Mein Ding: Parkour

Arvo Losinger: «Im Sport sollte es nicht darum gehen, besser als der Teamkamerad zu sein»

In seinem Element: Arvo Losinger beim Überwinden eines Hindernisses.

In seinem Element: Arvo Losinger beim Überwinden eines Hindernisses.

Die einen wandern über Stock und Stein, Arvo Losinger (25) jedoch springt über Mauern, Autos und Geländer und stemmt sich an Gebäudefassaden hoch. Seit neun Jahren betreibt der gebürtige Berner, der seit zwei Jahren in Zürich wohnt, die Sportart Parkour, deren Ziel es ist, Hindernisse ausschliesslich mit der eigenen Körperkraft zu überwinden.

Mit damals 14 Jahren suchte Arvo Losinger (25) eine Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen, nachdem er viele Teamsportarten ausprobiert, daran jedoch nicht wirklich Freude gefunden hatte. «Teamsport war für mich immer mit einem Wettbewerb verbunden. Jeder wollte besser sein als der andere», sagt Losinger. Und dies habe ihm nie gefallen. Denn im Sport soll es nicht darum gehen, besser zu sein als die Teamkameraden, sondern darum, sich körperlich zu betätigen und daran auch Freude zu haben. Nach langem Suchen meldete er sich darauf hin bei ParkourOne an, wo es ihn, nachdem er ein Training besuchte, «erwischt hat», wie er sagt. «Ich wusste damals, dass dies das Richtige für mich ist.»

Als Coach tätig

Diese Freude, die er hat, gibt er seit gut zwei Jahren an andere Menschen weiter. «Nachdem ich nach Zürich gezogen bin, habe ich mich entschieden für ParkourOne Academy, wo ich als Coach tätig bin, eine eigene Klasse zu bilden.» Dort trainiert Losinger mit seinen 24 Schülern jeglichen Alters und Geschlechts wöchentlich Parkour.

Die Klasse, die er leitet, sei gut durchmischt. Mit ihm trainieren Mädchen und Knaben ab zwölf Jahren aber auch etwas älteren Menschen bis 36 Jahre. «Indem in meiner Klasse alle Altersgruppen zusammenarbeiten, entsteht eine sehr unterstützende Stimmung. Jeder hilft dem anderen und es entsteht untereinander kein Wettbewerb.» Denn beim Parkour betreibe man keinen Wettbewerb, sondern man bewege sich gemeinsam und lerne neue Techniken. Jeder könne das Risiko eingehen, das er für richtig halte. Keiner seiner Schüler müsse irgendeinen Sprung machen, den er nicht wolle.

Körperlich fordernd

Die gegenseitige Unterstützung brauche es auch, wie er sagt. Denn gerade zu Beginn sei Parkour sehr anstrengend und körperlich fordernd. «Es ist toll, dass man für Parkour keine Ausrüstung braucht, sondern gleich loslegen kann. Es geht nur um den eigenen Körper.» Daher können alle Menschen einen Parkour laufen, fast egal wie alt oder in welcher körperlichen Verfassung sie sind.

Jedoch hätten gerade Menschen, die sich sonst wenig bewegen würden, am Anfang oft etwas Mühe, würden sich aber sehr schnell daran gewöhnen. «Und dies lohnt sich auch. Sehe ich, wie sich meine Schüler freuen, wenn sie ein Hindernis überwunden haben, dann ist das etwas vom schönsten für mich.» Er wisse dann, dass er seine Aufgabe als Trainer gut mache.

Anschluss an Kindheit

«Dadurch, dass ich bei meiner Sportart hauptsächlich mit meinem eigenen Körper arbeite, lerne ich sehr viel Neues und weiss, wo meine Grenzen sind.» Dabei liege das Bewegen, das Überwinden von Hindernissen in der Natur des Menschen. «Dort wo die Kindheit aufhört, setzt der Parkour an und baut die Fähigkeiten weiter aus.» Und all dies geschehe auf sehr spielerisch lockere Art.

Losinger betrachten den Parkour aber nicht nur als Sportart, sondern auch als eine Art Kunst. Der Student, der an der Zürcher Hochschule der Künste Vermittlung von Kunst und Design studiert, kann so Ausbildung und Hobby gut miteinander verbinden. «Denn wie beim Parkour zählt auch in der Kunst nicht nur der Leistungsgedanken, sondern die persönliche Entwicklung.» Und diese sei nie abgeschlossen.

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