Dietikon
Das Bezirksgericht stuft den Hanfanbau als «doch recht professionell» ein

Zwei Schweizer haben in ihrer Indoor-Anlage 20 Kilogramm Marihuana geerntet. Sie wollen, wie sie vor dem Dietiker Bezirksgericht beteuern, nicht einmal «Semi-Profis» sein. Doch das Gericht sieht es anders.

Louis Probst
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Zwei Schweizer haben in Rafz Hanfpflanzen angebaut: Das Bezirksgericht Dietikon hat ihnen nun eine Freiheitsstrafe sowie eine Geldstrafe verhängt.

Zwei Schweizer haben in Rafz Hanfpflanzen angebaut: Das Bezirksgericht Dietikon hat ihnen nun eine Freiheitsstrafe sowie eine Geldstrafe verhängt.

Themenbild: Alexandra Wey

Mindestens 840 Hanfpflanzen waren in der Indoor-Anlage herangewachsen, welche die beiden Schweizer in Rafz im Zürcher Unterland betrieben hatten. Bei zwei Ernten hatte die Anlage je zehn Kilogramm Marihuana abgeworfen.

Einiges davon konnte die Polizei in der Anlage selber, einiges an den Wohnorten der Männer sicherstellen. Ein gutes Kilo Marihuana hatte einer der beiden dazu verwendet, Schulden zu begleichen.

Nun hatten sich die beiden Männer – ein 48-jähriger Geschäftsführer einer Handelsfirma und ein 38-jähriger Event-Organisator – wegen mehrfacher Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz vor dem Bezirksgericht Dietikon zu verantworten. Die Staatsanwaltschaft forderte bedingte Freiheitsstrafen von jeweils zehn Monaten sowie Bussen von jeweils 5000 Franken.

Die Rollenverteilung bleibt vor Gericht unklar

«Den Betrieb habe ich geführt», erklärte der 48-Jährige gegenüber Bezirksrichter Benedikt Hoffmann. Der Mitbeschuldigte habe nur auf Abruf mitgearbeitet. Er sei froh gewesen, «zuweilen eine zweite Hand» zur Seite zu haben. Auf den Einwand des Richters, dass sich diese Aussagen stark von jenen bei der ersten Einvernahme unterscheiden würden, meinte der Beschuldigte, dass er sich damals in einer Art Schock befunden hätte.

Der andere, der 38-jährige Beschuldigte wollte vor dem Bezirksgericht gar nichts mehr sagen. Er verwies nur stereotyp auf seine früheren Aussagen, die er gegenüber den Ermittlungsbehörden gemacht hatte.

Der Verteidiger des 48-jährigen Beschuldigten beantragte einen Freispruch sowie eine Genugtuung von 5000 Franken. «Mein Mandant akzeptiert den äusseren Sachverhalt grundsätzlich», sagte er. «Mein Mandant war 19 Tage in Untersuchungshaft, was ihm stark zugesetzt hat.»

Verteidiger: «Er ist nicht einmal ein Semi-Profi»

Der Beschuldigte sei kein Profi, ja nicht einmal ein Semi-Profi, führte der Verteidiger weiter aus. «Die Staatsanwaltschaft ist der irrigen Meinung, dass der Hanfanbau eines der schwersten Delikte sei.» Das sei unverständlich.

Der Verteidiger ging in seinem Plädoyer auf das Thema Cannabis-Legalisierung ein. «Die Schweiz scheint auch da 50 Jahre hinterherzuhinken», sagte er. Und zu den vorgeworfenen Mengen kritisierte er: «Es geht immer noch um Grämmlipolitik.»

Zudem sei das sichergestellte Marihuana auch nicht untersucht worden; der THC-Gehalt sei nicht bestimmt worden. Daher sei die Vermutung erlaubt, dass die THC-Grenze nicht oder nicht überall erreicht worden sei. Sein Mandant habe davon ausgehen dürfen, dass er sich im legalen Bereich bewege.

Verteidiger spricht von «unsinnigem Antrag»

Den Strafantrag der Staatsanwaltschaft bezeichnete er als «unsinnig und unverständlich». Der Verteidiger verwies auf das Urteil eines andern Drogenfalles; sein Mandant hätte im Vergleich dazu nicht 20 Kilogramm, sondern 70 Tonnen Marihuana produzieren müssen, um die beantragte Strafe zu rechtfertigen.

Die Verteidigerin des zweiten Beschuldigten beantragte, dass ihr Mandant wegen Eigenkonsum und Mithilfe zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 30 Franken und einer Busse von maximal 500 Franken zu verurteilen sei. Ihr Mandant sei kein Mittäter, sondern nur Gehilfe gewesen. Er habe keinen Einfluss auf die Anlage gehabt und sei auch nicht am Verkauf des Marihuanas beteiligt gewesen.

Gericht verhängt eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Monaten

Das Gericht verurteilte den 48-jährigen Beschuldigten wegen mehrfacher Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von siebeineinhalb Monaten.

«Aus Sicht des Gerichtes gibt es keinen Grund, daran zu zweifeln, dass es sich um Drogenhanf gehandelt hat», erklärte Bezirksrichter Hoffmann. «Das Ganze war recht professionell aufgezogen. Man ist nicht so weit von der Gewerbsmässigkeit entfernt. Der Antrag der Staatsanwaltschaft ist daher nicht so abwegig. Das Verschulden wiegt nicht mehr leicht.»

Der zweite Beschuldigte wurde wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und mehrfacher Gehilfenschaft zu einer bedingten Geldstrafe von 125 Tagessätzen zu je 30 Franken sowie zu einer Busse von 750 Franken verurteilt. Aus Sicht des Gerichtes bestanden gewisse Zweifel am Ausmass seiner Rolle.