Aesch

Die Vögel haben einen grossen Freund verloren

Joe Scherrer hatte auch selber Land gekauft, um eine Hecke zu erstellen.

Joe Scherrer war rund 40 Jahre lang Mitglied im Natur- und Vogelschutzverein. Bei der diesjährigen Frühlingsexkursion konnte er nicht mehr dabei sein. Ein Nachruf.

Joe Scherrer interessierte sich schon als Jugendlicher für die Vögel und ihre Lebensräume. Je mehr diese eingeschränkt wurden, desto wichtiger wurde die Pflege geeigneter Überlebensinseln. 1978, kurz nach dem Umzug nach Aesch, trat er deshalb dem Natur- und Vogelschutzverein «Lerche» Aesch bei. 1979 wurde er als Kassier in den Vorstand gewählt.

Zu dieser Zeit bestand der Vereinsvorstand aus mehreren sehr engagierten Vogelkennern, die sich intensiv für den Erhalt der verbleibenden Naturstandorte und gegen die Gleichgültigkeit rundum einsetzten. Die Gemeinde war stark gewachsen, die Landwirtschaft wurde intensiviert.

1980 schloss Joe den Exkursionsleiterkurs erfolgreich ab. Jährlich wurden die Aescher Vogelarten erfasst, doch leider fand zum Beispiel die Lerche bald keinen Brutplatz mehr in den intensiv gemähten Wiesen und Feldern. Später beteiligte sich Joe an den Brutvogelzählungen von Birdlife Zürich und Birdlife Schweiz. Wer irgendeine Frage zu Vögeln hatte, fragte Joe und bekam umfassend Auskunft.

Nach einem vierjährigen Unterbruch brauchte es ihn ab 1990 wieder intensiv im Vorstand des Vereins. 1989 waren wenigstens drei Naturflecken in Aesch geschützt. Es wartete Pflegearbeit. An diversen Stellen in der Gemeinde wurden zudem Hecken gepflanzt und der Verein erreichte seine grösste Blüte. Für seine eigene Hecke mit vielen Dornbüschen kaufte Joe ein geeignetes Stück Land im Gebiet Horn/Isenried, das mit neu gepflanzten Hochstamm-Obstbäumen abgerundet wurde, denn die typischen Baumgärten sind beinahe verschwunden. Ein Neuntöterpaar und viele weitere Vögel dankten es ihm durch ihre jährliche Rückkehr dahin.

Vogelparadiese weit weg im Ausland lockten Joe nach Polen, Spanien und weiter – dort gab es noch unberührte Natur. Besonders nach der Pensionierung war er sozusagen täglich auf Vogelpirsch und wusste jeweils, wo wer gerade brütete.

Bis vor kurzer Zeit war Joe die Ansprechperson bezüglich Vögel und Natur. Er leitete jährlich die Aescher Exkursionen. Vor zwei Jahren regte er die Schaffung eines Unkentümpels im Wald an, nachdem er beim Joggen und Velofahren – seine weiteren Leidenschaften – die Tümpel zwischen Arni und Lieli entdeckt hatte. Alles ist nun dazu bereit. Leider hatte der Krebs Joe zur diesjährigen Frühlingsexkursion schon so geschwächt, dass er passen musste.

Wir danken Joe für seinen unermüdlichen Einsatz für die Aescher Natur, behalten ihn in guter Erinnerung und versuchen, auch ohne ihn weiterzukommen – der Natur zuliebe.

*Peter Bretscher ist Präsident des Aescher Natur- und Vogelschutzvereins «Lerche».

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