben J, E und D jeweils als dreidimensionale Leuchtröhreninstallationen.

Die Erfahrung mit seinen 3D-Neon-Kunstwerken waren für Ammann entscheidend für die Schaffung des ersten der drei Lichtkunstobjekte in den vergangenen Monaten. Zwei weitere folgen bis im Sommer 2022.

«Wolke» macht neugierig

«Die Wolke» hängt nun im Gebäudekomplex J und ist von der Seite in der Form eines J gehalten. Sie bringt Licht in den Eingangsbereich der Halle und weist den Weg. «Es ist eine Wolke aus Licht, die über einem schwebt und die einen mit ihrer Leichtigkeit und Ästhetik berührt», sagt Ammann.

Die J-Form ist nicht auf Anhieb zu entdecken. Aber das weckt erst recht die Neugierde bei denen, die in das Gebäude eintreten und an der «Wolke» vorbeigehen. Und diese Neugierde motiviert zum mehrfachen Hinschauen.

Montage dauerte 160 Stunden

Die Herstellung des komplexen Kunstobjekts war ein anspruchsvoller Prozess. Die 20 Millimeter dünnen Neonröhren mussten auf 700 Grad erhitzt und dann zu einem 52 Laufmeter langen Gebilde mit den Massen 4,4 mal 3,2 mal 2,4 Meter Umfang gebogen werden.

Diffizil war auch das Aufhängen der drei Meter über dem Boden schwebenden Lichtinstallation. Sie hängen an Dutzenden von Stahlfäden. 160 Stunden dauerte die Montage. Aber jetzt hängt das Röhrenglas.