Schlieren

Die Stadt übernimmt das Stürmeierhuus mindestens für zwei Jahre

Im Saal des Stürmeierhuus finden zahlreiche Veranstaltungen statt.

Weil die reformierte Kirche den Betrieb der Räume nicht mehr übernehmen will, springt die Stadt ein.

Dass sich das Betreibermodell der Obergeschosse des Stürmeierhuus nicht mehr lange halten würde, zeigte sich bereits 2017. Damals stieg die katholische Kirchgemeinde aus der Trägerschaft aus, die gemeinsam mit der reformierten Kirchgemeinde und der Stadt Schlieren unterhalten wurde. Mit dem Neubau des Pfarreizentrums war man nicht mehr auf die Miete von Räumen für die Gemeinde angewiesen. Damals stopfte die Stadt das dadurch entstandene finanzielle Loch. Nun wird bekannt, dass die Stadt die Kultur- und Gesellschaftsräume von der Liegenschaftsbesitzerin, der reformierten Kirche, mietet und fortan betreibt, um das Defizit an Saal- und Sitzungsinfrastrukturen in der Stadt lindern zu können, wie der Stadtrat in seinem Beschluss schreibt.

Aktuell unterstützt die Stadt den Betrieb des Stürmeierhuus mit jährlich 45 000 Franken. «Seit einiger Zeit hat die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde signalisiert, den Betrieb der Stadt Schlieren übertragen zu wollen», schreibt der Stadtrat. Bereits nachdem bekannt wurde, dass die katholische Kirche die Trägerschaft verlassen würde, sagte der Präsident der reformierten Kirche und Alt-Stadtrat Robert Welti (EVP), dass es nicht Aufgabe der Kirche sei, die Vereine durch günstige Saalmieten zu unterstützen. «Unserer Ansicht nach ist dies Aufgabe der Stadt.»

Die Stadt kann neuerdings Synergien nutzen

«Die Stadt kann mit der Mietlösung das Angebot an Kultur- und Gesellschaftsinfrastruktur erhöhen, ohne dabei grosse Investitionen tätigen zu müssen», schreibt der Stadtrat. Die Stadt könne auf qualifizierte personelle Ressourcen und auf ein Raumreservationstool zurückgreifen, wodurch sich Synergien ergeben würden. Beim neuen Regime, das Anfang des kommenden Jahres beginnt, handelt es sich jedoch nicht um eine Dauerlösung. Die Stadt nennt es einen Testbetrieb, der auf zwei Jahre angelegt ist. Für das erste Jahr – 2020 – gewährt die Kirche eine Ermässigung von 6000 Franken, weshalb die Kosten 61 000 Franken betragen und nicht 67 000 Franken wie im zweiten Mietjahr.

Gemeinsam mit den Kosten für den Unterhalt (15 000 Franken), der Hauswartung (knapp 50 000 Franken) sowie der Administration (20 000 Franken) und den Einnahmen durch die Saalmiete (110 000 Franken) ergibt sich für die Stadt unterm Strich ein Aufwand von 55 000 Franken für das erste Betriebsjahr. Dabei muss erwähnt werden, dass die 45 000 Franken, welche die Stadt als Unterstützungsbeitrag leistete, entfallen werden.

Auch wenn die Stadt das Ruder nicht übernehmen würde, dürfte sie das altehrwürdige Haus nutzen. Denn es besteht eine Dienstbarkeitsvereinbarung zwischen der reformierten Kirche und der Stadt, die die Nutzung des Gebäudes durch die Vereine und die Stadt noch bis zum Jahr 2033 sicherstellt.

Welti empfindet diese Lösung als grosse Erleichterung. «Für die reformierte Kirche Schlieren war der Betrieb des Stürmeierhuus nicht nur ein Kostenfaktor. Auch die Administration hat viele Ressourcen gebunden», sagt er. Man werde nun die Probephase von zwei Jahren abwarten und schauen, wie die Rechnung für alle Beteiligten aufgeht. «Es ist aber richtig, dass nicht mehr wir Reformierten günstige Räume für die Vereine zur Verfügung stellen müssen. Nun nimmt die Stadt ihre Verantwortung wahr», so Welti.
Schlieremer Vereine zahlen nur 70 Franken für den Saal

Was dem Stadtratsbeschluss nicht zu entnehmen ist, ist die künftige Höhe der Raummiete. Bislang zahlten Vereine für den Saal mit 240 Sitzplätzen bei einem Konzert und 200 Sitzplätzen bei einem Bankett lediglich 70 Franken. Für die Stuben im ersten Obergeschoss entrichteten die Vereine bislang lediglich 20 Franken. Schlieremer Einwohner zahlen für die Saalnutzung 230 Franken und Auswärtige 500. Das aktuell gültige Gebührenreglement stammt aus dem Jahr 2016.

Was sich mit dem Regime der Stadt verändern wird, teilt sie kommende Woche mit. Am Montag unterrichten Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (parteilos) und Standortförderer Albert Schweizer Vertreter der Schlieremer Vereine, wie sie künftig zu den Räumen im Stürmeierhuus kommen werden.

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