Dietikon
Trotz tiefer Maturaquote: Wie die Dietiker Schule Begabten und Hochbegabten gute Perspektiven ermöglichen will

In Dietikon erlangen im kantonalen Vergleich nur wenig Jugendliche die Maturität. Dies liegt laut Stadtrat aber keinesfalls an der Schulqualität in Dietikon, wie er in seiner Antwort auf einen Vorstoss von Gemeinderat Sven Johannsen (GLP) schreibt. Dieser macht sich Sorgen, dass Familien wegen schlechter Bildungsperspektiven von Dietikon wegziehen oder der Stadt fernbleiben.

Florian Schmitz
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Die Zielgruppe für das Gymnasium und andere Mittelschulen wird von der Dietiker Schule spezifisch gefördert.

Die Zielgruppe für das Gymnasium und andere Mittelschulen wird von der Dietiker Schule spezifisch gefördert.

Themenbild: Boris Bürgisser

Im kantonalen Vergleich erlangen wenig Dietiker Schülerinnen und Schüler die Maturität. Der Anteil der 19-Jährigen mit einer bestandenen gymnasialen Maturität liegt mit 7,3 Prozent nur 1,5 Prozent höher als in Fischenthal, dem Schlusslicht im Kanton Zürich. Kantonsweit liegt die Maturitätsquote bei 19,1 Prozent. Dass diese nackten Zahlen keinesfalls bedeuten, dass die Schule Dietikon eine schlechte Arbeit leistet, begründet der Stadtrat in seiner Antwort auf eine Interpellation von Gemeinderat Sven Johannsen (GLP). Die Quote sei vergleichbar mit Opfikon, das über einen ähnlich hohen Anteil fremdsprachiger Schüler verfüge.

«In meinem persönlichen Umfeld ist der Hauptgrund für den Wegzug aus und das Fernbleiben von Dietikon von bildungsnahen und einkommensstarken Familien die subjektive Bewertung der Schulqualität»,

schreibt Johannsen in seinem von 16 Ratskolleginnen und -kollegen mitunterschriebenen Vorstoss. Dabei werde nicht die Arbeit der Schule bemängelt, die unter den gegebenen Rahmenbedingungen ihr Bestes tue. Eltern seien besorgt, dass ihre Kinder in einem schulischen Umfeld mit vielen Kindern ohne deutsche Muttersprache nicht die Möglichkeit erhalten, ihr Leistungspotenzial auszuschöpfen.

Deshalb will Johannsen wissen, wie die Perspektiven von Dietiker Kindern und Jugendlichen auf einen höheren Bildungsweg verbessert werden können. Und er fragt den Stadtrat nach möglichen Massnahmen, um Dietikon bei den Übertritten in Gymnasien und Mittelschulen näher an das kantonale Mittel heranzuführen.

Schon vor dem Schulstart werden die Weichen gestellt

Weil eine erfolgreiche Schulkarriere bereits im Frühbereich beginne, setze die Schule sich für Angebote ein, die bereits vor der Schule starten, schreibt der Stadtrat in seiner Antwort. Im sonderpädagogischen Konzept zeigt die Schule auf, welche Unterstützungsangebote für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen ab Kindergartenstufe vorhanden sind.

Das Konzept der Begabtenförderung fördere zudem bewusst auf allen Stufen die Zielgruppe für das Gymnasium und andere Mittelschulen. Begabte und Hochbegabte werden einerseits im Rahmen des Regelunterrichts gefördert. Dabei werde die Klassenlehrperson von der schulischen Heilpädagogin unterstützt, schreibt der Stadtrat. Darüber hinaus gibt es weitere Angebote wie Mentorate, bei denen Schüler wöchentlich in zwei Lektionen an selbst gewählten Projekten arbeiten können. «Ziel ist, die Schüler nachhaltig zu fördern und ihnen Strategien zu vermitteln, sodass sie später auch selbstständig in der Klasse Projekte verfolgen können.» Ausserhalb des Stundenplans bietet die Schule Vorbereitungskurse für den Übertritt an Lang- und Kurzzeit-Gymnasien an.

Weil Dietiker Schulen multikulturell sind, werden sie zusätzlich gefördert

Mit dem zweithöchsten Sozialindex für Schulgemeinden im Kanton Zürich sei begründet, dass alle Dietiker Schulen sogenannte Quims-Schulen sind. Das Programm «Qualität in multikulturellen Schulen» unterstützt Schulen, für die es besonders herausfordernd ist, gute Lernleistungen und Bildungschancen zu gewährleisten. Weiter heisst es:

«Die Quims-Projekte tragen dazu bei, dass alle Schülerinnen und Schüler in den Bereichen Integration, Sprachförderung und Schulerfolg gefördert werden.»

Eine wichtige Rolle innerhalb der schulischen Förderung spielen laut Stadtrat auch die Angebote Deutsch als Zweitsprache – in Dietikon haben überdurchschnittlich viele Schüler eine andere Erstsprache – und die Integrative Förderung. Im Rahmen von Letzterer unterstützen Förderlehrpersonen einzelne Schüler – und zwar sowohl Leistungsschwache und Verhaltensauffällige wie auch Begabte.

Auf Nachfrage von Johannsen bestätigt der Stadtrat zudem, dass die Bildungsperspektiven in der obligatorischen Schule einen Teil der Wohnortattraktivität ausmachen. «Genauso wie der Steuerfuss, die natürliche geografische Lage und die Attraktivität des Wohnungsangebotes», schreibt der Stadtrat weiter. Letzteres schätzt der Stadtrat aber als noch wichtiger ein als die Bildungsperspektiven.