Dietikon
Kaum Beschwerden und Bussen wegen verbranntem Abfall: Die Stadt will keine aufwendige Sensibilisierungskampagne

Störende oder illegale Verbrennungsaktionen verursachen der Dietiker Stadtpolizei kaum Arbeit. Deshalb will der Stadtrat nicht viel Aufwand im Umgang mit dem Thema betreiben.

Florian Schmitz
Drucken
Von Frühling bis Herbst wird in den Dietiker Familiengärten viel gefeuert. Dies führt aber nur zu wenigen Beschwerden bei der Stadtpolizei.

Von Frühling bis Herbst wird in den Dietiker Familiengärten viel gefeuert. Dies führt aber nur zu wenigen Beschwerden bei der Stadtpolizei.

Florian Schmitz

Von Frühling bis Herbst werde in Schrebergärten, öffentlichen Feuerstellen und auf privaten Grundstücken stundenlang gefeuert, schreibt die Dietiker EVP-Gemeinderätin Manuela Ehmann in einer Interpellation. Die starke Rauchentwicklung sei teils unerträglich und belaste umliegende Liegenschaften. Weil dabei immer wieder diverse nicht erlaubte Materialien verbrannt würden, könne auch viel gesundheitsgefährdender Feinstaub entstehen. «Ich hoffe, der Stadtrat erkennt das Problem und ist gewillt, mögliche Massnahmen zu realisieren», schreibt Ehmann in ihrem Vorstoss.

In seiner nun veröffentlichten Antwort erteilt der Stadtrat der Forderung nach einer stadtweiten Sensibilisierungskampagne wie dem «Flugverbot» zum Thema Zigarettenlittering eine Abfuhr. Denn im Gegensatz zum Littering betreffe das Verbrennen von Abfall nur bestimmte Gruppen, die sich nicht an die Regeln hielten. «Der Stadtrat könnte sich jedoch effizientere Massnahmen vorstellen und erwägt, nachfolgende Handlungsoptionen umzusetzen», heisst es weiter.

Hinweise auf der Website und im Entsorgungskalender

Um der Bevölkerung die Thematik näherzubringen, zählt der Stadtrat als Möglichkeiten eine Medieninformation, Informationen auf der städtischen Website und anderen digitalen Plattformen sowie einen Hinweis im Entsorgungskalender 2023 auf. Zudem könnten Pachtende und Betreibende von Familiengärten mit gezielt verschickten Merkblättern informiert werden. Die indirekte Formulierung der Antwort zeigt aber, dass die Stadt dem Thema zumindest keine unmittelbare Dringlichkeit attestiert. Dazu sagt Ehmann auf Anfrage:

«Ich finde es sehr schade, dass der Stadtrat die Massnahmen nur erwägt.»

Die städtischen Vorschläge seien aus ihrer Sicht nämlich durchaus sinnvoll, um dem Problem entgegenzuwirken. Weil sie weder allzu teuer noch ressourcenintensiv seien, hätte sich Ehmann gewünscht, dass der Stadtrat gleich Nägel mit Köpfen macht.

Zwischen 2019 und 2021 seien bei der Stadtpolizei jährlich rund zwei telefonische Beschwerden wegen solcher Verbrennungsaktionen eingegangen, schreibt der Stadtrat. Im gleichen Zeitraum habe die Polizei jährlich weniger als zwei Ordnungsbussen und eine Verzeigung ausgesprochen. Wie hoch die Dunkelziffer nicht erfasster Verstösse sei, könne aber nicht ermittelt werden, relativiert der Stadtrat. Die wenigen Reklamationen seien nur bedingt aussagekräftig, findet Ehmann. Denn die meisten Menschen würden bei stinkendem Rauch in ihrer Umgebung lieber die Fenster schliessen, als gleich die Polizei zu verständigen.

Die rechtlichen Grundlagen zur Abfallverbrennung sind im nationalen Umweltschutzgesetz und in der Luftreinhalteverordnung geregelt. Auch das kantonale Abfallgesetz und die Smog-Verordnung befassen sich mit dem Thema. Grundsätzlich dürfen von Anfang November bis Ende Februar im Freien keine Wald-, Feld-, und Gartenabfälle verbrannt werden. Ausnahmen bestehen nur für Brauchtums- und Grillfeuer. Über den Rest des Jahres dürfen beim Verbrennen keine übermässigen Immissionen entstehen. In Dietikon dürfen zudem in Wohngebieten generell keine Wald-, Feld-, und Gartenabfälle verbrannt werden, wie Artikel 13 der Polizeiverordnung vorschreibt. Artikel 14 hält zudem fest, dass im öffentlichen Raum nur auf dafür vorgesehenen Plätzen gefeuert werden darf.

In Zukunft könnten Sensoren bei zu viel Feinstaub alarmieren

Grundsätzlich seien die Stadt- und die Kantonspolizei für Kontrollen zuständig und solche würden im Rahmen von Patrouillenfahrten oder bei eingegangenen Anzeigen durchgeführt, antwortet der Stadtrat auf die entsprechende Frage Ehmanns. Bei städtisch verpachteten Anlagen kontrolliere die zuständige Aufsichtsperson periodisch vor Ort, ob die Pachtenden alle Vorgaben einhalten. Bei privaten Gärten und den vielen privaten Grundstücken in der Stadt seien aber jeweils die Verpächter, die privaten Verwaltungen der Hauseigentümer oder die Eigentümer selber verantwortlich.

Beim Thema Feinstaubbelastung denkt der Dietiker Stadtrat auch an seine Zusammenarbeit mit dem Stromversorger EKZ. Im Rahmen des Projekts Smart City könnten an neuralgischen Stellen dereinst Sensoren aufgestellt werden, um die Feinstaubkonzentration zu messen und gegebenenfalls bei hoher Belastung automatisch einen Alarm auszulösen, schreibt der Stadtrat. Auf der EKZ-Insel steht bereits jetzt ein experimenteller Multifunktionsmast, der unter anderem Umweltdaten wie Feinstaub aufzeichnet.

Aktuelle Nachrichten