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Rebbergtag in Würenlingen

Lino Burkard
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Rebbergtag in Würenlingen

Würenlingen (lb) Die Weinbaugenossenschaft führte ihr alljährliches Fest auf dem Eichhof in Würenlingen durch. Brigitte und Toni Bächli freuten sich gemeinsam mit den Veranstaltern über das prächtige Sommerwetter und den regen Besuch.

Rebumgang

Unter der kundigen Führung von Peter Rey, Rebbaukommissär des Kantons Aargau, nahmen gut 30 Weinfreunde den Umgang in Angriff. Drei Posten hatte Peter Rey ausgesteckt. Beim ersten Halt hielt er Rückschau auf das bisherige Rebjahr. Leider wusste er nicht nur Gutes zu berichten. Der Winterfrost mit bis zu 17.5° minus setzte den Reben arg zu. Teilweise sind ganze Rebstöcke erfroren. Weil an den Reben Hauptaugen abgefroren sind, bildeten sich Nebenaugen; diese tragen keine brauchbaren Früchte. Der Austrieb erfolgte spät. Dazu kamen noch massive Niederschläge im Juni. Die Feuchtigkeit bildete die Grundlage für den falschen Mehltau. Es gäbe kaum einen Rebberg im Kanton, der nicht von falschem Mehltau betroffen sei. Auch in den besichtigten Reben-Parzellen konnte man Symptome von Mehltau erkennen. Die schlechte Witterung während dem Blühet begünstigte zudem die Verrieselung. Der Pflanzenschutz sei in normalen Jahren kein Problem, meinte Rey. Man müsse im richtigen Zeitpunkt die richtigen Mittel einsetzen. Heuer sei der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sehr schwierig gewesen, gestand Rey zu. Auch alternative Methoden wie Auslauben, Mähen in den Rebengassen zeitigten nur mässige Wirkung.

Der Rebbaukommissär sorgt sich auch um die Zukunft. Durch Importe seien tierische Schädlinge wie asiatische Maienkäfer und Kirschenessigfliegen (Suzuki) nach Europa gekommen. In den landwirtschaftlichen Fachschulen seien Lockstofffallen aufgestellt worden. Bis heute sei nur eines dieser Viecher gefunden worden, meinte Rey. Ausgerechnet in Wädenswil! Der Schreiber fragt sich, weshalb sich das unselige Tier gerade nach Wädenswil verirrt hat. Wo doch bekannt ist, dass dort die Weinbaufachleute ausgebildet werden...

Man lernte viel über Nützlinge und Schädlinge auf diesem informativen Rebumgang. Peter Rey hat es verstanden mit viel Humor auch über ungute Sachen zu berichten. Nach knapp einer Stunde trieb jedoch die grosse Hitze die Rebenwanderer wieder zurück auf den Festplatz.

Auf dem Eichhof

In der Remise hatten die Rebgenossen Bänke und Tische aufgestellt und eine Festwirtschaft eingerichtet. Die Musikgesellschaft Würenlingen spielte auf. Die veranstaltenden Weinbauern schenkten ausgezeichnete Weine ein. Dazu gab es köstliche Grilladen. Die gastgebende Bäuerin hatte dazu fein mundendes Bauernbrot gebacken.

Jedem Gast wurde ein Glas 2010er Blauburgunder Eichengärtler eingeschenkt. Peter Rey kommentierte mit witzigen Worten den gut gelungenen schönen Wein. Er wehrte sich vehement dagegen, dass heute noch Leute Weine aus der Ostschweiz despektierlich als „Landwein“ abtun.

Es mussten sogar zusätzliche Festbänke aufgestellt werden, damit alle gegen Abend noch aufmarschierenden Gäste Platz fanden.