Sonntagsverkauf

In Dietikon und Schlieren bleiben die Läden an Heiligabend geschlossen

An Heiligabend wird es deutlich weniger Kauflustige geben — die meisten Geschäfte bleiben dann geschlossen.

An Heiligabend wird es deutlich weniger Kauflustige geben — die meisten Geschäfte bleiben dann geschlossen.

Das Gewerbe in Dietikon und Schlieren hat sich grösstenteils dazu entschieden, auf den Sonntagsverkauf an Heiligabend zu verzichten – trotz städtischer Bewilligung.

In der Adventszeit und an Weihnachten stehen längst nicht mehr nur Besinnlichkeit und Gemeinschaft zusammen mit der Familie und den Liebsten im Mittelpunkt. Viele Menschen strömen an den vorweihnachtlichen Sonntagsverkäufen in die Geschäfte. Der Höhepunkt der feierlichen Einkaufsflut gipfelt mit dem Sonntagsverkauf am vierten Advent, der dieses Jahr mit Heiligabend zusammenfällt.

Während viele Shoppingcenter an diesem Tag geöffnet haben, werden Last-Minute-Einkäufer in Dietikon und Schlieren hauptsächlich vor verschlossenen Türen stehen. Dies, obwohl beide Städte die jeweiligen Gesuche der Gewerbe- und Detaillistenvereinigungen ohne Widerrede bewilligten. «Wenn das lokale Gewerbe und die Vereinigung Zentrum Dietikon an diesem Tag einen Sonntagsverkauf durchführen möchten, dann genehmigen wir dies. Alles andere wäre absolut kontraproduktiv», sagt der Dietiker Stadtrat Heinz Illi (EVP) auf Anfrage.

Die Geschäfte im Limmattal hätten zudem mit den Städten Baden und Zürich grosse Konkurrenz und müssten daher die Möglichkeit haben, an einem solchen Tag ebenfalls ihre Läden zu öffnen, damit die Kunden nicht an einem anderen Ort einkaufen und das regionale Gewerbe so Umsatz verlieren würde, sagt Illi. Jedoch bewilligte die Stadt Zürich für den 24. Dezember keinen Sonntagsverkauf.

Ähnlich wie Illi sieht auch der Schlieremer Stadtrat Pierre Dalcher (SVP) das Thema Sonntagsverkauf: «Es ist nicht Sache der Politik, zu entscheiden, an welchen Sonntagen die Geschäfte geöffnet haben dürfen und an welchen nicht.» Die Stadt müsse sich bei der Bewilligung jedoch an kantonale Bestimmungen halten. So dürfen pro Jahr maximal vier Sonntagsverkäufe durchgeführt werden, keiner jedoch an einem hohen Feiertag und nie mehr als zwei in direkter Folge.

Erlaubnis ist nicht verbindlich

Auch nach Erteilung der Erlaubnis zum Sonntagsverkauf könnten Geschäfte immer noch selber entscheiden, ob sie dann auch wirklich geöffnet haben, sagt Dalcher. «Die Genehmigung ist ja nicht verbindlich. Auch wenn wir es erlauben, heisst es nicht, dass dies dann auch tatsächlich gemacht wird.» Viele Detailhändler würden hier auch Rücksicht auf ihre Angestellten nehmen und sich gegen die Ladenöffnung an Heiligabend entscheiden. Dies bestätigt auch Sabine Billeter, Leiterin der Geschäftsstelle Vereinigung Zentrum Dietikon: «Wir und zahlreiche Grossverteiler haben die Bewilligung für den 24. Dezember beantragt.» Jedoch hätten sich sämtliche Geschäfte im Stadtzentrum von Dietikon dann dazu entschieden, ihre Läden an Heiligabend nicht zu öffnen. Die Angestellten sollten die Möglichkeit haben, mit ihren Familien Weihnachten zu feiern. «Dieser Einstellung folgten auch die Migros und Coop, die beide ihre Niederlassungen in Dietikon geschlossen halten», sagt Billeter.

«Wo überall möglich sollen unsere Mitarbeitenden die Möglichkeit haben, die Feiertage in Ruhe mit ihren Lieben zu verbringen, so auch in Schlieren und Dietikon», sagt Migros-Mediensprecher Francesco Laratta. Nicht ganz so kulant gegenüber ihren Angestellten zeigen sich diverse Geschäfte und Autowerkstätte ausserhalb des Zentrums. «Diese haben auch an Heiligabend teilweise bis um 18 Uhr geöffnet», bestätigt Billeter. Gemäss ihrer Aussage haben auch die Denner-Filialen in Dietikon an Heiligabend geöffnet. Dem widerspricht Denner-Mediensprecher Thomas Kaderli jedoch. Zwar habe er kurzfristig nicht die vollständigen Informationen, nach seinen aktuellen Angaben seien am 24. Dezember jedoch alle Niederlassungen im Limmattal geschlossen, sagt er auf Anfrage.

Gesellschaftliches Problem

Dass die Ankündigung, Sonntagsverkäufe am 24. Dezember zu genehmigen, im ganzen Land bei Angestellten und Konsumenten für viel Unmut gesorgt hat, überrascht die beiden Sicherheitsvorstände. «Schaut man in das Register unseres Einwohneramts, zeigt sich, dass weniger als 50 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Religion angehören.» Die Zahl der Personen, die sich als religiös bezeichnen und in die Kirche gehen würden, sei nochmals tiefer. «Nun wollen am 24. Dezember – einem regulären Arbeitstag – alle Betroffenen, ob religiös oder nicht, nicht arbeiten», sagt Dalcher. Auch Illi sieht hier eine Diskrepanz. «Die Kirchen sind während des ganzen Jahres leer, für christliche Traditionen interessieren sich heute nicht mehr viele Menschen, aber an Heiligabend wollen alle frei.»

Die Ladenöffnungszeiten sehe er vielmehr als ein Problem der heutigen Gesellschaft als eines der Politik, so Illi. Denn trotz der angeblich besinnlichen Adventszeit würde die Bevölkerung massenhaft am Sonntag, einem eigentlichen Ruhetag, einkaufen. «Hier muss die Bevölkerung ihr Verhalten ändern, dann hätten die Geschäfte am Sonntag auch nicht geöffnet und fast niemand müsste an Heiligabend arbeiten.»

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