Es ist eine Familientradition: Seit Jahrzehnten sind es die Schmiders, die das sogenannte Feuerschiff für das Limmattaler Frühlingsfest bauen.

Dennoch wurde Hansruedi Schmider erst vor zwei Jahren offiziell von der Mittefasten-Kommission zum Schifflimeister ernannt. Vorher bekleidete er das Amt des Pulvermeisters. «Ich habe meinen neuen Titel nicht aktiv gesucht, aber es war wohl naheliegend, dass ich es werde», sagt der 51-Jährige lächelnd.

Die Scheune auf seinem Grundstück diente einst dem Grossvater als Zimmerei. Während sein Vater einem anderen Beruf nachging, wurde Hansruedi Schmider wieder Zimmermann und liess sich später zum Bauführer weiterbilden. Nun wird es Zeit, dass seine Söhne Lars, 23, und Yven, 25, sich dem Schiffbau annehmen.

Obwohl noch keine «echten» Meister, sind beide als Zimmermann und Schreiner dafür prädestiniert und folgen der Familientradition. Unter den wachsamen Augen ihres Vaters beginnen sie, die losen Bretter zu verleimen und zu vernageln.

Opfer für die Flussgeister

Das Schiff ist seit je eigentlich bloss eine schwimmende Kiste. Die Regel verlangt, dass das Holz aus Unterengstringen stammt. «Von der Holzkorporation erhielten wir das Fichtenholz», so Hansruedi Schmider.

Auch die Grösse ist vorgegeben: Die Kiste muss 120 Zentimeter lang, 60 Zentimeter breit und 50 Zentimeter hoch sein. Damit sie schwimmt, werden ihr Flossen angebracht.
Nach nur 30 Minuten haben die Schmider-Söhne das Werk vollbracht. «Früher haben wir die Kiste noch bemalt, allerdings ist das aus Naturschutzgründen nicht mehr erlaubt», sagen sie. Kaum ist das Schiffchen gebaut, ist es auch bald schon wieder dem Untergang geweiht. «Das hat mich nie gestört», sagt Hansruedi Schmider. Der Weg sei das Ziel – und dieser ist abenteuerlich: Am Mittefasten-Sonntag wird es abends brennend zu Wasser gelassen. Damit es schön lodert, ist es gefüllt mit Papier, Holz, Spänen und einem Schuss Brennsprit.

Das sogenannte Lichterschwemmen gehört wie das Bööggverbrennen zum ursprünglich heidnischen Brauch und soll die Flussgeister besänftigen. Ebenso bedeutsam ist auch der Kurs des Schiffes. «Passiert es die rechte Seite unter der Engstringer-Brücke, verspricht das einen guten Sommer», sagt Hansruedi Schmider.

Das brennende Schiff soll bis zum Dietiker Wehr treiben. Bei ruhiger Strömung kann das bis 45 Minuten dauern. Ein Wagen der Feuerwehr mit einem Löschtank wird es begleiten. «Vor einigen Jahren stiess das Schiff mit einem Holzsteg bei Dietikon zusammen und brannte diesen ab», erzählt Hansruedi Schmider. Trotz dieses Zwischenfalls ist das Schiff in all den Jahren, in welchen die Familie Schmider es gezimmert hat, nie vorschnell gesunken. Auch in rund vier Wochen soll es wieder ans Ziel kommen. Wenn auch abgebrannt. Bis dahin lagert es trocken in der Scheune der Familie Schmider.

Die Vorbereitungen für das diesjährige Mittefasten laufen derweil auf Hochtouren. «Es ist das grösste Fest der Gemeinde», sagt der Informationsmeister Christian Haderer. Das Zusammenspiel zwischen der Mittefasten-Kommission, der Gemeinde, den Schulen und vielen Unterengstringer-Vereinen funktioniere bestens und das dreitägige Programm warte mit vielen Höhepunkten auf.

Dass das nahe Zürcher Sechseläuten einmal das Limmattaler Mittefasten in den Schatten stellt, glaubt er nicht. «Wir werden immer die ersten im Jahr sein», sagt Haderer. Und diejenigen mit einem brennenden Schiff.