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Milben, Zecken, Fuchsbandwürmer: Diese Parasiten wohnen auf und in uns Menschen

Wir sind nie alleine. Auf und in uns Menschen können Millionen andere Wesen wohnen, etwa Milben oder Würmer. Wir stellen die acht häufigsten vor.

Sheila Eggmann
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Diese Parasiten können auf uns leben: Die Haarbalgmilbe, der Gemeine Holzbock und der Fuchsbandwurm.

Diese Parasiten können auf uns leben: Die Haarbalgmilbe, der Gemeine Holzbock und der Fuchsbandwurm.

Bilder: Science Photo Library RF und iStockphoto

Kribbelt es bei Ihnen? Wohl jetzt noch nicht. Vielleicht tut es das nach dieser Lektüre. Aber krabbeln, das tut es mit grosser Sicherheit. Und zwar sowohl auf Ihrer Haut als auch unter ihr.

Auf uns Menschen leben unzählige andere Organismen. Solche, die sich von uns ernähren, nennt man Parasiten. Manche sind ungefährlich. Andere können uns schädigen, indem sie unsere Organfunktionen beeinträchtigen, Zellen zerstören und wichtige Nährstoffe entziehen. Wir stellen die acht Parasiten vor, die am häufigsten in der Schweiz auftreten.

Das Toxoplasma gondii: Der erfolgreichste Parasit der Erde

Verbreitung in der Schweiz: bei bis zu 80 Prozent aller Menschen
Ist besonders gefährlich für: Schwangere, beziehungsweise ihr Kind und für immungeschwächte Menschen

Gelangt über rohes Fleisch und ungewaschenes Gemüse zu uns: Das Toxoplasma gondii.

Gelangt über rohes Fleisch und ungewaschenes Gemüse zu uns: Das Toxoplasma gondii.

Bild: iStockphoto

Der Einzeller, der wie ein Pokémon klingt, ist in der Lage, fast alle Säugetiere zu infizieren. Aber nur wenige Spezies entwickeln schwere Erkrankungen. Hauptwirte sind Katzen, alle anderen sind Zwischenwirte. Bei Mäusen bewirkt die Infektion, dass sie ihre angeborene Furcht vor Katzen verlieren.

Auf den Menschen überträgt sich das Toxoplasma gondii vor allem über rohes Gemüse und Fleisch. Für die meisten ist es ungefährlich. Doch: Schwangere, die sich noch nie infiziert hatten und das während der Schwangerschaft tun, haben ein Problem. Denn der Parasit kann eine Erkrankung beim Kind verursachen. Deshalb ist es für nicht infizierte Frauen so wichtig, sich während der Schwangerschaft von Katzenkot, rohem Fleisch sowie ungewaschenem Gemüse fernzuhalten.

Das Giardia intestinalis: Oft ein Grund für Durchfall auf Reisen

Verbreitung in der Schweiz: weit verbreitet, besonders in jungen Nutz- und Haustieren, seltener im Menschen
Ist besonders gefährlich für: Kinder, Menschen mit Vorerkrankungen, Immungeschwächte

Die Giardien werden fäkal-oral übertragen.

Die Giardien werden fäkal-oral übertragen.

Bild: iStockphoto

Die Giardien sind einzellige Parasiten, die es sich in unserem Dünndarm bequem machen und Durchfall auslösen. In manchen Regionen ist bis zu einem Drittel der Bevölkerung infiziert. In der Schweiz kommen sie aber im Menschen eher selten vor und wenn, dann werden sie meist von Reiserückkehrern eingeschleppt.

Die Giardien werden fäkal-oral übertragen. Das bedeutet, sie werden über Lebensmittel oder Trinkwasser übertragen, die mit Spuren von Stuhl eines oder einer Infizierten verunreinigt sind. Oft geschieht dies bei der Zubereitung von Essen durch schmutzige Hände oder verseuchtes Trinkwasser.

Oft zeigen infizierte Menschen keine Beschwerden, sodass sie nie behandelt werden. Sie können den Parasiten aber weiterverbreiten. Deshalb ist die Bekämpfung schwer. Der Parasit überträgt sich nebst dem Menschen auch noch auf andere Säugetiere wie Katzen, Hunde, Biber und auch besonders auf junge Nutztiere.

Der Fuchsbandwurm: Er befällt die Leber eines Menschen

Häufigkeit in der Schweiz: beim Menschen 30 bis 50 neue Fälle pro Jahr
Ist besonders gefährlich für: alle infizierten Menschen

Der Mensch ist sehr resistent gegen ihn: Der Fuchsbandwurm.

Der Mensch ist sehr resistent gegen ihn: Der Fuchsbandwurm.

Bild: Science Photo Library RF

Der Fuchsbandwurm, oder auch Echinococcus multilocularis genannt, ist in der Schweiz weit verbreitet. Nur im Südtessin ist er nicht anzutreffen. Er lebt im Dünndarm von Füchsen, seltener von Hunden und Katzen. Mit dem Kot dieser Tiere werden Eier des Bandwurmes ausgeschieden.

Menschen stecken sich bei infizierten Tieren durch Hände-Mundkontakt oder durch Kontakt mit ihrem Kot an. Aber auch durch rohe Lebensmittel und Trinkwasser, wenn diese mit Eiern des Fuchsbandwurms verunreinigt sind. Der Mensch ist sehr resistent gegenüber diesem Parasiten. Wenn aber die Larven in den Eiern in den Darm eindringen können, dann oft mit schwerwiegenden Folgen. Der Bandwurm kann beim Menschen eine schwere Leberkrankheit, ähnlich einer Tumorerkrankung, auslösen. Die Erkrankung wird oft erst nach Monaten bis Jahren entdeckt, wenn sich die Folgen der Organschädigungen bemerkbar machen.

Der Enterobius vermicularis: Er löst Juckreiz in der Anal-Gegend aus

Verbreitung in der Schweiz: unklar, wird aber immer wieder nachgewiesen
Ist besonders gefährlich für: Kleinkinder, Frauen

Auf ihn können wir gerne verzichten: Der Madenwurm Enterobius vermicularis.

Auf ihn können wir gerne verzichten: Der Madenwurm Enterobius vermicularis.

Bild: iStockphoto

Enterobius vermicularis könnte auch ein Zauberspruch von Harry Potter sein, ist aber ein Madenwurm. Er wird von Mensch zu Mensch übertragen, meist über Handkontakt. Danach kann er die Krankheit Oxyuriasis auslösen. Madenwürmer kommen bei Babys und Kindern häufiger vor, teilweise aber auch bei Erwachsenen. Sie bleiben oft lange Zeit unbemerkt, da sich keine Symptome zeigen. Das häufigste und spezifischste Symptom der Oxyuriasis ist der Juckreiz am After.

Da die weiblichen, bis zu 1,5 Zentimeter grossen Würmer meist nachts aus dem After austreten, um ihre 10'000 Eier in den Hautfalten der umliegenden Haut zu verteilen, ist der Juckreiz besonders nachts lästig. Bei der Inspektion des Stuhls oder der Unterhose werden manchmal kleine Würmer entdeckt. Bei Mädchen und Frauen besteht die Gefahr, dass der Wurm die weiblichen Genitalien befällt und dort eine Entzündungsreaktion auslöst. Solche Komplikationen sind aber selten.

Die Kopfläuse: Sie können nur auf dem menschlichen Kopf überleben

Verbreitung in der Schweiz: sehr häufig, besonders in Schulen
Sind besonders gefährlich für: niemanden, aber sie nerven

Sie ernährt sich von unserem Blut: Die Kopflaus.

Sie ernährt sich von unserem Blut: Die Kopflaus.

Bild: iStockphoto

An diese Parasiten erinnern Sie sich möglicherweise aus der Schulzeit. Kopfläuse sind rund drei Millimeter grosse Insekten mit sechs Beinen. Ihre einzige Nahrung ist das Blut des Menschen. Sie klammern sich am Haaransatz fest. Springen oder fliegen können sie hingegen nicht. Übertragen können sich die Tierchen nur mittels eines Kopf-an-Kopf, beziehungsweise Haar-an-Haar-Kontakt.

Am Tag legt ein Kopflausweibchen fünf bis zehn Eier ab. Im Laufe ihres insgesamt etwa 30-tägigen Lebens kann es also einen beachtlichen Befall verursachen. Obwohl Läuse nicht gefährlich sind, ist für viele Menschen ein Befall problematisch. Sie schämen sich dafür, da Läuse fälschlicherweise mit einer unzureichenden Hygiene gleichgesetzt werden. Zudem kann ein quälender Juckreiz auftreten. Durch das Kratzen können wiederum bakterielle Infektionen entstehen.

Der Gemeine Holzbock: Die wichtigste Zeckenart der Schweiz

Verbreitung in der Schweiz: Häufig. Befall überall möglich, von März bis November
Können gefährlich werden für: Zecken können Krankheiten wie Borreliose oder die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen und deshalb für alle Betroffenen gefährlich werden

Der Gemeine Holzbock kann Krankheitserreger übertragen.

Der Gemeine Holzbock kann Krankheitserreger übertragen.

Bild: iStockphoto

Der Gemeine Holzbock stammt aus der Familie der Spinnentiere. Er ist ausgewachsen zwischen 2,5 und 4,5 Millimeter gross und lebt am liebsten auf Büschen oder Gräsern. Bei Temperaturen unter acht Grad Celsius fällt die Zecke in eine Art Winterschlaf.

Wirte wie kleine Nager, Vögel, Rehe oder auch Hunde, Katzen und Menschen sticht die Zecke, um während mehrerer Tage Blut zu saugen. Mit ihrer Kieferklaue ritzt die Zecke eine Wunde in die Haut des Wirts. Anschliessend verankert sie den mit Widerhaken ausgestatteten Saugrüssel. Der Stich ist schmerzlos dank eines betäubenden Sekrets im Speichel, das beim Stich abgesondert wird.

Ist die Zecke vollgesogen, kann sie das bis zu 200-fache ihres Körpergewichts erreichen. Während der Blutaufnahme iniziiert die Zecke immer wieder Speichel. Dadurch können Krankheitserreger in den Wirt gelangen. Jährlich erkranken in der Schweiz laut Schätzungen etwa 10’000 Personen an Borreliose. Wenn Borreliose aber rechtzeitig entdeckt wird, kann sie durch Antibiotika in der Regel vollständig geheilt werden.

Auch die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, kann durch Zecken übertragen werden. Gegen diese Krankheit kann man sich impfen lassen. Jedes Jahr werden rund 100 bis 250 FSME-Fälle registriert. In den letzten Jahren Tendenz steigend. Während das Borreliose-Risiko in allen Regionen besteht, werden einzig die Kantone Genf und Tessin nicht zum FSME-Risikogebiet gezählt.

Die Haarbalgmilbe: Sie lebt mit grosser Wahrscheinlichkeit auf Ihrem Gesicht

Verbreitung in der Schweiz: bei bis zu 100 Prozent aller Menschen
Ist besonders gefährlich für: niemanden, sie nerven nicht einmal

Bei Erwachsenen leben etwa Tausend Milben im Gesicht.

Bei Erwachsenen leben etwa Tausend Milben im Gesicht.

Bild: Science Photo Library RF

Diese Milben leben auf dem Gesicht, in den Poren der Gesichtshaare. Und das bei fast allen Menschen. Zum Glück sind sie so klein, dass wir sie mit blossem Auge nicht erkennen können. Schönheiten sind sie nicht: Sie besitzen vier stämmige Beinpaare, die am Ende stumpfe Klauen tragen. Allerdings aber haben sie keinen Anus, ihr Kot bleibt lebenslang in ihrem Körper.

Je älter man wird, desto mehr Milben hausen im Gesicht. Erwachsene beherbergen etwa Tausend Stück, wie der Wissenschaftsjournalist Jörg Blech in einem Artikel auf Geo.de schreibt. Die Milben verlassen ihr Zuhause so selten, dass Forscherinnen und Forscher sie kaum beobachten können, daher wissen wir nur wenig über ihre Lebensweise. Vermutlich fressen sie unsere toten Hautzellen und Hauttalg.

Der Menschenfloh: Ist mittlerweile fast ausgerottet

Verbreitung in der Schweiz: auf Menschen sehr selten
Ist besonders gefährlich für: Ein Biss selbst ist ungefährlich, Flöhe können aber gefährliche Krankheiten wie Borreliose übertragen

War im Mittelalter für die Übertragung der Pest verantwortlich: der Floh.

War im Mittelalter für die Übertragung der Pest verantwortlich: der Floh.

Bild: iStockphoto

Früher hatte fast jede und jeder sie, heute sind sie in so gut wie ausgestorben: Menschenflöhe. Die nur drei Millimeter kleinen Tierchen leben von Menschen- oder Tierblut. Die Larven ernähren sich hauptsächlich vom Kot der erwachsenen Flöhe.

Bei Hunden und Katzen sind Flöhe noch immer verbreitet und sie haben das ganze Jahr über Saison. Diese Flöhe können auch Menschen stechen, es entstehen dadurch Quaddeln, die sehr beissen. Menschen werden besonders dann von Flöhen befallen, wenn aufgrund eines starken Befalls sehr viele Flöhe vorhanden sind. Dabei können verschiedene Krankheitserreger übertragen werden, die gesundheitliche Probleme verursachen. Im Mittelalter waren Flöhe für die Übertragung der Pest verantwortlich.

Um die Haustiere von den Plagegeistern zu befreien und damit einen Übergriff von Flöhen auf Menschen zu verhindern, sollten alle Tiere eines Haushalts mit geeigneten Antiparasitika behandelt werden.

Die Informationen für diesen Artikel stammen aus folgenden Quellen

Zeitschrift Geo, insbesondere dieser Artikel von Wissenschaftsjournalist Jörg Blech

Text von Tobias Harport, Assistenzarzt in Weiterbildung bei der Klinik für Infektiologie, St. Joseph Krankenhaus

Netdoktor, insbesondere der Text über Giardiasis und über Madenwürmer

Bundesamt für Gesundheit, insbesondere dieser Text über Fuchsbandwürmer

Informationsseite zu Kopfläusen Kopflaus.info

Lagebericht zu zeckenübertragenen Krankheiten des BFS, und die Informationsseite Zecken-stich.ch