Urteil

Keine Tierquälerei: Gärtner klar freigesprochen

Weil immer wieder Katzen in den automatischen Lüftungsfenstern seiner Gewächshäuser eingeklemmt wurden und der Gärtner angeblich nichts dagegen unternahm, musste sich dieser vor Gericht verantworten. (Symbolbild)

Weil immer wieder Katzen in den automatischen Lüftungsfenstern seiner Gewächshäuser eingeklemmt wurden und der Gärtner angeblich nichts dagegen unternahm, musste sich dieser vor Gericht verantworten. (Symbolbild)

Hat ein Weinländer Gärtner genug getan, damit in seinen Gewächshäusern Katzen nicht von automatischen Kippfenstern eingeklemmt werden? Diese Frage klärte jetzt ein Gericht.

Liest man einzig die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, könnte der Eindruck eines rücksichtslosen Tierquälers entstehen: Obschon bereits früher mindestens fünf Katzen in automatischen Lüftungsfenstern seiner Gewächshäuser eingeklemmt worden und teils qualvoll verstorben seien, habe ein Weinländer Gärtner nichts dagegen unternommen. Zum Strafprozess kam es nach einem Vorfall im März 2017, als eine Katze aus der Nachbarschaft der Gärtnerei auf diese Weise verendet war.

Die Gerichtsverhandlung hatte letzten September begonnen. Doch dann unterbrach das Bezirksgericht Andelfingen die Befragung und gab bei einem Spezialisten für Gewächshäuser ein Gutachten in Auftrag. Das Gericht wollte so die Frage beantworten können, ob der Beschuldigte genug dagegen unternommen hatte, damit Katzen nicht von solchen Kippfenstern eingeklemmt werden.

Gestern fand der zweite Teil der Verhandlung statt – und das Gericht hat den Vorwurf der Tierquälerei nicht bestätigt. Gestützt auf das Fachgutachten kam es zu einem «klaren Freispruch», wie der Gerichtspräsident in seiner Urteilsbegründung sagte. Das Gutachten komme zusammenfassend zum Schluss, dass die betroffenen Gewächshäuser samt Kippfenstern branchenüblich seien und dem Stand der Technik entsprächen.

«Keine Gleichgültigkeit erkennbar»

Zwar wären weitere Schutzmassnahmen wie etwa das Anbringen zusätzlicher Netze denkbar, doch sind solche Massnahmen laut Gutachten unverhältnismässig im Hinblick auf Kosten und Nutzen. Absperrgitter, Stahlnetze und akustische Störsignale: Die betroffene Gärtnerei unternimmt nach Ansicht des Gerichts bereits genug im Rahmen des Erwartbaren, mehr sei nicht nötig. Auch sei sich der Geschäftsführer der Gärtnerei des Problems bewusst, «es ist keine Gleichgültigkeit gegenüber der Tierwelt erkennbar», sagte der Richter.

Tote Wildtiere durch den Strassenverkehr oder durch das Mähen von Wiesen: Der Konflikt zwischen der Natur einerseits und dem Wirtschaften des Menschen andererseits führe leider immer wieder zum Tod von Tieren, führte er weiter aus. Zwar müsse man solche Schäden bestmöglich verhindern, dabei aber auch die Verhältnismässigkeit wahren. «Ein Stück weit müssen wir damit umgehen können», sagte der Gerichtspräsident.

Der Richter kritisiert das Strafverfahren

Als unverhältnismässig bewertete der Richter auch das Strafverfahren der Staatsanwaltschaft. «Der betriebene Aufwand wäre gescheiter direkt in den Tier- oder Naturschutz investiert worden.» Auch sei in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft nicht ausgeführt worden, welche weiteren Schutzmassnahmen denn hätten getroffen werden sollen – daher das Gutachten. Und die verlangte Geldstrafe und Busse von insgesamt 21'000 Franken bezeichnete das Gericht als «schwer nachvollziehbar» und «zu hoch gegriffen».

Der Beschuldigte hatte sich ohne Anwalt selber verteidigt. Anschaulich erklärte er dem Gericht, wie die Lüftungsfenster an den Seiten und auf den Dächern der Gewächshäuser funktionieren. Je nach Temperatur in den Häusern schliessen oder öffnen sie sich automatisch. Allerdings «sehr, sehr langsam», wie der Mann sagte. Für eine gesunde und damit geschwinde Katze sei das kein Problem. Er stellte infrage, ob die betroffenen Katzen wirklich gesund gewesen und von den Haltern auch genügend gepflegt und artgerecht gehalten worden seien. Diese Frage sei im Strafverfahren gar nicht abgeklärt worden. Und einen Stoppmechanismus einbauen, sobald das Kippfenster auf einen Widerstand stösst, das sei nicht möglich. Denn bei starkem Wind müssten die schweren Gewächshausfenster innert Kürze schliessen, sonst würden sie aus den Verankerungen gerissen und durchs Dorf geweht. 

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