Auf dem Areal Gaswerk in Schlieren wird durch einen Anstoss des Vogelschutzvereins Schlieren für mehr Biodiversität gesorgt. Das Projekt läuft noch bis ins Jahr 2020. Erste Massnahmen konnten am Samstagmorgen erkundet werden.

Bereits bei der Begrüssungsrede zum zweistündigen Naturrundgang am Samstagmorgen, zu dem der Vogel- und Naturschutzverein Schwalbe Schlieren eingeladen hatte, waren die Pfeiflaute eines Turmfalken zu hören, der sich rechts vom Zifferblatt der grossen Uhr im Belltree Tower im Gaswerkareal eingenistet hatte. Noch bis ins Jahr 2020 dauert auf dem Gebiet ein Projekt an mit dem Ziel, die Artenvielfalt zu fördern. Der Kontrast zwischen Industrie und Natur wurde mit den ersten präsentierte Ergebnissen der Massnahmen den rund vierzig interessierten Personen auf eindrückliche Weise aufgezeigt.

Die Biologin und Projektleiterin Katrin Luder, Naturschutz und Artenförderung GmbH, präsentierte die ersten Massnahmen, die die Artenvielfalt zurückbringen sollten. Unterstützt wurde sie dabei spontan von der erst dreijährigen Besucherin Elisa, die besonders ein Auge auf die farbigen Bilder geworfen hatte. Auf dem Gebiet sollen sogenannte Ruderalflächen, die kaum mehr eine Vielfalt aufweisen und deren Böden sich durch Schotter auszeichnen, durch artenreiche Saatgutmischungen aufgewertet werden.

Um die Diversität einer Wiese als Laie zu erkennen, gibt es laut Luder eine einfache Regel: «Es riecht nach Wiese, sie ist farblich vielfältig und die Struktur ist von Unregelmässigkeiten geprägt.» Auch Nino Kuhn, ehemaliger Präsident des Vereins und damit Vorgänger der neuen Präsidentin Monica Laim, gab Auskunft: «Die Insekten sind wiederum als Nahrung für Vogelarten essenziell und die Böden weisen kaum Humusgehalt auf.»

Der Anstoss zum Projekt kam vom Vogel- und Naturschutzverein Schwalbe Schlieren, und ein grosser Dank für den Einsatz ging dabei an Richard Oesterreicher. Er präsentierte an diesem Morgen die neuen Nistplätze für Fledermäuse und Hornissen.

Danach ging es zum Prunkstück des Projekts, wie Luder es bezeichnete, bei dem ein alter verlandeter Weiher wieder zu einem vielfältigen Lebensraum für Libellen und diverse Amphibienarten umstrukturiert wurde: «Dieser liegt in einem unantastbaren Gebiet, was den Lebewesen und der Natur entgegenkommt», so Luder. Das Teuerste sei das Abtransportieren des Materials gewesen und das Aufwendigste die ganze Bürokratie hinter dem Vorhaben, denn der Boden sei mit Kohleresten aus vergangenen Zeiten der Industrie sowie durch die angrenzende Autobahn belastet.

Die Projektkosten wurden von den Städten Schlieren und Zürich, dem Vogel- und Naturschutzverein Schwalbe Schlieren sowie dem EWZ Naturemade Star-Fonds übernommen. Auch die Firma Erdgas Ostschweiz AG beteiligte sich an den Aufwertungsmassnahmen. Für die Informationen rund um das Erdgas auf dem Gelände gab Andreas Schwager, Leiter Transport Erdgas Ostschweiz AG, Auskunft: «Das Erdgas kommt aus Deutschland, Norwegen, Russland und Holland und die Chance, dass hier etwas passiert, ist mit einmal in zehn Millionen Jahren gering», wusste er zu beruhigen.

Werden die Orchideen blühen?

Es sei ein Glücksfall, dass dieser Stadtteil nicht Schlieren gehört, sondern der Stadt Zürich. Sonst wäre das Gebiet längst anders genutzt worden und das Naturjuwel verloren, sagte Pietro Wallnöfer, der sich ebenfalls im Naturschutzverein engagiert. Für ihn haben solche Rundgänge eine grosse Bedeutung, denn: «Man muss Gutes tun, aber wichtig ist auch, darüber zu reden und die Projekte öffentlich zugänglich zu machen». Der Vorteil bei diesem Projekt sei es, dass ein Verein dahinterstehe und nun ein Auge darauf habe, was in den Jahren entstehen wird, betonte Luder; denn die Ergebnisse einzelner Massnahmen werden sich erst in den kommenden Jahren zeigen – etwa, ob die neuen Orchideen gedeihen.