Ist das Problem der invasiven Neophyten als solches zu spät bemerkt worden?

André Fellmann: Da kommt mir ein bekanntes Sprichwort in den Sinn: «Der beste Zeitpunkt einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren.» Es nützt nichts, zurückzuschauen. Wir müssen nach vorne blicken und mehr in die Aufklärung dieses Themas investieren. Es freut mich daher, dass momentan ein Umdenken stattfindet. Doch muss das auch bei den Kunden ankommen. Sie sollten sich bewusst sein, was sie wollen und welche Konsequenzen das mit sich bringt.

Muss also noch mehr investiert werden, um die Kunden zu erreichen?

Es braucht auf jeden Fall eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit. Eine Plattform wie die (G)Artenvielfalt-Ausstellung ist dazu optimal. Nebst der Fokussierung auf die einheimischen Pflanzen sollte ebenfalls auf die Nachhaltigkeit aufmerksam gemacht werden. Im heutigen Zeitgeist ist es leider üblich, dass man kaputte Gegenstände gleich wegwirft, anstatt sie zu reparieren. In diesem Bereich können wir alle noch etwas nachhaltiger leben.

Wen sehen Sie in der Pflicht, beim Thema invasive Neophyten zu handeln?

Auf jeden Fall die Gärtner. Jedoch haben wir in unserem Beruf nicht überall gleich viel Einfluss. Bei der direkten Arbeit mit dem Kunden können wir aktiv mitwirken, informieren und auf die Gestaltung Einfluss nehmen. Bei Aufträgen der Gemeinden gibt es oft Auflagen, die durch Landschaftsarchitekten vorgegeben sind. Dort können wir als ausführende Instanz nicht mehr viel ändern. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle in der Pflicht sehen, handeln zu müssen.

Reicht die Informationspflicht bei der Bekämpfung der invasiven Neophyten aus oder braucht es härtere Gesetze?

Es ist immer ein wenig schade, wenn Sachen über das Gesetz geregelt werden müssen. Aber eine gesetzliche Grundlage, dass invasive Neophyten weder gepflanzt, noch in Gartencentern verkauft werden dürfen, finde ich sinnvoll. Wir Gärtner müssen gleichzeitig die invasiven Neophyten in den Gärten der Kunden melden oder gleich entsorgen. Wenn das zusammen funktioniert, stellt es eine gute Grundlage dar.

Eine Alternative zu den invasiven Neophyten ist das Pfaffenhütchen. Was ist an dieser einheimischen Pflanze besonders?

Im Gegensatz zur unauffälligen Blüte bringt das Pfaffenhütchen im Herbst rosarote Beeren und orangefarbene Samen hervor, die intensiv leuchten. Das verleiht der Pflanze einen hohen Zierwert. Die Früchte sind für uns giftig, bei den Vögeln dafür umso beliebter.

Pfaffenhütchen werden im Herbst bunter.

Pfaffenhütchen werden im Herbst bunter.

Zudem profitieren auch Bienen, Ameisen und Fliegen von dem Wildgehölz. In unserem Garten wächst das Pfaffenhütchen als Baum und kann in dieser Form bis zu fünf Meter hoch werden. Es ist frostverträglich und gedeiht in der Sonne und im Schatten.

Was zeigen Sie sonst noch in Ihrem Garten?

Bei uns findet man verschiedene kleine Lebensräume, wie etwa ein Feuchtbiotop oder eine Waldfläche. Die Besucherinnen und Besucher sollen überall etwas entdecken können.