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Das Schloss Teufen gehört nun der Bank – ist aber weiterhin zu haben

Noch kein potenter Schlossherr in Sicht für das Neue Schloss Teufen. Keystone

Noch kein potenter Schlossherr in Sicht für das Neue Schloss Teufen. Keystone

Das Neue Schloss Teufen hat einen neuen Besitzer: Die Bank des letzten Schlossherrn, Roland von Sayn-Wittgenstein, hat für 6,215 Millionen Franken selber zugeschlagen.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen manchmal weit auseinander. 12,2 Millionen Gesamtwert, so lautete die Schätzung für das Neue Schloss Teufen. Genauso hoch dürften wohl auch die Ansprüche in den Köpfen der Gläubiger des Schlossherrn von Neu Teufen gewesen sein. Bei nur gerade einer Million Franken lag das erste und einzige Angebot, das nicht von der neuen Besitzerin einging. Der Zuschlagpreis – und damit so etwas wie die Marktrealität – lag schliesslich bei 6,215 Millionen Franken. Zu diesem Preis bekam die Rechtsvertreterin der Bank J. Safra Sarasin AG die 12-Zimmer-Schlossvilla zugesprochen.

Über fast genau diesen Betrag waren im öffentlich einsehbaren Lastenverzeichnis Forderungen ebendieser Bank gegenüber dem Schuldner und aktuellen Schlossbewohner Roland von SaynWittgenstein verzeichnet. Dass die Gläubigerbank demnach einem Schnäppchenjäger nicht tatenlos zuschauen würde, war erwartet worden.

Schnäppchenjäger chancenlos

Da die Gläubigerbank bei einem Verkauf unter dem eingeforderten Schuldenbetrag von rund 6,2 Millionen auf jeden Fall auf offenen Forderungen sitzen geblieben wäre, liess man weitere Schnäppchengebote wie die eine Million Franken des Thurgauer Privatmannes, der sich als Matthias Hiltebrand aus Hohentannen zu erkennen gab, schon gar nicht zu.

In der ersten Reihe sitzend, platzierte die Rechtsanwältin der Bank insgesamt drei Gebote: Zunächst 4 Millionen, dann erhöhte sie um noch eine Million, obwohl niemand reagiert hatte. Und zuletzt bot sie gar 6,215 Millionen, ebenfalls ohne dass jemand zuvor noch erhöht hatte. Wieso die eigenen Gebote ohne Not erhöht wurden, wollte niemand der diskreten Bankergruppe erklären. Nur so viel liessen sie durchblicken: Man sei nicht erpicht gewesen auf den Zuschlag, ihr Geldinstitut sei schliesslich keine Immobilienhandelsfirma. Dass die Bank zugegriffen hat, war quasi Notwehr, verbunden mit der Hoffnung, bald einen potenten Käufer zu finden, der für das über 4000 Quadratmeter grosse Anwesen mehr als die 6,215 Millionen Franken zahlt.

Für 6,2 Millionen war die Liegenschaft 2004 schon einmal im Internet ausgeschrieben. Zwischenzeitlich war ein grosser Wirbel um den deutschen Talkmaster Thomas Gottschalk entstanden, der auf dem Schloss einziehen wollte. Erst 2007 war es schliesslich an den letzten Besitzer, den deutschen Textilunternehmer Roland Fürst von Sayn-Wittgenstein übergegangen, der nun den Forderungen nach Rückzahlung seiner Schulden bei der Bank Safra Sarasin nicht nachkommen konnte, weshalb es zur Versteigerung gekommen ist.

Ungebetene «Gäste» auf Distanz

Ob und allenfalls wie lange Sayn-Wittgenstein auf dem Schloss bleiben kann, ist nicht klar. Noch ist jedenfalls kein anderer, potenterer Schlossherr in Sicht. Beat Kamm, Besitzer des Alten Schlosses und einziger Nachbar, wäre jedenfalls froh, wenn das Anwesen weiterhin bewohnt bliebe. So würden nämlich ungebetene «Gäste» auf Distanz bleiben und die historisch wertvolle Bausubstanz würde nicht verlottern.

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