Im Februar wurden die Sprachkurse im Bildungszentrum Limmattal (BZLT) eingestellt: Der Entscheid betraf am Ende laut dem BZLT rund 300 Kursteilnehmende, inklusive der Personen, welche die Einbürgerungsprüfungen absolviert hatten. Zudem waren 18 Lehrpersonen in den letzten Sprachkursen tätig. Diese Nachricht veranlasste AL-Gemeinderat Ernst Joss, sich mit einer Interpellation an den Stadtrat zu wenden.

«Ich bin der Meinung, dass es möglich sein muss, dass man in Dietikon einen Sprachkurs besuchen kann», sagt Joss. Gleichzeitig ist er mit der Lösung des Kantons, der «die Verantwortung für die sprachliche Weiterbildung mit dieser Entscheidung an die Gemeinden abschob», nicht zufrieden. Vom Stadtrat will er wissen, ob er vorgängig informiert worden sei und ob der Stadtrat die Möglichkeit zur Stellungnahme gehabt habe.

Kritik an der Kommunikation

Christine Kohler, ehemalige Fachgruppenleiterin Deutsch der sprachlichen Weiterbildung am BZLT, bestätigt, dass die Sprachkurse eingestellt und die Sprachlehrer entlassen wurden. «Ich habe schon länger geahnt, dass eine solche Entscheidung fallen könnte», sagt sie. Die Sprachkurse seien in den Monaten vor der Abschaffung kaum mehr gefördert worden.

Mehr als das enttäusche sie aber die Haltung des BZLT. «Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns an einen Tisch gesetzt hätten und über die Situation geredet hätten», sagt sie. Doch das BZLT habe «weder für die Kursteilnehmenden noch für die Lehrer gesorgt». Letztere seien zwar mit einer Abfindungssumme entlassen worden, doch besonders den Kursteilnehmenden habe man nicht genug Sorge getragen.

Der Abbau sei schleichend vonstattengegangen. Immer weniger Leute hätten sich für die Kurse gemeldet. «Als das passierte, hätte man mehr Reklame machen sollen, doch das wurde versäumt.» Die verbliebenen Interessenten hätten schliesslich nicht einmal eine Anschlusslösung erhalten.

Claudia Hug, Rektorin des BZLT sieht das anders: «Die Teilnehmenden haben wir nach Rücksprache mit der Gemeinde Dietikon an den Frauenverein Dietikon und an die aoz, einer Fachorganisation im Migrations- und Integrationsbereich, verwiesen.»

Einige der Sprachlehrer unterrichten laut Hug heute beim Frauenverein Dietikon. Nach ihrer Kündigung wandten sie sich auch an Ernst Joss, der als Präsident der Volkshochschule Dietikon amtet. «Die Sprachlehrer wollten bei uns die Kurse fortführen», sagt er. Doch es müsse abgeklärt werden, welche personellen und auch finanziellen Konsequenzen dies habe. Die Lehrer hätten auch für die Räumlichkeiten des BZLT angefragt. Doch dort seien sie abgeblitzt. «Das verstehe ich nicht», sagt Joss.

Laut Joss sind Sprachkurse ein integraler Bestandteil der Weiterbildung. «Der Volkshochschule liegt generell jede Weiterbildung am Herzen», sagt er. Auch wer nur für eine Ferienreise Sprachkurse besuchen wolle, solle dies tun können. «Sie sollten nicht einfach ersatzlos gestrichen werden.» Deshalb fragt er den Stadtrat, was dieser zu unternehmen gedenke, um das Bildungsangebot in Dietikon aufrecht zu erhalten. Alle Interessenten nach Zürich zu verweisen, findet Joss nicht den richtigen Weg: «Mein Ziel ist es, Dietikon attraktiver zu gestalten.» Dafür brauche es Angebote wie die Volkshochschule, aber auch Sprachkurse.

«Nicht mehr konkurrenzfähig ...»

Als Ursache für das Ende der Sprachkurse nennt das BZLT wirtschaftliche Gründe. Im November sagte Hug in einem Interview, dass man die verschiedenen schulischen Bereiche früher habe quersubventionieren können. Da die Schule heute eine Vollkostenrechnung hat, heisst das auch, dass jeder Bereich eigenständig finanziert werden muss.

«Wir waren auf dem Markt nicht konkurrenzfähig, da wir an die kantonalen Lohnstrukturen gebunden sind im Gegensatz zu den privaten Anbietern, welche andere Lohnstrukturen aufweisen», sagt Hug nun auf Anfrage. Das bestätigt Kohler: «Für den Lohn, den ich zuletzt erhielt, könnte man an privaten Sprachschulen wie zum Beispiel der Migrosklubschule zwei Lehrer anstellen.» Das sei jedoch kein Grund, die interessierten Schüler auf dem Trockenen sitzen zu lassen.