Thalwil

In der Nacht bleiben die Glocken der reformierten Kirche Thalwil still: Die ersten Schläge stören aber noch immer

Umstritten ist der Zeitpunkt des ersten Glockenschlags am Morgen. (Themenbild)

Die Diskussion über den Glockenschlag hält an: Seit Anfang August schlagen die Glocken der reformierten Kirche Thalwil nachts nicht mehr. Doch die Diskussion geht weiter, denn einigen Anwohnern lassen die Glocken keine Ruhe. Umstritten ist der Zeitpunkt des ersten Glockenschlags am Morgen.

Dieser erklingt um 6.15 Uhr, obwohl die Kirchenpflege im Frühling noch davon gesprochen hatte, das Läuten zwischen 22 und 7 Uhr einzustellen. Patrizia Salzmann, Anwohnerin und Anwältin, ist darüber «enttäuscht» und «irritiert», wie sie der Zeitung «Reformiert» sagte.

Die nächtlichen Stundenschläge der reformierten Kirche beschäftigen Thalwil seit längerer Zeit. Im Februar hat im Kirchgemeindehaus ein Podium mit Diskussion zum Thema stattgefunden, nachdem sich 130 Anwohner per Unterschrift gegen das nächtliche Läuten positioniert hatten. Initiantin der Unterschriftensammlung war Patrizia Salzmann. In einer für die Kirchenpflege nicht bindenden Abstimmung sprachen sich 36 Personen gegen den nächtlichen Glockenschlag aus, während ihn 49 beibehalten wollten.

Früher als versprochen?

Im Sinne eines «Akts der Nächstenliebe» entschied sich die Kirchenpflege im Mai dennoch, das nächtliche Läuten einzustellen und den 130 Anwohnerinnen und Anwohnern so entgegenzukommen. Mittels einer technischen Modifikation am mechanischen Uhrwerk liess sich das per August bewerkstelligen.

Um 6.15 Uhr ertönt nun jeweils der erste Viertelstundenschlag des Tages – drei viertel Stunden früher als von der Kirchenpflege angekündigt. Dass die Glocken bereits um 6.15 Uhr schlagen, ist für Salzmann und viele Mitunterzeichnende unverständlich; denn dies «grenzt an Wortbruch».

Die Kirchenpflege Thalwil bedauert in ihrer Stellungnahme das «Missverständnis». Auf Anfrage fügt sie hinzu: Der erste Stundenschlag sei stets auf 7 Uhr geplant gewesen, nicht der erste Viertelstundenschlag. Für das Missverständnis bitte sie die Bevölkerung «um Entschuldigung und Vergebung». Salzmann und viele Mitunterzeichner des Antrages sind sich hingegen im Unklaren, weshalb es überhaupt zur Vorverschiebung des ersten morgendlichen Glockenschlags gekommen ist. «Es war anders beantragt und von der Kirche versprochen», sagte die Anwältin.

Das Einsetzen des Viertelstundenschlags bereits ab 6.15 Uhr begründet die Kirchenpflege aufgrund einer «Erwägung verschiedenster Interessen»: Er diene den Thalwilerinnen und Thalwilern etwa als Signal, den Fussweg zum Bahnhof in Angriff zu nehmen oder die Kinder zu ermahnen, sich für die Schule bereitzumachen.

Es werden leisere Klöppel eingebaut

Die Kirchenpflege sei überzeugt, dass der erste Viertelstundenschlag niemandem wehtue. Ein solcher Entscheid liege in der Kompetenz der Kirchenpflege, die damit bestrebt gewesen sei, «erneut allen Seiten entgegenzukommen». Sie bitte die Bevölkerung, «rigoros einzulenken, sich zu versöhnen». Denn während sich die einen am nächtlichen Glockenschlag störten, empfanden ihn andere als beruhigend und vermissen ihn nun.

Wenn das Kirchengeläut, also das Morgen-, Mittag- und Abendläuten sowie das Ein- und Ausläuten, ab heute für eine Woche verstummt, hat dies einen anderen Grund: Die Kirchenpflege Thalwil lässt sämtliche alten Klöppel der fünf Glocken im reformierten Kirchturm abmontieren. Am 24. und 25. September würden diese dann durch neue, leichtere Exemplare ersetzt. Die Lärmdebatte habe das Auswechseln der Klöppel angestossen. Die neuen Klöppel würden harmonischere, abgedämpfte und somit leisere Klänge produzieren.

Auch wenn das Geläut für die Arbeiten unterbrochen wird, bleibt der Stundenschlag zu hören. Dieser wird nämlich durch einen Hammer erzeugt, der auf die Glocke auftrifft, und nicht durch die Klöppel.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1