Leserbeitrag
Der Orchesterverein Niederamt spielte Werke von Warlock, Haydn und Beethoven

Zum 80-jährigen Jubiläum konzertierte das überregionale Orchester in der reformierten Kirche Lostorf. Der 23-jährige Yannick Wey begeisterte mit dem Trompetenkonzert von Haydn.

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Draussen kam ein Sommersturm auf, Sträucher wogten quer, in der Kirche hatten sich gerade die Musiker des 47-köpfigen Orchesters gesetzt, die Konzertmeisterin Anne-Françoise Schmid hatte das Orchester eingestimmt, als der hochgewachsene 34-jährige David Reitz im Schnellschritt an das Dirigentenpult trat. Das in leichtem Sommerschwarz gekleidete Orchester wartete mit angesetzten Geigenbögen auf den Auftakt zur Basse-Danse, zum ersten der sechs Tänze der Capriol Suite von Peter Warlock. Die Kompositon des 1930 mit erst 36 Jahren verstorbenen autodidaktischen britischen Komponisten, entstand 1926.

Volle, runde Streicherklänge erfüllten den lichtdurchfluteten, modernen Kirchenraum. Die drei Kontrabasse untermalten das Tänzerische. Vom Allegretto im zweiten Tanz „ Pavane", führte David Reitz die Laienmusiker zum Pizzicato, der langen gezupften Passage im „Tordion", dem dritten Tanz. Der junge Dirigent, der den Orchesterverein nun im elften Jahr leitet, stampfte, zog die Luft hörbar durch den Mund ein. Es passte zur Dynamik der Suite, die dann in „Mattachins", dem Schwert-Tanz, ihren Endpunkt erklomm.

Dialog in Es-Dur
Nun hatten auch die Bläser und der Paukist ihre Plätze eingenommen und der junge Solist Yannick Wey wartete auf seinen Einsatz im Trompetenkonzert in Es-Dur von Joseph Haydn. Das Konzert in drei Sätzen wurde im Jahr 1800 uraufgeführt. Schon im Allegro des ersten Satzes wurde klar, es geht um einen Dialog. Die Töne, die Yannick Wey seiner Trompete entlockte, tönten wunderbar klar und erfüllten den Raum. Die bis fast auf den letzten Platz besetzte Kirche wurde miteinbezogen, kein Ton war zu grell oder wurde vom Raum verschluckt, die gute Raumakkustik verschärfte vielmehr noch das glasklare Spiel des Blechbläsers in vierter Generation. Er spielte die Frage, die Streicher und Bläser antworteten, die dezenten Paukenschläge unterstrichen den Dialog mit Nachdruck. Die chromatischen Tonleitern der Trompete, schienen aber auch dem inzwischen starken Wind in den Bäumen vor den hohen Kirchenfenstern zu kontern.

Der Dirigent blickte verträumt, hatte kurz die Augen geschlossen, um kurz darauf die Bläser zu fixieren. Selbst das symmetrische Notenblättern zwischen dem Andante des zweiten Satzes und dem Allegro im dritten Satze, schien zur Gesamtkomposition zu gehören.

Der nicht endend wollende Applaus galt der herausragenden Leistung des jungen, aufstrebenden Trompeters, der zur Zeit das Trompetenstudium bei Professor Frits Damrow, dem Solotrompeter des Concertgebouw Orchester Amsterdam, absolviert. Die Präsidentin des Orchestervereins, Laura Rohner sagte im Anschluss des Konzerts dann auch: „Mit Yannick zu spielen, war für uns als Laienorchester eine grosse Ehre, vor allem aber eine grosse Herausforderung". Dem etwas scheuen Solisten schien der Applaus gar ein wenig unangenehm. Zu Unrecht.

Vorahnung der heranrückenden Romantik in C-Dur
Nach einer kurzen Pause setzte das Orchester zum dritten Teil des Konzerts an. Der dramatische Einstieg mit dem Adagio molto des ersten Satzes- obschon in C- Dur- gelang den Steichern. Die Sinfonie Nr.1, op. 21 in vier Sätzen widmete Beethoven seinem Förderer, Baron Gottfried von Swieten. Das Stück ist das letzte symphonische Zeugnis der klassischen Kultur mit der Vorahnung der heranrückenden Romantik. Das wilde Feuer der zukünftigen Romantik und ihre Leidenschaft, setzte das Orchester um David Reitz spürbar um. Diesmal fand der Dialog zwischen Bläsern und Streichern statt. Sie schaukelten sich gegenseitig hoch, die Saitengriffe synchron, angespannte Nackenmuskeln. Draussen eine Sommersturmkomposition. Mit einem feurigen Finale endete das Konzert.

Raphaela Gysi

Der Orchesterverein Niederamt ist ein überregionales Laienorchester. Es probt nicht projektbezogen, sondern einmal pro Woche. In der ersten Jahreshälfte wird ein klassisches Konzert gegeben, einmal im Kanton Solothurn, einmal im Aargau, da rund die Hälfte der Musiker aus dem Aargau kommt. Im Herbst wird bei einem „Kaffeehauskonzert" leichte Musik von Strauss, aus Pop- oder Filmmusik gespielt. Zur Zeit sucht der Orchesterverein motivierte Hornistinnen und Hornisten.

www.orchesterverein-niederamt.ch