Urdorf

Gemeinderat und Schulpflege: Gemeinsame Immobilien-Strategie «nicht mehr mehrheitsfähig»

Das Schulhaus Moosmatt soll ins Inventar des kantonalen Denkmalschutzes aufgenommen werden. Ein Grund, weshalb die Behörden ihre Pläne begraben.

Der Urdorfer Gemeinderat und die Schulpflege erarbeiteten in den vergangenen zweieinhalb Jahren auf Wunsch von verschiedenen Parteivertretern und Stimmberechtigten eine gemeinsame Immobilien-Strategie. Der Haken? Sie wird nicht umgesetzt.

Der Urdorfer Gemeinderat und die Schulpflege erarbeiteten in den vergangenen zweieinhalb Jahren auf Wunsch von verschiedenen Parteivertretern und Stimmberechtigten eine gemeinsame Immobilien-Strategie. Die Kollaboration sollte dazu dienen, die Immobilienkosten beider Güter zu senken, um die finanzielle Gesamtsituation zu optimieren und den Steuerfuss stabil zu halten. Nun ist die Arbeit daran abgeschlossen. Der Gemeinderat und die Schulpflege haben sich für eine Sparvariante entschieden, wie sie mitteilen. Der Haken ist nur, dass diese nicht umgesetzt wird.

«Da sich die Ausgangslage stark verändert hat, sind wir zum Schluss gekommen, dass die bevorzugte Variante nicht mehrheitsfähig ist. Daher werden wir auf die Weiterverfolgung verzichten», sagt Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP). Die beiden Behörden befürworten nämlich die Variante, die den Rückbau des Hallenbads und den Bau einer Zweifachturnhalle für 6,15 Millionen Franken vorsieht. Daneben standen fünf weitere Varianten zur Debatte, für die bis zu 19,55 Millionen Franken Nettoinvestitionen nötig gewesen wären. In Betracht gezogen wurde zudem der «Status quo», also das Weiterführen der bestehenden Infrastruktur, mit einem langfristigen Investitionsbedarf von 16,9 Millionen Franken. «Wir haben uns für die Variante Hallenbadrückbau entschieden, weil wir so auch im Hinblick auf die Betriebskosten dem Sparauftrag nachkommen können», sagt Rottensteiner. Zudem erfülle sie die Bedürfnisse der Schule und die Bedingungen für die Sportvereine blieben unverändert oder würden sich allenfalls leicht verbessern.

Verbundenheit mit Hallenbad

Zwischenzeitlich gab es jedoch diverse Entwicklungen im Dorf, die die Schulpflege und den Gemeinderat dazu bewogen, die Sparvariante infrage zu stellen. Dazu gehört etwa die Verbundenheit der Urdorferinnen und Urdorfer mit dem Hallenbad, der sie an der Schulgemeindeversammlung im Dezember 2018 Ausdruck verliehen. Die Stimmberechtigten nahmen damals den aus Spargründen gestrichenen Schwimmunterricht für Chindsgi-Kinder wieder ins Budget auf. «Die Bevölkerung hat uns auf diese Weise klargemacht, was für einen hohen Stellenwert das Hallenbad für sie hat», sagt Schulpräsidentin Irmgard Struchen (CVP). Man müsse den Willen der Urdorferinnen und Urdorfer respektieren.

Zum Entscheid der beiden Behörden trug auch die Arbeit einer privaten Gruppierung bei, die von sich aus eine selbstständige Immobilien-Strategie entwarf. «Mit umfassenden baulichen Massnahmen sowie Nettoinvestitionen von 23,9 Millionen Franken und wesentlich höheren Betriebskosten steht diese konträr zu unserem Sparauftrag», sagt Rottensteiner. Hinzu kommen die Pläne der kantonalen Denkmalpflege, diverse Gebäude in Urdorf in ihre Inventarliste aufzunehmen. Dazu gehören beispielsweise die Zentrumsanlage samt Hallenbad, Turnhalle, Liegewiese und Hartplatz sowie das Feuerwehrdepot und die Schulanlage Moosmatt. «Dadurch wird unser Handlungsspielraum in Bezug auf die Immobilien-Strategie signifikant eingeschränkt», sagt Rottensteiner. Ein weiterer Grund für den Verzicht auf die Umsetzung sind die geplanten oder bereits erstellten Sportinfrastruktur-Bauten in den umliegenden Gemeinden.

Die Schule und die Gemeinde gehen aufgrund all dieser Faktoren bezüglich Immobilien wieder getrennte Wege. Die notwendigen Investitionen werden individuell gemäss den bestehenden Planungen in Angriff genommen. Dabei werde man im Hinblick auf die Stabilität des Steuerfusses darauf achten, dass man Wünschbares von Notwendigem trenne, betont Rottensteiner. Bei der Schule steht unter anderem die Sanierung des Schulhauses an der Bahnhofstrasse für 1,9 Millionen Franken an. Mittagstisch und Gruppenräume wurden bereits im Rahmen des Schulraumprojekts 2010 realisiert. Der Gemeinderat wird mittelfristig die Sanierung des Hallenbads planen und das Freibad instandstellen müssen.

Hilfe in Zukunft

Dass die Arbeit an der gemeinsamen Immobilien-Strategie vergebens war, finden die beiden Präsidentinnen nicht. «Die Aufarbeitung war sehr wertvoll. Es war das erste Mal, dass die Schulgemeinde und die Politische Gemeinde so eng zusammengearbeitet haben», sagt Struchen. Dieser Meinung ist auch die Gemeindepräsidentin: «Die Arbeit war nicht umsonst. Sie hilft uns in Zukunft. Wir wissen, wo wir stehen.» Initiativen gemäss Gemeinderecht, die die Ideen von Schulpflege und Gemeinderat aufgreifen, seien jederzeit möglich.

Auch wenn die Behörden dieses Kapitel nun ad acta legen, wird vor allem die Sport- und Halleninfrastruktur in Urdorf weiterhin für Diskussionen sorgen. An der Gemeindeversammlung vom 12. Juni wird das Stimmvolk über die Initiative «Mehr Fussball-Trainings- und Spielmöglichkeiten, mehr Sporthallenkapazitäten für Vereine» befinden. Zudem will der Gemeinderat in Zusammenarbeit mit wesentlichen Akteuren mit dem Projekt «Hallenkoordination» eine optimierte Auslastung und bedürfnisgerechte Verteilung der Sportinfrastruktur auf dem ganzen Gemeindegebiet anstreben. Dabei setzt er unter anderem auf ein ganzheitliches Reservationssystem und eine möglichst einheitliche Tarifstruktur.

Autor

Sibylle Egloff

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