Leserbeitrag
Reise der Landfrauen Fischbach-Göslikon

Marcel Siegrist
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Bilder zum Leserbeitrag

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iAm 17. Juni 2014 trafen sich 25 gut gelaunte Landfrauen um 7.00 Uhr beim Volg. Mit dem Car ging es trotz morgendlichem Berufsverkehr staufrei Richtung Mühleberg. Die Überraschung war perfekt, als wir während der Fahrt mit einer feinen Züpfe und Schoggistengeli verwöhnt wurden. Trotz kurzen Orientierungsschwächen unseres Chauffeurs, erreichten wir pünktlich das Kernkraftwerk Mühleberg.

Das Kernkraftwerk wurde 1972 in Betrieb genommen, beschäftigt heute rund 350 Mitarbeiter und produziert Strom für 400‘000 Menschen.

Für die geführte Besichtigung mussten sämtliche Handtaschen abgegeben werden, lediglich die ID durfte für die Sicherheitskontrolle mitgenommen werden. Zu Beginn wurde uns mit Hilfe eines Filmes die komplexen Abläufe im Innern des Kraftwerkes erklärt, wie die Kernspaltung und die Kettenreaktion funktionieren und angewendet werden. Anhand von Live-Experimenten wurde uns danach noch einmal gezeigt, wie aus dem Energiewunder Uran Strom gewonnen wird. Ganze 7g davon reichen aus, um einen Haushalt ein ganzes Jahr lang mit Strom zu versorgen. Ungefähr 40 Prozent des Schweizer Stromes wird heute mit Kernkraft erzeugt, etwa 55 Prozent mit Wasserkraft. Selbstverständlich rief auch das heikle Thema Zwischen- und Endlagerung so einige kritische Fragen hervor. Anschliessend wurde es spannend, da wir für die Führung durch das Gelände durch den Sicherheitscheck mussten. Strickt alphabetisch wurde jede Besucherin aufgerufen und durch den Scanner geschleust. Nach der anstrengenden Prozedur gab es als Belohnung ein Kaffee und Süssigkeiten. Frisch gestärkt ging es nun in zwei Gruppen aufgeteilt auf den Rundgang durchs Kraftwerk. Wir erhielten einen Einblick in die Maschinenhalle und via Live-Cam in das Reaktorgebäude. Da das Original wegen Bauarbeiten nicht zugänglich war, konnten wir leider nur eine getreue Nachbildung des Kommandoraumes bestaunen. Vollgepackt mit vielen Eindrücken verabschiedeten wir uns nach dem Gruppenfoto von unseren kompetenten Führerinnen.

Eine kurze Fahrt brachte uns in die Bundeshauptstadt Bern. Nachdem unser Car in den engen Quartierstrassen Berns steckenblieb, liefen wir die restlichen Meter zu Fuss ins denkmalgeschützte Riegelgebäude des Ristorante Casa, direkt an der Aareschwelle. Wir genossen ein feines Mittagessen mit Rucola-Salat, Pouletbrust an einer Marsalasauce mit Zucchini-Risotto und einer Torta al Limone. Der anschliessend kurze Verdauungsspaziergang entlang der Aare zum Bärengraben tat gut. Beim Läuferplatz erwartete uns bereits Peter Hafen für eine Führung durch das Mattenquartier von Bern. Er setzt sich für die alten Sprachen der Matte, das Matteänglisch und den Mattedialekt, ein. Seit neun Jahren ist er der Präsident des MÄC, wie sich der Matteänglisch-Club abgekürzt nennt und organisiert Vorträge und Kurse. Wir erfuhren viel Wissenswertes über dieses legendäre Quartier. So zeigte uns Herr Hafen zum Beispiel, wo der Maler Ferdinand Hodler von 1862 bis 1865 in der Matte zur Schule ging und wo früher die Wäsche erledigt wurde – nämlich im Wöschhüsi am Mattebach. Der italienische Schriftsteller und Abenteurer Giacomo Casanova vergnügte sich im 1760 gerne in den Badehäuser von der Matte und im 2005 musste das Mattequartier wegen Hochwasser der Aare zwangsgeräumt werden. Am Schluss wusste jede Zuhörerin, wo der Schatz eben nicht begraben ist und was ein Ligu Lehm im Mattedialekt heisst. Herr Hafen’s Erzählfreude war so gross, dass wir beinahe um unsere freie Zeit in Bern zittern mussten.

Unterhalb der eindrucksvollen Südfassade des Von-Wattenwyl Hauses verabschiedeten wir uns schliesslich von ihm und seiner grossen Leidenschaft, dem Mattequartier.

Ein paar Frauen nahmen die 183 Holzstufen, der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Mattentreppe, wacker in Angriff und warteten danach auf die restlichen Frauen, welche die 31 Höhenmeter lieber mit Hilfe des Liftboys vom Mattenlift bewältigten und sich bequem zur Münsterplattform transportieren liessen. Die verbleibende Aufenthaltszeit in Bern genossen wir mit Flanieren durch die schmucken Lauben, mit Bestaunen der imposanten Sandsteinfassaden bei einem Kaffee oder Bier oder mit einem kurzen Shopping-Trip in der Altstadt. Zufrieden kamen wir gegen 19.00 Uhr in Fi-Gö an, wo wir den Abend bei einem feinen Essen in der Pizzeria Reussthal gemütlich ausklingen liessen.

Wir durften eine unterhaltsame, informative und stressfreie Reise geniessen.

Karin Matz

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