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Den Neophyten auf der Spur

Astrid Baldinger
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Bild: Astrid Baldinger
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(chm)

Rund ein Dutzend Interessierte entdeckte in Riniken vier aktuelle Neophyten und erfuhr in einem zweistündigen Rundgang, wie diese Pflanzen zu erkennen sind und wie man sie fachgerecht entfernt.

Ein Bild anschauen ist eine Sache. Eine Pflanze riechen, die Wurzeln in der Hand halten, die Blätter vergleichen und ob der schieren Grösse von Stängeln des Drüsischen Springkrauts sich wie im Dschungel zu fühlen: Das ist etwas anderes. Das Angebot, auf einem Rundgang durch Dorf und Wald vier aktuell vor dem Versamen stehende Neophyten zu erkennen und zu lernen, wie man sie fachgerecht entfernt, stiess auf starkes Interesse.

Pflanzen erkennen

Ein gutes Dutzend folgte den Ausführungen von Renate Erb, Vorstandsmitglied BirdLife Brugg, die erklärte, dass sehr viele Leute, diese die einheimische Flora verdrängenden Pflanzen schlicht nicht kennen. Es geschehe aus Unwissen, wenn die «schön» gelb blühende Kanadische Goldrute im Garten stehe, auch das Einjährige Berufkraut habe ein leichtes Spiel, wenn man es nicht kennt. Astrid Baldinger, Präsidentin von Die Mitte Riniken und Mitorganisatorin des Rundgangs, erklärte denn auch, dass es nicht darum gehe, «Sündenböcke» zu finden, sondern jeder befähigt werde, diese sich massiv ausbreitenden Pflanzen sicher zu erkennen, zu handeln und dieses Wissen weiterzugeben. Sie sei selbst erschrocken, wie solche Pflanzen es schafften, unbemerkt im eigenen Garten heranzuwachsen.

Hartnäckig bleiben

Das starke Ausbreiten der Neophyten steht dem Bestreben des Bundes und des Kantons, die Biodiversität zu fördern, entgegen. Diese nicht einheimischen Pflanzen sind enorm schnell wachsend und machen den bestehenden Blumen den Standort schon früh im Jahr streitig. Renate Erb erklärte den Teilnehmenden, dass es sich lohnt, hartnäckig zu sein. Die Erfahrung zeige, dass sich ein Standort sehr wohl erhole, doch müssten Neophyten während mehrerer Jahre reduziert und kontrolliert werden. Das mannshohe Drüsische Springkraut im Wald liess sich leicht roden – allerdings fiel dabei eine so grosse Biomasse an, dass diese zunächst auf einem grossen Haufen verrottet und reduziert wird. Die Kanadische Goldrute hat ihren Platz in den Gärten, aber auch am Waldrand. Das Einjährige Berufkraut kannten einige, neu aber war allen Teilnehmenden das Kanadische Berufkraut, das bereits viele Standorte besetzt.

Schutz der einheimischen Pflanzen weiterführen

Die einheimischen Pflanzen sind Nahrungsquelle für die hiesige Tierwelt. Wer diese Pflanzen schützt, fördert damit die Vielfalt der Insekten. Je mehr Wissen vorhanden ist, desto grösser ist die Chance, den Neophyten beizukommen: Das bewiesen die Teilnehmenden nach dem Rundgang. Am selben Abend füllten sich bereits die ersten Abfallsäcke mit Samenständen aus dem eigenen Garten. Der Austausch zu diesem Thema war für alle bereichernd: Ideen kamen auf, wie man im nächsten Jahr gemeinsam noch mehr erreichen könnte.

Astrid Baldinger (Die Mitte Riniken), Renate Erb (BirdLife Brugg und Umgebung)

Legende: Nach dem Motto «hands on und Wissen weitergeben» erfolgte der Rundgang in Riniken praxisnah. Neophyten im Wald und in den Gärten kennen lernen und entfernen.

Bild: zvg/Daniel Fuchs

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