Bergdietikon
Eine Managerin und ein Pilot wollen Friedensrichter werden

Andrea Kleger (GLP) aus Wettingen und Martin Rellstab (SVP) aus Würenlos bewerben sich für die Nachfolge von Friedensrichterin Manuela Ernst (GLP). Dank ihres Berufs wissen beide Kandidaten, wie man Konflikte löst.

Sibylle Egloff
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Friedensrichterkandidatin Andrea Kleger (GLP) aus Wettingen.

Friedensrichterkandidatin Andrea Kleger (GLP) aus Wettingen.

Sibylle Egloff

Einen Friedensrichterposten im Kreis IV des Bezirks Baden gilt es neu zu besetzen. Für die Ersatzwahl des Friedensrichteramtes vom 7. März für die Gemeinden Bergdietikon, Spreitenbach, Killwangen, Neuenhof, Wettingen und Würenlos stellen sich Andrea Kleger (GLP) aus Wettingen und Martin Rellstab (SVP) aus Würenlos zur Verfügung. Sie wollen die Nachfolge von Manuela Ernst (GLP) aus Wettingen antreten, die nach erfolgreicher Wahl in den Grossen Rat ihr Amt abgibt.

Nach acht Jahren Wohnsitz in Wettingen will sich Andrea Kleger für die Gemeinde und die Region einsetzen. «Das Friedensrichteramt bietet sich dafür an. Mir liegt es, zu vermitteln und verschiedene Perspektiven einzunehmen», sagt die 41-Jährige.

Seit 2019 ist Kleger Mitglied der GLP-Ortspartei. «Als dreifache Mutter ist mir wichtig, dass das Amt nicht auf Kosten der Familienzeit geht. Ich bin jedoch Geschäftsführerin einer eignen Firma und kann meine Arbeitszeit flexibel einteilen und entsprechend meine Aufgaben als Friedensrichterin priorisieren», sagt Kleger. 2012 gründete die Maschinenbauingenieurin mit einem Kollegen in Wettingen ein Softwareunternehmen, das Firmen auf dem Weg zur Digitalisierung hilft.

Sie will schnell etwas bewirken können

Vom Friedensrichteramt hörte sie erstmals, als sie sich bei ihrem Beitritt zur GLP mit der aktuell noch amtierenden Friedensrichterin Manuela Ernst austauschte. «Die Aufgabe reizte mich, vor allem weil man unparteiisch an die Sache herangehen muss», sagt Kleger. Zudem entspreche diese Arbeit ihrem Naturell. «Ich löse gerne innert nützlicher Frist Fälle und suche nach Lösungen. In der Politik dauert es teilweise Jahre, bis man etwas bewirken oder verändern kann. Als Friedensrichterin sehe ich das Resultat meiner Arbeit bereits nach ein paar Stunden.»

Mit ihrer Kandidatur bringt Kleger zudem ihre Wertschätzung für die Milizpolitik zum Ausdruck. «Ich bin ein Fan dieses Systems und halte es für den richtigen Weg. Die enge Verflechtung von Politik, Wirtschaft und Sozialem ist eine Stärke der Schweiz.» Es sei wichtig, dass nicht nur Berufspolitiker und im Falle des Friedensrichteramtes nur Juristen diese Aufgaben übernehmen würden.

Zugute kommt Kleger ihr zweijähriges Nachdiplomstudium in interkultureller Kommunikation. «Meine Ausbildung beinhaltete Themen wie Siedlungsbau, Vermeidung von Gettoisierung und den Stellenwert der Kultur für die Gesellschaft.» Es helfe ihr, zu verstehen, woher die Leute kommen, wie ihre Situation aussieht und vor allem, was sie vom direkten Austausch erwarten. Im besten Fall könne sie nicht nur die einzelnen Perspektiven der beiden Parteien nachvollziehen, sondern diese erweitern, damit beide die anderen Seiten verstehen.

Gemeinsam hinsitzen, statt andere urteilen zu lassen

Klegers Ziel ist es, dass die zerstrittenen Parteien selbst eine Lösung finden, mit der beide leben können. «Heutzutage wünschen Leute oft einen juristischen Entscheid. Ich finde es wichtig, dass man sich gemeinsam hinsetzt und den Konflikt löst, statt jemanden anderen darüber urteilen zu lassen.» Sie nehme dabei die Aufgabe der Vermittlerin ein.

Die Mutter und Managerin, die neben der GLP auch von der SP und den Grünen unterstützt wird, rechnet sich gute Chancen für die Wahl aus. «Es wird wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen», sagt Kleger. Insgeheim hofft sie auf ihren Sieg. «Ich würde mir wünschen, dass eine Frau dieses Amt besetzt. Man hört immer wieder, dass sich zu wenige Frauen in der Milizpolitik zur Verfügung stellen. Auch das habe ich mir zu Herzen genommen. Jetzt liegt es an den Stimmberechtigten.»

Friedensrichterkandidat Martin Rellstab aus Würenlos.

Friedensrichterkandidat Martin Rellstab aus Würenlos.

Sibylle Egloff

«Ein friedliches Zusammenleben ist mir ein grosses Anliegen», sagt Martin Rellstab. Das ist der Grund, warum der 43-Jährige aus Würenlos als Friedensrichter kandidiert. Er habe schon immer einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn gehabt, sagt Rellstab. Sein Schwiegervater motivierte und inspirierte ihn, sich zur Wahl zur Verfügung zu stellen. «Er war selbst 16 Jahre lang Friedensrichter in Aarau und steht mir mit Rat und Tat zur Seite.»

Den Wunsch, Friedensrichter zu werden, hegt Rellstab bereits seit einiger Zeit. Die letzte Wahl verpasste er knapp. «Ich habe nun fast vier Jahre warten müssen, um mich zu melden», sagt er. Für die Aufgabe habe er die nötige Ausbildung, genug Lebenserfahrung und einen gesunden Menschenverstand, ist er sicher. «Ich habe während meines Betriebsökonomiestudiums oft das Schweizerische Obligationenrecht und das Zivilgesetzbuch gewälzt und verfüge daher über ein gutes Rechtsverständnis», so der zweifache Familienvater.

In Abu Dhabi und im Cockpit bewältigte er Konflikte

Seine spätere Tätigkeit als Kundenberater einer Bank in der Schweiz und in Abu Dhabi lehrte ihn zudem, mit Konflikten umzugehen. «Als Kundenberater kriegst du alles ab. Die Kunden sitzen mit dir am Tisch und nicht mit dem CEO der Bank», sagt Rellstab. Um dafür gewappnet zu sein, absolvierte er wiederkehrend zahlreiche Kommunikations- und Feedbackschulungen. Mittlerweile hat er den Aktenkoffer aber mit der Pilotenuniform getauscht. Seit elf Jahren fliegt Rellstab als Pilot für die Swiss. «Es war schon immer mein Traum, Pilot zu werden. Doch als ich die Ausbildung in Angriff nehmen wollte, durchkreuzte das Swissair-Grounding im Jahr 2000 meine Pläne», erzählt Rellstab, der in Grüt im Zürcher Oberland aufgewachsen ist. Als Swiss die Ausbildung acht Jahre später wieder anbot, packte er seine Chance.

Streit schlichten musste er auch in diesem Beruf bereits einige Male. «Es ist wichtig, dass Probleme am Boden gelöst werden. Doch es kam auch schon vor, dass es im Flugzeug Unstimmigkeiten gab und man dann aus dem Cockpit heraus die Situation lösen musste», sagt Rellstab.

Seit dem Ausbruch der Coronapandemie im März 2020 ist er nur noch selten abgehoben. «Ich habe Kurzarbeit, mache aber oft Übungen im Simulator. Es ist wichtig, dass wir die Flugroutine nicht verlieren», sagt Rellstab. Dass er bei normalem Flug- und Reisebetrieb zu wenig Zeit für das Friedensrichteramt haben könnte, findet er nicht. «Ich bin während Langstreckenflügen zwischendurch drei Tage am Stück unterwegs, dann aber auch wieder drei Tage lang zu Hause. So kann ich mir die Termine und die Zeit gut einteilen», sagt Rellstab.

Da ihn nicht nur die SVP, sondern auch die FDP und die CVP unterstützen, rechnet er sich gute Chancen aus. «Wichtig ist mir, unvoreingenommen zu sein. Das Amt hat nichts mit Politik zu tun. Die Herkunft und das Geschlecht der involvierten Personen spielen keine Rolle. Mein Ziel ist es, objektiv zu urteilen», betont Rellstab. Ihm ist es ein Anliegen, dazu beizutragen, dass Konflikte kommunikativ, kreativ und ohne rechtliche Schritte gelöst werden können. «Ich möchte Leuten auf einem einfachen Weg mit einer Sitzung helfen können. Ein Rechtsstreit kostet Geld, Ressourcen und Nerven.»