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"Blas mer i d Schue" Vortragsabend der Volkshochschule Wynental

Evelyn Pesentheiner
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Evelyn Pesentheiner
undefined „Blas mer i d Schue“: Nahtlos wechselte Christian Schmid vom Vorlesen ins Erzählen und zurück.

undefined „Blas mer i d Schue“: Nahtlos wechselte Christian Schmid vom Vorlesen ins Erzählen und zurück.

Evelyn Pesentheiner

Einen Volltreffer landete die Volkshochschule Wynental am vergangenen Mittwoch mit dem Vortrag von Christian Schmid. Der Autor, Publizist und ehemalige Redaktor der Mundartsendung „Schnabelweid“ im Schweizer Radio DRS 1 fesselte in der Aula des Breiteschulhauses Reinach das Publikum mit seinen Geschichten rund um Sprichwörter und Redensarten.

Gewöhnlich setzt der Spruch „Blas mer i d Schue“ einem Gespräch ein jähes Ende. Der eine rauscht davon, der andere bleibt zurück wie ein begossener Pudel und die Stimmung ist im Eimer. Nicht so bei Christian Schmid. Rund hundert Besucher hat der Titel seines Buches nicht abgeschreckt sondern angelockt. Das Ende des Vortrags kam zwar auch viel zu schnell, doch hinterliess Christian Schmid anstelle begossener Pudel begeisterte Zuhörer, die vom Fragen gar nicht genug bekommen konnten.

Berndeutscher Charme und regionaler Bezug
„Jetz isch gnue Höi dunger“, mit einem allseits bekannten Sprichwort führte Christian Schmid gleich mitten ins Thema und räumte die vorgängig geäusserten Bedenken eines Besuchers, ob die Beispiele auch genügend regionalen Bezug haben würden, schnell aus. Der pensionierte Radiomann versteht es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Seine Stimme ist warm und prägnant, sein Dialekt weckt Sympathien. Heute lebt Christian Schmid in Schaffhausen, aufgewachsen ist er, als Sohn eines Grenzwächters, in verschiedenen Regionen der Schweiz. Die Schaffhauser Mundart kann er nicht, Baseldeutsch spricht er sehr überzeugend, zu seiner Erstsprache aber hat er Berndeutsch, den Dialekt seiner Eltern erwählt.

Die Reinacher Häftlimacher
„Abfaare Züri füfzg“, „Ufpasse win e Häftlimacher“ oder „Die Flinte ins Korn werfen“ – an gut einem Dutzend Beispiele zeigte Christian Schmid exemplarisch auf, dass sich Sprichwörter und Redensarten ursprünglich meist auf Alltagssituationen beziehen und ihre Wurzeln in verschiedenen Lebensbereichen haben. Viele kommen aus der Landwirtschaft oder leiten sich von Berufen ab. Andere entstammen der Religion oder der Literatur. Während es einige Sprichwörter auch im Hochdeutschen gibt, existieren andere nur in der Mundart. Sprichwörter sind bildhaft. Dass sie in den Köpfen Vorstellungen wecken, zeigte sich am zustimmenden Murmeln und dem wissenden „Jaja“ der Zuhörer, die sich wohl beim einen oder anderen Bild an früher, an ihre Kindheit erinnert fühlten. So ist beispielsweise der Häftlimacher den älteren Reinachern bestens vertraut, ist doch das Dorf mit der Draht- und Metallwarenfabrik Fischer, heute Fischer Reinach AG, eine ehemalige Hochburg der Häftlimacher, also der Produzenten von Haken und Häkchen, wie jemand aus dem Publikum zu berichten wusste.

Wann ist der Bär ein Bär?
Christian Schmid überzeugte mit fundiertem Fachwissen, ohne unnötig mit Fachbegriffen um sich zu werfen. Er zeigte auf, dass die Erklärungen, die sich etwa im Internet zu Sprichwörtern finden, nicht immer zutreffend sind. So geht zwar der Bärendienst, den man jemandem erweisen kann, tatsächlich auf den Bären als Tier zurück, „jemandem einen Bären aufbinden“ jedoch hat genauso wenig mit dem Bären zu tun wie der sprichwörtliche „Chuenagel“ mit der Kuh. Der Chuen-Agel meint einen festen, spitzen Gegenstand und Bär geht auf das alte Verb „beren“, was „mit Anstrengung tragen“ meint, zurück. Die Begeisterung für Sprache, für Mundarten und ihre Feinheiten war Christian Schmid bei jedem Satz anzumerken. Mühelos wechselte er vom Vorlesen ins Erzählen und wieder zurück. Ganz ohne Beamer, jedoch mit viel Körpersprache und intensivem Blickkontakt zauberte er lebendige Bilder in die Köpfe der Zuhörer.

Für weitere Fragen...
Das Publikum zeigte sich vom Vortrag begeistert. Einiges war bekannt gewesen, anderes neu, nie aber hatte man es mit so viel Enthusiasmus erzählt bekommen. Entsprechend intensiv entwickelte sich auch die Fragerunde und selbst beim anschliessenden Signieren der Bücher, welche im Nu ausverkauft waren, diskutierten der Autor und seine Gäste munter weiter. Auch wenn es eigentlich „höchschti Isebaan“ gewesen wäre, Christian Schmid nahm sich gerne Zeit für all die Fragen und Rückmeldungen und fuhr mit einem späteren Zug nach Hause.

Das Buch „Blas mer i d Schue, 75 Redensarten – Herkunft und Bedeutung“ ist im Cosmos Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich.