Leserbeitrag
Pro Senectute Wanderung im Tösstal

Im Schnee der Töss entlang

Lino Burkard
Drucken

Würenlingen (lb) 21 unverzagte Seniorinnen und Senioren trafen sich morgens um 9 Uhr beim Bahnhof Niederweningen. Das Wetter war trüb und kalt. Der leichte Schneefall trübte die Vorfreude auf den heutigen Wandertag keineswegs. Mit der Bahn führte die Reise über Oerlikon nach Winterthur. Weiter gings durchs Tösstal, das vielen Teilnehmern bekannt war von „Klein-Wanderungen“. Im Dorf Wila im oberen Tösstal hiess es aussteigen. Die schmucke Dorfkirche, auf einem Hügel stehend, überragt das Dorf.

Auf ihrem 56 Kilometer langen Weg durchfliesst die Töss das Tösstal von der Quelle am Tössstock bis zur Mündung in den Rhein bei Eglisau. 1787 lebten im Zürcher Oberland 34‘000 Familien vom Handspinnen. Als billiges Maschinengarn aus England auf den Markt kam, brach die grosse Krise aus. Vermögende Geschäftsleute gründeten im Tösstal eine Textilindustrie. So fanden bereits anfangs 19. Jahrhundert ca. 3‘800 arbeitslose Handspinner wieder Arbeit. Die Töss lieferte die Energie für den Betrieb dieser Fabriken. Von diesem geschichtlichen Hintergrund lebte die heutige Wanderung.

Die Wanderroute führte flussabwärts auf der linken Talseite Richtung Norden. In kurzer Zeit erreichten die Wanderer das für das Tal wichtige Zentrum Turbental. In flussnähe fallen hier zwei markante Fabrikbauten auf. Der verschneite Wanderweg brachte die Seniorinnen und Senioren aus dem Zurzibiet einer Flussschleife entlang nach Rämismühle. Ein weiteres, grosses Industrieensemble steht hier an der Töss. Die Wandergruppe erreichte wenig später den tief verschneiten und vereisten Himmerichsweiher. Dieser Weiher ist noch heute Teil des Tössgewerbekanals und dient als Tagesausgleichsbecken. In Rikon wurde im Isebähnli Mittagsrast gemacht. Rikon ist bekannt durch die „Pfanni“. Die Familie Kuhn betreibt hier seit 1926 eine Fabrik für die Herstellung von Pfannen. Nachdem die Schweiz in den Sechzigerjahren als erstes Land im grösseren Massstab tibetanische Flüchtlinge aufnahm, regte die Familie Kuhn die Gründung eines klösterlichen Tibet-Instituts an. Der Dalai Lama liess sich für diese Idee begeistern. Seither stellt dieses Institut einen wichtigen Teil der tibetischen Kultur der Schweiz dar.

Nach dem Mittagessen führte die Wanderung weiter dem Waldrand entlang nach Kollbrunn. Schon von weitem sichtbar ist hier eine der spektakulärsten Industrieanlagen. Die Fabriken boten bereits 1830 ca. 1000 Arbeitern Auskommen und Verdienst. Ein Aquädukt, eine genietete Stahlröhre von 1,8 Metern Durchmessern, leitet noch heute den Gewerbekanal über die Töss und das Wasser den Turbinen zur Wassergewinnung zu. Beim Bahnhof Kollbrunn beendeten die wetterfesten Teilnehmerinnen und Teilnehmer diesen interessanten Wandertag. Ein herzliches Dankeschön für diese Reise in die industrielle Vergangenheit gebührt den Organisatoren, dem Wanderleiterehepaar Elisabeth und Reto Klein.