Dietikon
Unmut wegen weggeworfener Zigarettenstummel: Stadt will keine spezifischen Kontrollen durchführen

Gemeinderat Peter Metzinger (FDP) machte sich in einer Interpellation für mehr Polizeikontrollen wegen weggeworfener Zigarettenkippen im Limmatfeld stark. Der Stadtrat will die Heimstrasse nicht explizit kontrollieren lassen, sondern setzt auf Prävention.

Sibylle Egloff
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Kippen als Dauergäste: Zigarettenstummel finden sich häufig auf den Parkplätzen bei den Arkaden an der Heimstrasse in Dietikon.

Kippen als Dauergäste: Zigarettenstummel finden sich häufig auf den Parkplätzen bei den Arkaden an der Heimstrasse in Dietikon.

Clara Dos Santos Buser

Bei Rotlicht die Zigarette aus dem Autofenster werfen oder beim Aussteigen aus dem Fahrzeug die Kippe auf dem Parkplatz entsorgen. Diese Beobachtung machen Anwohnerinnen und Anwohner sowie Geschäftsinhaber der Heimstrasse im Dietiker Limmatfeld häufig. Sie stören sich an den weggeworfenen Zigarettenstummeln, welche die Arkaden und die Strassen im Quartier verunreinigen. Peter Metzinger, Gemeinderat (FDP) und Präsident des Quartiervereins Limmatfeld, wandte sich deswegen an den Stadtrat.

«Die Zigarettenstummel stellen nicht nur eine Gefahr für Kinder, Tiere und die Umwelt dar. Sie führen auch zu hässlichen Verschmutzungen der Arkaden, wo sich Geschäfte befinden. Alles in allem schaden sie dem Wirtschaftsstandort Dietikon, im Speziellen dem Limmatfeld», schrieb er in seiner Interpellation. Metzinger machte sich dafür stark, dass spezifische Polizeikontrollen während Stauzeiten vorgenommen werden. Überdies wollte er vom Stadtrat wissen, ob Autofahrer gebüsst werden, wenn sie beim Wegwerfen der Kippen erwischt werden.

Der Stadtrat lässt nun in seiner Antwort verlauten, dass er keine spezifischen Kontrollen durchführen wird, die lediglich auf das Wegwerfen von Zigarettenstummeln abzielen würden. Er schreibt aber: «Bei allgemeinen Verkehrskontrollen ist dieser Tatbestand aber seit Bestehen des Littering-Artikels in der Polizeiverordnung Bestandteil der Kontrollen.» Das Thema Littering sei in der ordentlichen Patrouillentätigkeit mit dem Streifenwagen, Velo oder zu Fuss allgegenwärtig. An der Heimstrasse könne dieser Littering-Artikel zum Beispiel anlässlich einer Verkehrskontrolle betreffend Befahren der Busspur zum Zuge kommen.

Stadtrat befürchtet Widerstand

Der Stadtrat schliesst spezifische Kontrollen aus, weil er befürchtet, dass diese auf Widerstand stossen. «Wenn gut ausgebildete Polizisten versteckt lediglich darauf warten, bis ein Autolenker den Zigarettenstummel aus dem Fahrzeug wirft, kommt dies bestimmt nicht überall gut an. Dies könnte den oft gehörten Spruch provozieren, ob sie nichts Besseres zu tun hätten.» Versichert wird, dass Fahrzeuglenker, die beim Wegwerfen von Kippen oder Kleinabfall erwischt werden, eine Busse erhalten.

Der Stadtrat schreibt zudem, dass per 1. April ein eigener Polizeiassistenzdienst geschaffen wurde, um für zusätzliche personelle Ressourcen zu sorgen. Damit sollen neben der Parkraumkontrolle die Präsenz sowie die ordentliche Kontrolltätigkeit intensiviert werden.

Der Stadtrat erachtet das Aussprechen von Bussen als Symptombekämpfung. Daher setzt er auf Prävention, um gegen Littering vorzugehen. Es sei wichtig, die Gesellschaft zu sensibilisieren und ihr die Auswirkungen ihres Handelns aufzuzeigen. Verwiesen wird auf ein humorvolles Video aus dem Jahr 2020. Gemeinsam mit dem Dietiker Komiker-Duo Lapsus wurde im September 2020 ein Flugverbot für Zigarettenstummel erlassen. «Das Video wurde gut 1000-mal angeklickt und lancierte eine Plakatkampagne mit neun Sujets gegen Zigarettenlittering. Eines davon zeigte auch, wie eine Zigarette aus dem Auto geworfen wird», schreibt der Stadtrat.

Hier will man anknüpfen. Die Kampagne wolle man im stetigen Bemühen um eine saubere Stadt wieder aufgreifen. Bereits vergangenen Sommer bekundete der Stadtrat dieses Vorhaben im Zusammenhang mit einer Kleinen Anfrage von EVP-Gemeinderätin Manuela Ehmann, die sich erkundigte, wieso die Kampagne aus dem Stadtbild verschwunden sei.

Antwort macht ihn sprachlos

Für Peter Metzinger ist das Thema mit dieser Stadtratsantwort noch nicht erledigt. «Ich werde an der Gemeinderatssitzung am Donnerstag nachfragen müssen, was gewisse Aussagen zu bedeuten haben. Mich machen diese sprachlos», sagt er. Damit meint Metzinger vor allem die vom Stadtrat geäusserte Sorge, dass spezifische Kontrollen den Spruch, ob die Polizei nichts Besseres zu tun habe, nach sich ziehen könnten.

«Diesen Satz hört die Polizei oft, egal was sie tut. Dabei macht sie doch nur ihren Job, wenn sie für Recht und Ordnung sorgt. Auf Befindlichkeiten der Leute kann dabei nicht immer geachtet werden. Dieses Argument des Stadtrats zählt für mich nicht.» Metzinger fragt sich: «Oder ist der Stadtrat selbst der Ansicht, dass die Polizei etwas Besseres zu tun hat?» Dieser Frage wolle er an der Gemeinderatssitzung am Donnerstag nachgehen.

Die Idee, die Plakatkampagne wieder aufleben zu lassen, sieht Metzinger kritisch:

«Ich bin seit 40 Jahren in der Campaigning-Branche tätig und weiss, mit Kommunikation ist es nicht getan. Es braucht Intervention. In diesem Fall in Form von Kontrollen und Bussen.»

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