Corona-Virus

Mehr Schutz für Reisende – so werden die Hygienemassnahmen in Bus und Tram verstärkt

Die Haltestangen in den Zürcher Trams werden neu jede Nacht gereinigt – und die Türen gehen jetzt auch ohne Knopfdruck auf.

Die Haltestangen in den Zürcher Trams werden neu jede Nacht gereinigt – und die Türen gehen jetzt auch ohne Knopfdruck auf.

Die ZVV-Unternehmen haben ihre Hygienemassnahmen angesichts des Corona-Virus verstärkt. Trams und Busse werden ab jetzt jede Nacht desinfiziert, statt nur alle paar Tage. Zudem sollen künftig die vordersten Türen bei den Chauffeuren geschlossen bleiben.

Im Zuge des Corona-Virus ist Abstand angesagt, Handhygiene sowieso – und der Verzicht auf öffentliche Verkehrsmittel in den Stosszeiten. So lauten die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit. Wer dieser Tage im Raum Zürich mit Bus und Bahn unterwegs ist, stellt jedoch keine grossen Unterschiede fest. Da und dort sind die öffentlichen Verkehrsmittel etwas leerer als sonst. Hier und da sind an Haltestellen oder in den Fahrzeugen Passagiere auf Abstand bedacht.

Für belastbare Aussagen über einen Rückgang der Fahrgastzahlen sei es aber noch zu früh, hiess es gestern auf Anfrage bei mehreren Unternehmen, die im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) fahren. Ein SBB-Sprecher sagte: «Wir schätzen, dass zur Zeit 10 bis 20 Prozent weniger Reisende in den Schweizer Bahnhöfen und Zügen unterwegs sind.»

Die Reisenden sollen nun mehr Schutz erfahren

Die ZVV-Unternehmen verstärken ihre Hygienemassnahmen. Ab sofort werden die Haltestangen und die Fahrerarbeitsplätze der Busse und Trams jede Nacht desinfiziert, teilten die ZVV-Betriebe gestern in einem gemeinsamen Communiqué mit. Zuvor sei dies nur alle paar Tage geschehen, sagte Jürg Widmer, Leiter des Einsatzstabs Corona-Virus der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), auf Nachfrage. Nun also jede Nacht. Genügt das? Schliesslich sind vor allem tagsüber zigtausende Menschen im Raum Zürich unterwegs; darunter zunehmend wahrscheinlich auch Träger des Corona-Virus.

«Das ist wie bei den Türklinken», sagt Widmer. Sie nach jeder Berührung zu desinfizieren sei unrealistisch. Den Fahrgästen werde empfohlen, häufig die Hände zu waschen. Ausserdem öffnen sich in den VBZ-Trams und -Bussen ab heute automatisch bei jeder Haltestelle die Türen. Man muss also den Türknopf nicht mehr drücken.

Mangel an Personal

«Wir hätten gar nicht das Personal, um noch häufigere Desinfektionen durchzuführen», fügt Marco Lüthi, Direktor der Sihltal Zürich Uetlibergbahn (SZU) an. Punktuell werde aber auch tagsüber desinfiziert. Die Verkehrsunternehmen weisen zudem die Fahrgäste auf die Hygieneempfehlungen des Bundes hin. Widmer und Lüthi betonen, sie hätten noch genug Desinfektionsmittel auf Vorrat. Doch Nachschub zu bestellen, sei im Moment schwierig, so Widmer.

Und wie sieht es bei den SBB aus, die unter anderem für die meisten Zürcher S-Bahnen zuständig sind? Die SBB-Züge und Bahnhöfe werden täglich gereinigt, Grossbahnhöfe mehrmals täglich, wie ein SBB-Sprecher sagt. Die Reinigung sei «wie bis anhin» sichergestellt.

Fahrpersonal verkauft keine Tickets mehr

Die ZVV-Unternehmen ergreifen noch andere Massnahmen, um die Corona-Viren-Verbreitung zu bremsen: So bleiben in den Bussen künftig die vordersten Türen bei den Chauffeuren geschlossen, wie es weiter im Communiqué heisst. Auch werde der Raum hinter dem Fahrerarbeitsplatz möglichst frei gehalten und mit Plakaten auf den empfohlenen Mindestabstand hingewiesen. In den Trams der Stadt Zürich und in der Glatttalbahn bleiben zudem die Fenster zum Tram-Cockpit neu geschlossen.

Der verstärkte Schutz der Chauffeure solle dazu beitragen, dass der öffentliche Verkehr aufrechterhalten werden könne, schreiben die Verkehrsunternehmen. Bislang gebe es aber nicht überdurchschnittlich viele Krankmeldungen, heisst es bei den VBZ.

Für die Passagiere haben die Schutzmassnahmen für die Chauffeure nebst weniger Einsteigemöglichkeiten noch eine Folge: Sie können beim Fahrpersonal keine Tickets mehr kaufen, wie die ZVV-Unternehmen schreiben. Zu ihnen gehören auch Postauto, Stadtbus Winterthur und die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland. Empfohlen wird, an den Automaten oder online Tickets zu kaufen. Alternativ können sie auch telefonisch beim Kundendienst ZVV-Contact (0848 988 988) bestellt werden.

Meistgesehen

Artboard 1