Es komme viel «Nifeliarbeit» auf sie zu, sagt Albert Wey. Der Kurator des Ortsmuseums Birmensdorf steht vor dem alten Wasserrad und deutet auf das Blech, an dem die hölzernen Wassertaschen angebracht sind. Das Eisenblech rostet, es ist stellenweise löchrig. «Da müssen wir nun vorsichtig die fast 150 Jahre alten Nieten lösen, um dann hinter den alten Teilen neue Abschnitte anzubringen», sagt Wey.

Einige der Blechteile haben er und die weiteren Mitglieder der Heimatkundlichen Vereinigung Birmensdorf bereits vorbereitet. Sie haben diese mit Rostfarbe bestrichen, um sie älter erscheinen zu lassen. Später wird sie Wey auch noch in die erforderliche leicht runde Form bringen, damit sie ins grosse Mühlenrad passen. Dies auf althergebrachte Art – er wird sie auf eine erhöhte Stelle legen und sich darauf stellen. «Da braucht es etwas Gefühl beim Balancieren und etwas Druck mit dem eigenen Gewicht an den richtigen Stellen, dann verformt sich das Blech wie gewünscht.»

Kulturgut von besonderer Bedeutung

Das Birmensdorfer Wasserrad mit seiner Eisenwelle wurde im Jahre 1878 ans Gebäude gebaut, in dem sich heute ein Teil des Ortsmuseums befindet. Es gilt als eines der ältesten seiner Art in der Schweiz. Bis 1956 nutzte Drechsler Wismer die Wasserkraft. Das Rad ist auch Teil der Mühle Birmensdorf, die bereits 1347 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Es handle sich beim Birmensdorfer Mühlenrad um ein Kulturgut von besonderer Bedeutung, sagt Wey deshalb.

Das Rad sowie die Transmissionen – die Riemengetriebe an der Decke der ehemaligen Drechslerei – haben sich bis vor einem Jahr bei Museumsführungen noch gedreht. Zu Demonstrationszwecken wurde es zwar nicht mehr von Wasser, sondern von einem Motor angetrieben. Doch auch so beeindruckte das Rad mit einem Durchmesser von 3,8 Metern die Besucher.

Das mittlerweile bald 150 Jahre alte oberschlächtige Mühlenrad, das sich einst neun- bis zehnmal in der Minute drehte und dabei eine Leistung von rund acht Kilowatt oder zehn PS erbrachte, droht nun aber auseinanderzufallen.

«Es ist zu instabil geworden, wir können es nicht mehr in Gang setzen», sagt der seit Jahrzehnten in der Heimatkundlichen Vereinigung aktive Bruno Hutter. Das Rad aus Eichen- und Lärchenholz ist teilweise morsch geworden. Die Holzverbindungen drohen auseinanderzufallen. «Wenn wir nichts tun, zerfällt das Wasserrad», sagt Hutter. Dies will die Heimatkundliche Vereinigung Birmensdorf verhindern.

Der Verein braucht Hilfe

Alleine schafft es der Verein aber nicht. Denn wie ein Fachgutachten zeigte, ist es mit einfachen Massnahmen nicht länger getan. So muss nun unter anderem dringend ein Drittel des Holzes ersetzt werden. Von den 30 Wassertaschen am Rad sind zwölf derart kaputt, dass sie vom Verein erneuert werden müssen. Insgesamt geht die Heimatkundliche Vereinigung davon aus, dass eine fachmännische Sanierung rund 68 000 Franken kosten wird.

Die Mitglieder des Vereins werden rund 1000 Arbeitsstunden aufwenden, um das Birmensdorfer Wasserrad zu retten, wie Wey erklärt. Diese und weitere Eigenleistungen lassen sich auf rund 21 000 Franken beziffern. Zudem hat die Denkmalpflege einen Beitrag in Höhe von rund 15 000 Franken in Aussicht gestellt. Damit verbleiben – insbesondere für die Anschaffung des Materials sowie die Beratung und Begleitung durch Fachpersonen – 32 000 Franken, die die Heimatkundliche Vereinigung auftreiben muss.

Der Verein hofft auf private Spenderinnen und Spender sowie auf Sponsoren. Am kommenden Samstag, wenn das Ortsmuseum wie jeden ersten Samstag im Monat seine Türen öffnet, wird das Wasserrad im Zentrum stehen. Ebenso am nächsten Museumstag am 5. Oktober. Die Heimatkundliche Vereinigung wird zudem auch am Birmensdorfer Herbschtmärt am 21. September mit einem Modell des Wasserrades präsent sein.

Das Mühlenrad ist eine Herzensangelegenheit

«Wir wollen die Bedeutung des Mühlenrads aufzeigen», sagt Wey. Und im Museum will er mit seinen Kollegen den Besucherinnen und Besuchern vorführen, wie es saniert werden soll. So wird am Samstag beispielsweise Holz gedämpft: Zweieinhalb Zentimeter dicke Holzlatten werden während zweieinhalb Stunden 100 Grad heissem Wasserdampf ausgesetzt. Danach sind sie biegbar; sie werden abgerundet, sodass sie später als neue Wassertaschen in das Wasserrad eingepasst werden können.

Dass sie sich an ein grosses Projekt heranwagen, ist den Vereinsmitgliedern bewusst. Wey rechnet damit, dass die Sanierung rund ein Jahr dauern wird. Zunächst steht nun aber die Sammelaktion an. Die Flyer mit Informationen sind gedruckt, ein Brief an mögliche Sponsoren wird vorbereitet. «Es wird nicht einfach, aber wir sind zuversichtlich, dass wir die Sanierung dank Spendern am Ende stemmen können», sagt Wey. Zuversichtlich macht ihn, dass bereits nach einem ersten kurzen Bericht in der Limmattaler Zeitung Anfragen eingegangen waren. Die ersten Reaktionen hätten gezeigt, dass den Birmensdorferinnen und Birmensdorfer das Mühlenrad am Herzen liege, sagt Wey.