Für die meisten Diskussionen sorgte an der Gemeindeversammlung in Aesch ausgerechnet ein Birmensdorfer. Nach den offiziellen Traktanden informierte Gemeindepräsident Johann Jahn (Forum Aesch), dass sich die Aescher Behörden klar gegen die Einzelinitiative von Paul Flückiger positionieren. Diese will in Birmensdorf die Einheitsgemeinde einführen: die Primarschulgemeinde und die Sekundarschulgemeinde sollen aufgelöst werden und ihre Aufgaben an die politische Gemeinde übergehen.

Weil Birmensdorf und Aesch bei der Sekundarschule zusammenspannen, würde eine Annahme der Initiative das Aus der Kreisschulgemeinde bedeuten. Diese sei eine wichtige Basis der ebenbürtigen Zusammenarbeit beider Dörfer, sagte Jahn. Die seit vielen Jahren gut funktionierende Organisation solle man nicht einfach aufgeben. Zwar würden Aescher Schülerinnen und Schüler – etwa per Anschlussvertrag – voraussichtlich weiter die Sek Birmensdorf besuchen können. Doch die Stimmberechtigten verlören ihr demokratisches Mitspracherecht, so Jahn. Am 1. September stimmen beide Gemeinden an der Urne über die Erheblichkeit der Initiative ab. Dabei zählt das addierte Gesamtresultat beider Gemeinden. «Wir müssen uns in Birmensdorf einsetzen, sonst haben wir null Chancen», warf ein Votant ein. Jahn beschwichtigte, dass selbst in Birmensdorf nur die politische Gemeinde für die Fusion sei. Bei einer Annahme der Initiative muss innert 18 Monaten eine konkrete Umsetzungsvorlage ausgearbeitet werden, die dann erneut an die Urne kommt.

Zuvor symbolisierte das durch die offenen Fenster des Gemeindesaals Nassenmatt eindringende Vogelgezwitscher die Stimmung am Mittwochabend bestens. Es herrschte Harmonie, alle Geschäfte der Primarschulgemeinde und der politischen Gemeinde wurden einstimmig durchgewunken. Für Erheiterung sorgten die Stimmenzähler, denn es brauchte drei Anläufe, bis genau feststand, wer alles stimmberechtigt war. Schliesslich wurden 53 Stimmberechtigte gezählt zum Beginn der Primarschulgemeindeversammlung. Als beim Durchzählen vor den Geschäften der politischen Gemeinde die Zahl auf 52 fiel, ging erneut ein Lachen durch den Saal. Aber alles hatte seine Richtigkeit: Hauswart Martin Kaufmann bereitete vor der Tür schon den Apéro vor.

Auf der Agenda der Primarschulgemeinde stand nur die Jahresrechnung 2018. Bei einem Aufwand von 3,045 Millionen Franken und einem Ertrag von 3,022 Millionen Franken schliesst diese mit einem Minus von 22'500 Franken. Das im Gegensatz zum Budget um 323'000 Franken verbesserte Ergebnis ist laut Finanzvorstand Jürg Niederbacher (FDP) auf die um 184'000 Franken höheren Steuereinnahmen zurückzuführen. Das Fremdkapital konnte im vergangenen Jahr um 500'000 Franken auf 2,93 Millionen Franken gesenkt werden.

Tiefe Grundstückgewinnsteuern

Auch die politische Gemeinde präsentierte ihre Rechnung, die mit einem Aufwandüberschuss von 780'000 Franken schliesst. Der Aufwand betrug 5,835 Millionen Franken, der Ertrag 5,055 Millionen Franken. Das Ergebnis ist 885 000 Franken schlechter als budgetiert. Das hat zwei Gründe, wie Finanzvorstand Diego Bonato (SVP) erläuterte. Die Gemeinde nahm 2018 statt der budgetierten Million nur 356'000 Franken Grundstückgewinnsteuern ein. 2018 sind zwar laut Bonato auch viele Grundstücke verkauft worden. Deren Abrechnung verzögert sich allerdings. In den nächsten Jahren erwartet Bonato deshalb wieder deutlich höhere Einnahmen bei den Grundstückgewinnsteuern. Zudem musste eine notwendige Aussensanierung für 276'000 Franken wider Erwarten vollständig abgeschrieben werden. Zudem genehmigten die Stimmberechtigten die Kreditabrechnungen für den Neubau des Salzsilos für den Werkhof und die Neugestaltung der Lielistrasse.

Neues Salzsilo beim Werkhof Aesch

Neues Salzsilo beim Werkhof Aesch.

Neues Salzsilo beim Werkhof Aesch

Besonders interessant war die Versammlung für einen Gast: Seit der Belgier Bert Taeymans vor knapp einem Jahr mit seiner Familie nach Aesch gezogen ist, hat er jede Gemeindeversammlung besucht. Zwischendurch erklärten ihm alteingesessene Aescher Details zu den politischen Gepflogenheiten. Er habe sich früher nie vorstellen können, dass direkte Demokratie wirklich funktioniere, sagte Taeymans. «Doch seit ich in Aesch wohne, bin ich absolut begeistert davon.»