Oberengstringen

Der Schuss ins Schwarze: Hier kann jeder die Armbrust kennenlernen

Die Armbrustschützen Oberengstringen luden zum jährlichen Volks- und Feuerwehrschiessen ein udn es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Auch unser Journalist Sven Hoti versuchte sich als Schütze.

Ich wage den Versuch. «Hast du schon einmal geschossen?», fragt mich Schützenmeister Michel Bloch. Beim Schützenverein sind alle per Du. «Noch nie. Nicht einmal mit einem Sturmgewehr», antwortet meine militärunerfahrene Wenigkeit. Bloch reicht mir die Armbrust. Gott sei Dank kann ich das rund sechseinhalb Kilo schwere Sportgerät auf einer Stützvorrichtung auflegen. Ich schaue mir noch schnell die richtige Griffhaltung vom Nachbarn zwei Schiessstände neben mir ab. «Finger bitte erst auf den Abzug, wenn der Bolzen aufliegt», warnt mich Bloch.

Auf dem Abzug liegt ein Gewicht von 80 Gramm. Es braucht wenig, um ihn auszulösen. Bloch spannt die Armbrust mithilfe einer speziellen Spannhilfe und legt den Bolzen auf. Danach gibt er mir die Schussfreigabe. Mein Blick schweift nervös zwischen der an der Armbrust befestigten Wasserwaage und dem Visier. Ich halte den Atem an. «Pong!» Blitzschnell rauscht der Bolzen auf die 30 Meter entfernte Zielscheibe zu. Immerhin: Scheibe getroffen.
Ich bin nicht der einzige Neuling, der sich am Donnerstagabend zum Armbrustschützenhaus zwischen den Hölzern in Oberengstringen begeben hat. Elisabeth Feindegen aus Zollikon ist mit einer Gruppe Bekannter gekommen. Ein Kollege, der selber schiesst und im Schützenverein tätig ist, habe sie auf den Anlass aufmerksam gemacht. Sie sei zufrieden mit ihrer Entscheidung hierher zu kommen, und könne sich gut vorstellen, im nächsten Jahr wiederzukommen.

Verein bräuchte dringend einige Neuzugänge

Es herrscht ausgelassene Stimmung im Armbrustschützenhaus. Immer mehr Leute bahnen sich den Weg vorbei am kleinen Gästestübli ins Hintere des Gebäudes, wo die Schiessstände sind. Die meisten kennen sich bereits. Das liegt unter anderem daran, dass – wie jedes Jahr – auch die Limmattaler Feuerwehren mitmachen und sich gegenseitig messen.
Trotz Wettbewerb steht jedoch der Spass im Vordergrund. «Schlussendlich sind wir alle hier zum Plausch», erklärt der Unterengstringer Ralph Pfister, der seit gut 15 Jahren regelmässig am Volks- und Feuerwehrschiessen teilnimmt.

Und dass die Männer, die an diesem Donnerstag stark in der Überzahl sind, Freude haben, steht ausser Frage. Im Hintergrund plagen den Verein jedoch Sorgen. Sorgen um fehlende Neuzugänge, vor allem bei den Jungen. Das Alter im Verein bewegt sich momentan zwischen 55 und 80 Jahren. Die letzten Jungen verliessen den Verein vor wenigen Jahren. Seit einem Jahrzehnt habe es keine dauerhaften Neuzugänge mehr gegeben – trotz des Volksschiessens, sagt Präsident Peter Gloor. «Mitgliedermässig sind wir bald am Minimum.» Mit momentan sieben Aktivmitgliedern besitzen sie genau eine Person mehr als nötig ist, um eine Sektion in der Liga zu stellen. Der Sport sei einfach zu wenig attraktiv für die heutige Jugend, meint Gloor. Die vom Kanton durchgeführten Schnupperkurse im Armbrustschiessen findet er deshalb auch gar nicht schlecht. «Man muss alles probieren.»

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