Mein Ding: Tanzen

Diese Spanierin tanzte auf den grossen Bühnen in Europa – nun unterrichtet sie in Schlieren

Graciela Martinez tanzt schon ihr ganzes Leben.

Graciela Martinez tanzt schon ihr ganzes Leben.

Graciela Martinez erzählt von ihrer bereits früh entfachten Leidenschaft im Tanzen, dem vorzeitigen Ende ihrer Karriere und ihren Plänen von einer eigenen Tanzschule im Limmattal.

«Es gab schon Momente, da dachte ich: Komm jetzt raus, ich will mich bewegen!», sagt Graciela Martinez und lacht. Dass es ihr während ihren beiden Schwangerschaften schwierig fiel, auf das Tanzen zu verzichten, ist kaum verwunderlich. Bei der Spanierin dreht sich alles um das Tanzen. Bereits mit drei Jahren wurde sie von ihrer Mutter zum Unterricht angemeldet. «Auch wenn ich in meinen Teenagerjahren manchmal lieber mit meinen Freunden Zeit verbracht hätte, als jeden Abend zu trainieren, bin ich meiner Mutter für ihre Unterstützung dankbar.» Mit der bestandenen Aufnahmeprüfung an der Royal School of Dance in Madrid wurde ihre Liebe zum Tanzen dann endgültig entfacht. Mit 19 Jahren begann ihre professionelle Karriere am English National Ballet in London. Es folgten weitere Engagements in ganz Europa. Unter anderem tanzte sie in Leipzig, Basel, an der Opéra de Nice, mit der italienischen Kompanie Aterballetto sowie am Staatstheater am Gärtnerplatz in München. Dort beendete sie ihre Karriere, nachdem sie ihr erstes Kind zur Welt gebracht hatte. «Ein Jahr nach der Geburt begann ich zwar wieder mit der Ballettkompanie in München zu tanzen, merkte aber schnell, dass es zeitlich sehr schwierig wurde», sagt die 36-Jährige. Sie und ihr Mann tanzten damals beide professionell und hatten oft jeden Abend Auftritte. Mehr Zeit für das eigene Kind zu haben, tröstete so über das Ende der Karriere hinweg.

Kreieren statt ausführen

Bald zwei Jahre lebt die Familie nun in der Schweiz. Gerade kürzlich sind sie von Schlieren nach Wettingen gezogen. «Mir gefällt vor allem die Nähe zur Natur. Wenn ich aus dem Fenster blicke, sehe ich die Berge. Als ich noch in Madrid gelebt habe, mussten wir mit dem Auto 30 Minuten fahren, um in der Natur zu sein.» In das Limmattal zog es sie auch wegen der Tanzkompanie Picardo in Schlieren, in dem das Ehepaar als Tanzlehrer und Choreografen arbeiten. Damit erfüllte sich auch ein Wunsch, der schon länger in Martinez schlummerte: endlich einmal etwas zu kreieren und nicht nur auszuführen. Beim Tanzen in Kompanien blieb dafür überhaupt keine Zeit. Ein wenig wehmütig schaut die Spanierin dennoch auf ihre Zeit als professionelle Tänzerin zurück. «Was ich vermisse, ist die Atmosphäre, die entsteht, wenn man jeden Tag mit seinen Kollegen trainiert, auf Tournee geht und fast jede Minute miteinander verbringt. Es war wie eine Familie», meint Martinez.

Es braucht Unterstützung

Seit acht Monaten besteht ihre jetzige Familie neu aus vier Mitgliedern. «Strenger ist es schon geworden, aber mit ein wenig Organisation klappt es recht gut», sagt Martinez. Da Tanzunterricht meist am Abend ist, nimmt sie die Kinder manchmal auch in das Tanzstudio mit. Das funktioniere ausgezeichnet, denn die Musik habe eine beruhigende Wirkung auf sie. Damit wolle sie ihre Kinder aber nicht dazu drängen, selbst mit dem Tanzen zu beginnen. «Natürlich fände ich es schön, wenn sie sich für eine tänzerische Karriere entscheiden würden. Aber das Interesse muss von ihnen selbst kommen. Wir werden sie dann unterstützen.» Welche Unterstützung dafür nötig ist, das wissen sowohl Martinez als auch ihr Mann. Die physische und psychische Belastung in diesem Beruf sei enorm. Deshalb ist es wichtig, auf seinen Körper acht zu geben und ein verständnisvolles Umfeld zu haben. «Zusätzlich ist es von Vorteil, wenn man einen Plan für die Zeit nach der Karriere hat. Denn die wenigsten tanzen professionell bis ins hohe Alter», fügt Martinez an.

Einen Plan für die Zukunft haben Graciela Martinez und ihr Mann. Neben dem Gestalten von Choreografien wollen die beiden eine eigene Tanzschule eröffnen. «Am liebsten hier im Limmattal.»

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