Bildung
Den Auftakt machte ein «Stromausfall»: Schule Uitikon startet vierjähriges Klimaprogramm

Wie geht Schulunterricht ohne Elektrizität? Lehrpersonen und Lernende haben sich am Dienstag dieser Herausforderung gestellt – fürs Klima.

Sven Hoti
Drucken
Teilen
Als die Schülerinnen und Schüler am Dienstagmorgen in den Schulen eintrafen, war der Strom bereits aus.
6 Bilder
Wenn der Strom ausfällt, dann helfen nur noch Kerzen – wie hier im Schulhaus Rietwis.
Ungewohnte Situation: Die Lernenden und die Lehrkräfte bestritten den Unterricht ganz ohne elektrische Hilfsmittel.
Der «Blackout-Day» war der Auftakt der vierjährigen «Klimaschule» der Klimaschutzorganisation My Blue Planet.
Faszination Licht: Nicht immer braucht es dafür Strom aus der Steckdose.
Die Kerzenlichter sorgten ganz nebenbei auch für eine weihnachtliche Atmosphäre, etwa in Form einer Laterne.

Als die Schülerinnen und Schüler am Dienstagmorgen in den Schulen eintrafen, war der Strom bereits aus.

zvg

Das Licht war bereits aus, als die ersten Schülerinnen und Schüler am Dienstag um 7.10 Uhr ihre Schulhäuser betraten. Brennende Fackeln und Kerzen wiesen den Weg ins Klassenzimmer. Eine ungewohnte Situation für die rund 460 Schülerinnen und Schüler der Uitiker Schulhäuser Mettlen, Schwerzgrueb und Rietwis. Hatte man sich doch daran gewöhnt, dass es per Knopfdruck hell wird.

Genau darum ging es beim «Blackout Day» an der Schule Uitikon. Der Aktionstag, organisiert von der Klimaschutzor­ganisation My Blue Planet, sollte den Kindergarten- bis Sekschülern bewusst machen, «wie selbstverständlich wir mit Elektrizität leben. Ziel war, direkte Betroffenheit zu schaffen und einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen kennen und schätzen zu lernen», schreibt Ronja Karpf in einer Mitteilung. Sie ist die Kommunikationsverantwortliche der Winterthurer Organisation und hat den Aktionstag in Uitikon begleitet.

Die Aktion dürfte den ­Lehrpersonen, die im Vorfeld darüber informiert wurden, einiges an Kreativität abverlangt haben. Ein Alternativprogramm musste her, das ohne Strom und somit ohne technische Hilfsmittel funktionierte. So mussten die Zweitklässler etwa auf Wimmelbildern alle Gegenstände suchen, die Strom benötigen. Die Sekundarklassen wiederum befassten sich mit der Stromerzeugung anderer Länder. Um 11 Uhr klärte die Klimaschutzorganisation die Schülerinnen und Schüler per Videobotschaft schliesslich über den simulierten Stromausfall auf.

Klimamodule werden in den Unterricht integriert

Der «Blackout Day» bildete den Auftakt für das vierjährige Bildungs- und Klimaschutzprogramm «Klimaschule» von My Blue Planet. Die Schule Uitikon hat während des Programms Zugriff auf diverse Bildungs­inhalte zu den Themenbereichen Klimaschutz und Nach­haltigkeit. Neben entsprechendem Unterrichtsmaterial stehen auch Workshops, Schulbesuche und Exkursionen zur Auswahl. Für jedes Schulfach gibt es Klimamodule, die in den Regelunterricht integriert werden können. Umgesetzt wird das Programm von der Schule selbst. «Wir stehen beratend sowie begleitend zur Seite und übernehmen die gesamte Projektabwicklung und Organisation», sagt Sprecherin Karpf.

Im Fokus des Bildungsprogramms stehen Oberstufenschulen, aber auch Kindergärten wie an der Schule Uitikon machen mit. Mit dem Programm wolle man bei den jungen Leuten zu langfristigen Verhaltensänderungen beitragen, sagt Karpf. «Die Themen sollen schon am Familienesstisch Platz finden.»

Schule Uitikon mit Vorreiterrolle im Limmattal

Über 30 Bildungseinrichtungen haben die «Klimaschule» schon abgeschlossen oder stecken mittendrin. Die Schule Uitikon ist bisher die einzige aus dem Limmattal. Eveline Mathis, Schulleiterin des Schulhauses Rietwis, zeigt sich zufrieden mit dem Auftakt am Dienstag: «Es war ein spannender Erlebnistag für uns alle. Ein Tag, der vom grossen Einsatz der Lehrpersonen und der Neugierde seitens der Lernenden geprägt war.» Der «Blackout Day» habe es den drei Schulhäusern erlaubt, das vierjährige Bildungsprogramm als Gesamtteam in Angriff zu nehmen.

An einem nächsten Projekttag werden die Uitiker Schülerinnen und Schüler laut Mathis dann selber aktiv und prüfen, wie die Schulhausumgebung aufgewertet werden kann. ­Parallel dazu will die Schule einen Klimarat gründen, wie die Schulleiterin verrät. «Damit erhalten die Lernenden und alle an der Schule involvierten Personen ein Mitspracherecht und können bei der Umsetzung des weiteren Programms mitbestimmen.»