Denkmalschutz

Höhere Kosten bei Schulhausumbau? Kantonsräte wehren sich gegen Denkmalpflege

Das Schulhaus Reppisch in Birmensdorf steht im Inventar der Denkmalschutzobjekte. Ein Abriss ist kein Thema mehr, sondern nur eine Sanierung.

Das Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung enthält viele Limmattaler Schulhäuser. Der Kantonsrat Andreas Geistlich (FDP) konfrontierte den Regierungsrat, denn es stört ihn, dass Umbauarbeiten erschwert werden können.

Die Limmattaler Schulen benötigen mehr Schulraum. Doch der Denkmalschutz schiebt ihnen einen Riegel vor. Denn viele Schulhäuser der Region stehen auf dem Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung. Damit sind sie zwar nicht geschützt, doch bei einem Umbau muss die Denkmalpflege miteinbezogen werden.

Nun schalteten sich die FDP-Kantonsräte Sonja Rueff-Frenkel und Angie Romero aus Zürich sowie Andreas Geistlich aus Schlieren ein. In einer Anfrage an den Regierungsrat des Kantons Zürich prangern sie an, dass es für Gemeinden eine grosse finanzielle Belastung sei, wenn die Denkmalpflege den Bau oder Umbau von Schulraum erschwere, verzögere oder verhindere.

Der Regierungsrat verteidigt die Inventarisierung und betont, dass die Planung und der Umbau inventarisierter Bauten von Experten der kantonalen Denkmalpflege kostenlos begleitet werden. Wird mit der Denkmalpflege kooperiert, könne man Kosten und Zeit sparen. Zudem sei dem Regierungsrat kein Fall bekannt, bei dem eine Gemeinde aufgrund des Denkmalschutzes über zu wenig Schulraum verfügt hätte.

Andreas Geistlich ist mit der Antwort des Regierungsrats nicht zufrieden: «Diese Antwort ist ein Witz. Es stimmt nicht, dass es kein Problem gibt.» Es sei für die Gemeinden viel teurer, wenn die Auflagen des Denkmalschutzes erfüllt werden müssen. Unter anderem brauche es für den Umbau Handwerker, die auf die Denkmalpflege spezialisiert sind. Und nicht jede Baumassnahme sei möglich. Deshalb überlege er sich, einen Folgevorstoss mit klaren Forderungen einzureichen. Damit ist er diese Woche schon der zweite Limmattaler Kantonsrat, der sich ein weiteres Vorgehen gegen die Denkmalpflege überlegt. André Bender (SVP, Oberengstringen) überlegt sich eine Motion. Er sagte, die Inventarisierung des Dietiker Minigolfparks sei ein Paradebeispiel dafür, wie es nicht laufen sollte.

Geistlich, Rueff-Frenkel und Romero kritisieren zudem, dass in vielen Gemeinden mehrere Schulhäuser aus derselben Epoche auf dem Inventar stehen. Im Limmattal ist dies in drei Gemeinden der Fall: Schlieren, Dietikon und Birmensdorf. Auf Anfrage der Limmattaler Zeitung erklärt die kantonale Baudirektion, dass Schulhäuser für das Gesamtbild einer Gemeinde von hoher Bedeutung sind. «Sie prägen den individuellen baulichen Charakter der Gemeinde oder von Ortsteilen einer Gemeinde», erklärt ein Sprecher.

Die Primarschulpflege wusste nichts von der Inventarisierung

Von der Inventarisierung betroffen ist unter anderem die Primarschule Birmensdorf. Denn das 60 Jahre alte Schulhaus Reppisch darf nicht abgerissen werden. «Schon vor vielen Jahren hätte das Gebäude saniert werden müssen», sagt Ernst Brand (SVP), Präsident der Primarschulpflege Birmensdorf. Deshalb plante die Schulpflege, das Schulhaus abzureissen und ein neues zu bauen. Dann erst wurde bekannt, dass das Gebäude auf dem Inventar steht. «Hätten wir das früher gewusst, hätte uns das einen grossen Aufwand erspart», sagt Brand. Die Gemeindeverwaltung werde zwar über die Inventarisierung informiert, nicht aber der Eigentümer.

Zwei Jahre lang liess die Primarschulpflege von Anwälten und Architekten prüfen, ob man das Gebäude nicht doch abreissen könnte und welche Alternativen man hätte. «Alle Experten waren sich einig, dass das Gebäude schutzwürdig ist», sagt Brand. Viele Schulhäuser aus dieser Epoche seien bereits zu einem früheren Zeitpunkt umgebaut worden. Da sich das Schulhaus Reppisch noch im Originalzustand befindet, sollte dieser so gut wie möglich bewahrt werden. Deshalb entschloss man sich dazu, das Schulhaus zu sanieren.

Zudem kann Brand die Aufregung über die kantonale Denkmalpflege nicht nachvollziehen. Er vermutet, dass der Aufschrei entstand, da in den letzten Jahren immer wieder das Thema Schulhausumbau und Denkmalpflege diskutiert wurde. «Auch ich war am Anfang skeptisch bezüglich der Denkmalpflege. Doch jetzt sehe ich es viel differenzierter.»

Die Sanierung des Schulhauses ist langfristig die beste Lösung

Solange das Schulhaus nur auf dem Inventar steht, nicht aber unter Denkmalschutz, sei auch eine Anpassung an heutige Standards möglich. Allerdings mit einigen Abstrichen. So dürfe etwa die Silhouette des Schulhauses Reppisch nicht verändert werden. «Um es für Rollstühle zugänglich zu machen, wird ein Lift in einen kleinen Lagerraum eingebaut», sagt Brand. In einem Trakt des Schulhauses könne allerdings nur das Untergeschoss behindertengerecht gestaltet werden, nicht aber das Obergeschoss. Die Kooperation mit der Denkmalpflege bringe aber auch Vorteile mit sich. Beispielsweise hätte man einen Neubau nicht mehr so nahe ans Wasser bauen dürfen.

Das Schulraumproblem hat die Primarschulpflege Birmensdorf mit dem Bau des Schulhauses Haldenacher gelöst. «Langfristig gesehen ist das die beste Lösung», sagt Brand. Mit der Sanierung des Schulhauses Reppisch kann noch nicht begonnen werden. Die Baubewilligung steht noch aus. Denn die Gemeinde hat vor kurzem Bedenken geäussert, da die Hauptfensterfronten nicht ausreichend isoliert werden dürfen. Das müsse die Gemeinde nun mit der Denkmalpflege klären.

Autor

Manuel Reisinger

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