Uitikon

«Eine der besten Steinkrebspopulationen»: So haben Zivis den Chräbsbach revitalisiert

Ohne maschinelle Hilfe bearbeiteten Zivildienstleistende den Bach. Sie veränderten den Bachlauf und schufen Verstecke für Krebse und Amphibien.

Immer wieder bleiben Spaziergänger, die dem Chräbsbach in Uitikon entlanggehen, verwundert stehen. Der Bach sieht ungewohnt aus: Während er bis vor kurzem noch ein gerader Strom war, lassen sich nun Kurven und Ausbuchtungen finden und immer wieder scheinen Äste und Wurzeln den Bach zu verstopfen.

Tatsächlich sollen diese scheinbaren Hindernisse jedoch dem Bach dienen. Sie bieten Lebensraum und viele Verstecke für Krebse und Amphibien. In einem Pilotprojekt wurde der Chräbsbach sanft revitalisiert. Dies bedeutet, dass dafür keine Maschinen zum Einsatz kamen. Durch die Revitalisierung soll die Biodiversität gefördert werden.

Während den ersten beiden Septemberwochen bearbeiteten zehn bis zwölf Zivildienstleistende auf einer Länge von etwa 200 Metern den Bach. «Ursprünglich wären die Arbeiten auf einer Strecke von 100 Metern geplant gewesen, aber die Zivis waren produktiver als erwartet», sagt David Bodo, Leiter Tiefbau in Uitikon. Auch das Wetter habe mitgespielt.

Die Zivildienstleistenden schufen unter anderem die erwähnten Kurven und Ausbuchtungen, die den Wasserfluss drosseln sollen. Zudem legten sie Äste und Wurzeln ins Wasser und pflanzten entlang des Ufers einheimische Bäume und Sträucher mithilfe des Üdiker Natur- und Vogelschutzvereins Gartenrötel. Die Idee zur Revitalisierung stammte von Pascal Sieber von der Firma Sieber und Liechti, die sich mit Ökologie und Landschaftsplanung beschäftigt und das Projekt schliesslich leitete.

Eine Steinkrebspopulation, wie sie im Kanton selten ist

Im Chräbsbach, der in der Nähe des Üdiker Werkhofs liegt, hausten bei einer Erhebung des Urdorfers Urs Hilfiker 2018 mindestens 90 Flusskrebse, davon 26 Edelkrebse und 64 Steinkrebse. Letztere seien einst fast verschwunden gewesen in der Schweiz und daher nach wie vor ziemlich selten, sagt Bodo. «Im Chräbsbach lässt sich eine der besten Steinkrebspopulationen des Kantons finden.»

Zudem leben zahlreiche Forellen, die bis zu 20 Zentimeter Länge erreichen können, im Bach. Auch Frösche und andere Amphibien sowie viele Kleinstlebewesen lassen sich im Gewässer finden. «Man könnte meinen, dass die Äste, die nun im Chräbsbach liegen, den Forellen den Weg versperren», sagt Gemeinderat und Tiefbauvorstand Markus Stäheli. Für ihn müssen sich die positiven Auswirkungen der sanften Revitalisierung noch zeigen, er finde das Projekt aber grundsätzlich eine gute Sache.

Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) übernahm 60 Prozent der Kosten der Revitalisierung des Chräbsbachs mithilfe ihres naturemade star-Fonds. Auch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) beteiligte sich zu 30 Prozent am insgesamt 70000 Franken teuren Projekt. Der Gemeinde Uitikon blieben somit 10 Prozent zu zahlen. «Uitikon wäre vermutlich niemals auf die Idee dieser Revitalisierung gekommen», sagt Stäheli. Sie hätten sich als Versuchsgemeinde für das Projekt von Sieber und Liechti zur Verfügung gestellt. «Die Gemeinde errichtet seit Jahren bei Tiefbauprojekten Trennsysteme, damit mehr sauberes Wasser in die Gewässer wie den Chräbsbach geleitet wird. So gelangt weniger Wasser in die Kläranlage, was der Gemeinde weniger Kosten bereitet», ergänzt er.

Die Auswirkungen auf den Bach sind noch unklar

«Da es sich bei der Revitalisierung ohne maschinelle Hilfe um ein Pilotprojekt handelt, es also am Chräbsbach erstmals durchgeführt wurde, müssen wir uns selber überraschen lassen, wie sich die Änderungen nun auf den Bach auswirken», sagt Stäheli. Für Bodo ist klar: «Die sanfte Revitalisierung bedeutet eine gewässerökologische Aufwertung für den Chräbsbach.» Nun müsse man das erste Gewitter oder Hochwasser abwarten, um zu sehen, wie gut die Bauarbeiten diese überstehen, sagt er.

In drei sowie in sechs Jahren sollen Wirkungskontrollen durchgeführt werden, um zu überprüfen, wie sich die Änderungen auf den Chräbsbach auswirken. «Eines unserer Ziele ist es, andere Gemeinden zu Revitalisierungen ohne maschinelle Hilfe und somit mit einem geringen ökologischen Fussabdruck zu inspirieren», sagt Bodo.

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