Schweizer Luftwaffe.

Cyril Johner wird der neue Leader der PC-7-Staffel

Der 33-jährige Militärpilot Cyril Johner aus Urdorf wird nächstes Jahr Leader der PC-7-Kunstflugstaffel.

An einigen Arbeitstagen heisst er Turbo Cinque, seine Kollegen in Meiringen, Payerne, Emmen und Dübendorf nennen ihn Johnny, aber für seine Familie und seine Freunde in Urdorf ist er Cyril. Und als dieser kehrt er einmal wieder zurück in die Heimat, um seinen ersten öffentlichen Vortrag über seinen Arbeitsalltag als Mitglied der PC-7-Kunstflugstaffel zu halten. Ein früherer Physiklehrer seiner Kantonsschule Limmattal hat ihn darum gebeten. Wobei – was heisst bei diesem Beruf schon Alltag?

Im Tiefflug mit dem PC-7-Team mal eben nach Schottland fliegen, um dort mit acht Kameraden als Botschafter der Schweiz Dynamik und Präzision mit Flugfiguren wie «Flying Diamond», «Flirt» und «Tell» vorzuführen, als Fluglehrer angehende Militärpiloten auf dem Schulungsflugzeug PC-21 unterweisen und ausserdem seine Trainingsflüge mit den F/A-18-Kampfjets absolvieren – während unsereins im Büro sitzt und sich durch den zugemüllten E-Mail-Posteingang kämpft.

PC7-Team der Schweizer Luftwaffe:

Die Vertrauensfrage

Zu diesem Alltag gehört aber auch, dass kleinste Fehler oft tödlich enden. Fünf schwere Unfälle in nur drei Jahren machen der Luftwaffe zu schaffen. Zu den Unfalldetails will sich Cyril Johner, der ledig ist und in Kriens wohnt, nicht äussern (siehe Zweittext unten). Aber die Frage nach der Angst muss man stellen. «Angst habe ich nicht. Beim Briefing vor dem Flug werden immer auch Notsituationen angesprochen.» Sachliche Fliegersprache.

Erst auf Nachfrage zählt er Risiken auf: Vogelschlag, ein tiefer Trainingsstand am Saisonanfang, kritische Wettersituationen und der Worst Case des Formationsflugs, das Touchieren einer anderen Maschine. «Ich habe auch schon kritische Situationen erlebt», meint er und spricht von «heiklen Wechseln» und «turbulenter Luft mit mehr oder weniger Marge». Anscheinend nichts, was ihn aus der Ruhe gebracht hat. Wenn aber ein Unfall passiert, wie in den letzten vier Wochen gleich zwei Mal, gibt er gleich zu Hause durch, dass er wohlauf ist.

Und dann die Vertrauensfrage. Wie ist es, täglich sein Leben in die Hände anderer zu geben? Johner bestätigt, dass in der Luftwaffe das Vertrauensverhältnis untereinander speziell ist. Das erstreckt sich nicht nur auf die Piloten, sondern auch auf ihre Mechaniker. «Ich mache nie einen Walk-around. Bei der Übergabe bin ich sicher, dass mir mein Mechaniker die Maschine in flugtauglichem Zustand übergibt.» Beim Briefing mit den Check-Fragen werde ausserdem geklärt, ob jeder Pilot mental bereit sei. «Wir kennen uns so gut, dass wir beurteilen können, wie der andere drauf ist.» Johner vermittelt nicht den Hauch eines Zweifels. «Wir Militärpiloten sind verantwortungsvolle, risikobewusste Draufgänger.»

«Rauch finito, toc»

Im nächsten Jahr wird er noch mehr Verantwortung übernehmen. Dann wird «Turbo Cinque», so heisst seine Position im PC-7-Team, zum «Turbo Uno» und damit zum Leader der Staffel befördert, die ausschliesslich aus Berufs-F/A-18-Piloten besteht. Der Leader ist nicht nur der Hauptverantwortliche in der Luft, er liefert auch die ersten Referenzpunkte, auf die alle anderen im Team während des Flugs schauen. Teil des Teams sind auch die Kameraden am Funk, die die Kommandos geben. Der Bambini Code, eine Mischung aus Deutsch, Italienisch und Französisch, ist gewöhnungsbedürftig. Johner nennt ein Beispiel: «Rauch Achtung, toc» – und die Zuschauer sehen ein rauchendes Diesel-Öl-Gemisch, das den Figurenflug der Maschinen nachzeichnet und so die Dreidimensionalität der Figur besser nachvollziehbar macht. Genauso lange bis «Rauch finito, toc» durchgegeben wird.

Nebenher noch Recht studiert

Was macht jemand wie Cyril Johner, um abzuspannen, auf andere Gedanken zu kommen? Das was alle machen: Joggen, lesen, Klavierspielen, segeln, Freunde treffen – alles ganz normal so weit. Aber dann: Mit einem Freund im Kleinflugzeug die USA bereisen, auch um seine Flugstunden für den Kleinflugzeug-Flugschein zu absolvieren. Und: Jura studieren. In diesem Sommer hat er den Bachelor of Law abgeschlossen. Dafür konnte er sein Pensum während dreier Jahre auf 40 Prozent reduzieren. Dennoch sei es ein intensives, aber interessantes Jahr gewesen. Man glaubt man ihm das sofort. So hat er seine Karriere also auch jenseits des Cockpits schon im Blick. In neun Jahren wird er 42, dann ist üblicherweise Schluss mit der Fliegerei in einer Berufsstaffel. Sein Ziel dann: der Rechtsdienst der Luftwaffe und des VBS.

Wie viel sieht man bei 500 km/h?

Fragt man Johner, was ihm an seinem Beruf nicht so gefällt, nennt er den Zwang, so viel mobil sein zu müssen. «Wir Berufspiloten haben viele Aufgaben und sind deshalb viel unterwegs. Wir kennen nicht nur den Luftraum der Schweiz sehr gut, sondern auch die Schweizer Autobahnen.»

Mit dem PC-7-Team hat er in dieser Saison noch drei Vorführungen: bei den Airdays des «Verkehrshaus der Schweiz» in Luzern am 7./8. Oktober, der Ski-WM in St. Moritz vom 17. bis 19. Februar und beim FIS-Skirennen in Crans-Montana in der Folgewoche. Über Dietikons Stadtplatz ist seine Staffel in diesem Jahr auch schon geflogen, anlässlich der Feier zu 125 Jahren Stadtmusik. Ob Johner dort unten etwas wahrnimmt, ist eine Frage der Geschwindigkeit. «Bei 500 Stundenkilometern, 100 Meter über Grund sieht man viel. Jedoch nehme ich diese Eindrücke nur im peripheren Sehen war. Über die Schweiz zu fliegen ist nicht nur abwechslungsreich, sondern auch wunderschön. Ein echtes Privileg.»

Fliegt er von Dübendorf nach Emmen, kann er manchmal den Flugweg so wählen, dass er über das Limmattal fliegt. «Schliesslich bin ich Limmattaler durch und durch.» Dann kann es sein, dass er der Familie in Urdorf von seinem Überflug Bescheid gibt.

Preisfrage zum Schluss: Wie fangen die PC-7-Team-Piloten an, eine neue Figur zu üben? Rein in die Maschinen und einfach mal probieren? Natürlich nicht. Johner: «Wir machen das am Boden und gehen zu Fuss nach Kommandos die Figuren durch.» Man stelle sich vor, wie die neun Staffelpiloten in Formation über ein Feld stapfen ...

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