Rund um das Land Rai in Bergdietikon wurden schon einige Geschichten geschrieben. Das letzte Kapitel stammt aus dem Jahr 2015. Nachdem die Gemeindeversammlung im Juni der Überführung des Hanggebiets von einer Spezial- in eine Wohnzone sowie der damit verknüpften Änderung der kommunalen Bau- und Nutzungsordnung (BNO) zugestimmt hatte, sagten die Stimmberechtigten an einer Referendumsabstimmung im Oktober Nein zu dem Vorhaben des Gemeinderates. Hauptkritikpunkt der Gegner der Umzonung waren die zu langen und zu hohen Baukörper, wie sie in der BNO hätten festgeschrieben werden sollen. Eine Überbauung der letzten grossen Baulandreserve in der Gemeinde, über die bereits seit den 1980er-Jahren diskutiert wird, war durch das Nein der Stimmberechtigten damit vorerst einmal vom Tisch.

Nun nimmt der Gemeinderat einen neuen Anlauf, die Voraussetzung für eine Überbauung des Landes Rai zu schaffen, das zwischen der Föhretstrasse und der Bergstrasse liegt. Denn inzwischen wurde das zugrunde liegende Projekt überarbeitet sowie auch der Entwurf für die Teiländerung der BNO angepasst. Am 9. Mai werden die Pläne an einer Informationsveranstaltung der Bevölkerung vorgestellt. Gleichzeitig ist dies auch der Auftakt zur öffentlichen Mitwirkung. Ab dem 13. Mai bis zum 11. Juni liegen die Entwürfe der überarbeiteten Teiländerung der BNO und des überarbeiteten Gestaltungsplans für das Gebiet zusammen mit erläuternden Unterlagen und dem Bericht der kantonalen Vorprüfung auf der Gemeindeverwaltung Bergdietikon auf.

Kaufvertrag aus dem Jahr 2011

«Wir haben immer noch einen Auftrag des Souveräns auszuführen», begründet Gemeindeammann Ralf Dörig (FDP) den erneuten Vorstoss. Er verweist damit auf einen Entscheid der Gemeindeversammlung von 2011. Diese stimmte damals dem Kaufvertrag für die gemeindeeigenen Parzellen im Gebiet Rai mit der Entwicklerin Implenia zu. «Wir verstehen das Nein der Stimmbürger von 2015 als Nein zur Grösse des damals präsentierten Richtprojekts, nicht aber als grundsätzliches Nein zum Kaufvertrag», so Dörig. Man habe die im Vorfeld der Abstimmung kritisierten Punkte analysiert und die Implenia habe daraufhin ihr Projekt redimensioniert.

Konkret heisst das, dass die zwei langen Baukörper im unteren Bereich des Hangs Rai nun in sechs kürzere Gebäude unterteilt wurden. Weiter wurde das Projekt am Hangfuss an der Föhretstrasse um ein Vollgeschoss reduziert und auch die Ausnützungsziffer wurde von 0,60 auf 0,55 verkleinert. Überdies sind die Baufelder im Gestaltungsplan nun bezüglich Gebäudehöhen und -längen enger gefasst. Trotzdem bleibt der Landkaufpreis zwischen der Gemeinde und Implenia in der vertraglich vereinbarten Höhe.

«Die Investorin ist uns damit in grossen Teilen entgegengekommen. Das ist ein Verhandlungserfolg», sagt Dörig. Allerdings sei damit der Verhandlungsspielraum ausgeschöpft, ergänzt Vizeammann Urs Emch (SVP), der dem Ressort Bau und Planung vorsteht. Das heisst, dass bei einem erneuten Nein zur Umzonung und zur Teiländerung der BNO eine Überbauung des Gebiets Rai wohl endgültig vom Tisch ist. «Es ist davon auszugehen, dass die Investorin sich dann zurückzieht. Dass andere Investoren Schlange stehen werden, ist nicht anzunehmen», so Emch. Zudem dürften dann auch die privaten Grundbesitzer im Gebiet Rai – rund die Hälfte des Baulands gehört der Gemeinde – ihre Hoffnungen auf Projekte begraben. «Zumal nur schon die Hangsicherung eine kostspielige Angelegenheit ist», wie Emch sagt.

Ein Grundsatzentscheid steht an

Deshalb ist der Entscheid über die Teiländerung der BNO, der an der Gemeindeversammlung im November gefällt werden soll, aus Sicht des Gemeinderates auch ein Grundsatzentscheid über die Zukunft des Gebiets Rai. «An der Informationsveranstaltung wollen wir deshalb vollumfänglich darüber orientieren, um was es geht», so Dörig. Dazu gehört auch, dass der Bevölkerung bereits zu diesem Zeitpunkt gezeigt wird, was die Investorin für ein Projekt plant, obschon dieses noch nicht Gegenstand der Gemeindeversammlung vom November sein wird. «Uns ist es wichtig, transparent zu informieren, sodass die Stimmbürger nicht die Katze im Sack kaufen», sagt Emch.

Sollte die Siedlung Rai gebaut werden können, würden rund 120 Wohnungen entstehen. Das Angebot richtet sich gemäss einer Mitteilung an alle Altersgruppen und an die unterschiedlichsten Ansprüche – auch an Familien und junge Menschen. Zum Angebot gehören werden auch Eigentumswohnungen, von denen es in Bergdietikon eher zu wenig gibt. Aus Sicht der Gemeinde kann so ein verträgliches Wachstum generiert werden.

Ein Bau der Siedlung wie auch ein Nein zur Überbauung hätte finanzielle Auswirkungen. Die Gemeinde würde durch die Realisierung Einnahmen von insgesamt 6,5 Millionen Franken generieren. Davon entfallen 3,973 Millionen Franken auf den Verkauf des gemeindeeigenen Landes im Rai und rund 2,5 Millionen Franken auf Infrastrukturgebühren. Würde das Gebiet Rai dagegen nicht entwickelt, entstünden der Gemeinde finanztechnische Abschreibungen von 3,44 Millionen Franken auf dem Wert ihres Landes im Rai.

Die Informationsveranstaltung zum Land Rai findet am 9. Mai um 19.30 Uhr im Mehrzweckgebäude Schule statt.