Betritt Stéphanie Santoro ihre gemütliche Wohnung mitten in Bülach, so sieht sie als Erstes ihre Tochter Andrina. Zwar hat die 26-Jährige ein eigenes Zuhause in Oerlikon, doch hier bei Mama laufen immer noch die Fäden ihres Lebens zusammen. Und so hat die Mutter im Flur Zeitungsausschnitte aufgehängt, die ihre Tochter im Abendkleid mit einer Rose in der Hand zeigen. «Ein bisschen stolz bin ich schon», sagt sie und lächelt. «Bachelorette» Andrina ist in Oberglatt aufgewachsen und besuchte später die Sekundarschule Worbiger in Rümlang.

Kaum jemand gibt zu, bei dieser Sendung von 3+ am Montagabend durchs mediale Schlüsselloch zu spähen. Doch die Einschaltquoten belegen das Gegenteil. Die «Werbewoche», das Schweizer Fachmagazin für Werbung, Medien und Marketing, bescheinigt der «Bachelorette» bei jeder Staffel aufs Neue die Herrschaft über den Montagabend. Besonders junge Frauen scheinen auf die Sendung abzufahren. Bei den 15- bis 24-Jährigen lag der Zuschaueranteil der «Bachelorette» 2018 bei 55 Prozent.

Konsequent und klug

Beim Wort Promi winkt die bodenständige Andrina ab. «Noch bummle ich unerkannt durch die Bülacher Altstadt», erklärt sie. Betonung auf «noch», denn bereits am Abend im Zürcher Lokal Kaufleuten wird es eng. «Alle umringen mich und wollen ein Autogramm», berichtet sie und verrät dann, dass sie noch gar keine Autogrammkarten habe. Dass sich die jungen Männer von ihr eine Signatur auch gerne auf den Bizeps kritzeln lassen – darüber schweigt sie sich aus.

Gerade serviert Stéphanie Santoro am Küchentisch schwarzen Kaffee, zeigt kurz eine Packung Kekse, aber versorgt diese nach einem Kopfschütteln der Tochter sogleich wieder im Schrank. Dann beginnt sie zu erzählen: «Vor ein paar Monaten bat mich Andrina mit ernstem Gesicht um ein Gespräch. Ich dachte, sie sei schwanger, unglücklich verliebt, wandere aus oder alle drei Sachen auf einmal.» Als Andrina dann gestand, dass sie das Rennen um die Teilnahme an «Die Bachelorette» gewonnen habe, musste sich die Mama erst einmal setzen. «Auch ich hatte Vorurteile und dachte: «Oh nein, muss das sein!», erzählt sie. «Der Gedanke, dass meine Tochter vor laufender Kamera, ziemlich spärlich bekleidet, jeden Montag einen anderen Mann küsst, war heftig. Andrina würde das sicher auch so empfinden, wenn ihre Mutter das täte», bemerkt sie.

Doch als sie in die vor Begeisterung strahlenden Augen ihrer Tochter geblickt habe, seien ihre Bedenken beseitigt gewesen. «Es ist ja wirklich so. Andrina war schon als Kind gerne auf der Bühne, tanzte Ballett und war später in einer Hip-Hop-Tanzgruppe.» Ausserdem sei Andrina klug genug, um die Situation einschätzen und am Boden bleiben zu können. «Sie hat mit der kaufmännischen Lehre auch gleichzeitig die Berufsmaturität gemacht. Wenn sie etwas will, ist sie konsequent. Ich vertraue ihr voll», erklärt sie.

Bloss kein Weichei

Wenn Andrina nicht gerade ihren Traummann sucht, ist sie auf Social Media aktiv. Ihr Account «andrinafit» hat auf Instagram bereits 290 000 Follower. Mindestens fünfmal pro Woche arbeitet die Unterländerin mit Fitness an ihrem Traumkörper.

Apropos Traum: Aus den 21 Bewerbern den Traummann zu finden, ist knifflig. Stéphanie Santoro lässt durchblicken: «Ein bisschen Macho, aber nicht zu viel und vor allem kein Weichei.» In der Startfolge überreichte Andrina die «Rose des ersten guten Eindrucks» an den Embracher Levin Schneider. Sie sagt: «Das war kein Unterländer-Bonus. Ich fand es einfach eine coole Aktion, als der ehemalige Kunstturner im Flickflack auf mich zukam.» Man wird sehen.